Wer sich durch Neuheitenlisten, Messeankündigungen oder
Herstellerpräsentationen arbeitet, stößt schnell auf ein scheinbares Paradoxon:
Auf der einen Seite preislich klar kalkulierte Produkte, modulare Systeme, Sets
mit möglichst langer Nutzungsdauer. Auf der anderen Seite limitierte Editionen,
Designobjekte, Collectibles: Spielwaren, deren Wert weniger im Spiel als in
Material, Ästhetik oder Symbolik liegt.
Diese Gleichzeitigkeit ist kein kurzfristiges
Krisenphänomen. Sie ist Ausdruck eines Marktes, der nicht mehr über Masse
wächst, sondern über Differenzierung. Bedürfnisse, die lange nebeneinander
existierten, werden heute offener und gezielter bedient. Erwachsene als
Zielgruppe etwa sind keine neue Erfindung, sie werden nur erstmals konsequent
angesprochen. Axel Dammler von iconkids & youth beschreibt das nüchtern als
verspätete Marktanpassung: Gesammelt, gepuzzelt und gebaut hätten Erwachsene
schließlich schon immer.
Entsprechend fragmentiert sich auch das Kaufverhalten.
Familien wägen Preise bewusster ab und erwarten dafür durchdachte Konzepte mit
echtem Wiederspielwert. Parallel wächst eine Käuferschicht, die gezielt
investiert – nicht in viele Produkte, sondern in wenige, hochwertige. Wert
entsteht dabei entweder über Funktion oder über Bedeutung. Dazwischen wird es
zunehmend eng.
Wenn Spiele ernster werden

Parallel zur Sortimentsentwicklung verändert sich, wie gespielt wird. Gesellschaftsspiele, Rätsel- und Story-Formate werden strategischer, strukturierter und oft auch langlebiger. Die Grenzen zwischen klassischer Spielware, Gaming und Hobbysegment verschwimmen weiter, jedoch weniger über Technik als über Mechaniken.
Mit wachsender Spielerfahrung steigen die Ansprüche. Das ist
kein Bruch, sondern ein Prozess. Entscheidend ist jedoch, Komplexität nicht mit
Qualität zu verwechseln. Nur ein kleiner Teil der Konsumenten sucht maximale
Tiefe und ausufernde Regelwerke. Für die Mehrheit müssen Spiele zugänglich
bleiben. Ein gutes Beispiel dafür sind Spiele wie „Dorfromantik: Das Brettspiel“,
die bewusst auf klare Regeln, strategische Entscheidungen und hohen
Wiederspielreiz setzen, ohne durch Komplexität zu überfordern.
Der Trend geht deshalb weniger zu „schwieriger“, sondern zu
„ernsthafter“ Spielmechanik: klare Entscheidungen, nachvollziehbare Systeme,
spürbarer Wiederspielreiz. Spiele wollen heute nicht beeindrucken, sondern
überzeugen.
Nachhaltigkeit verliert den Bonus
Ein Thema, das den Markt seit Jahren begleitet, wird 2026
neu eingeordnet: Nachhaltigkeit. Recycelbare Materialien, reduzierte
Verpackungen und entsprechende Labels sind inzwischen Standard und genau das
nimmt ihnen ihre Strahlkraft.
Nachhaltigkeit ist damit kein Verkaufsargument mehr, sondern
eine Eintrittsvoraussetzung. Axel Dammler bringt es bemerkenswert
offen auf den Punkt: Nachhaltigkeit verkauft nicht. Zumindest nicht kurzfristig
und nicht flächendeckend. Für Hersteller und Handel bedeutet das ein Umdenken.
Investitionen in Nachhaltigkeit zahlen sich weniger im Abverkauf aus als in
Glaubwürdigkeit gegenüber Handelspartnern, öffentlichen Einrichtungen und
langfristig auch gegenüber Konsumenten.
2026 markiert damit keinen Durchbruch, sondern einen
Prüfstein: Wer Nachhaltigkeit nur behauptet, verliert Vertrauen. Wer sie still
und konsequent umsetzt, erfüllt eine Erwartung.
Spielzeug als Rückzugsort
Neu ist weniger das Produkt als die Perspektive. Spielzeug
darf wieder entschleunigen, ordnen, beruhigen. Für Kinder ebenso wie für
Erwachsene. Statt Leistungsversprechen treten emotionale Funktionen in den
Vordergrund: Konzentration, Struktur, Sicherheit. Das ist kein kurzfristiger
Trend, sondern die bewusste Rückbesinnung auf das, was Spielwaren immer schon
leisten konnten, aber nun auch offen kommunizieren dürfen.
Technik mit angezogener Handbremse
Der Blick auf Technologie ist spürbar nüchterner geworden.
Hybride Spielkonzepte und AR-Anwendungen haben vielerorts Erwartungen geweckt,
die sie spielerisch nicht einlösen konnten. Technik um der Technik willen stößt
zunehmend auf Skepsis.
Anders wird KI bewertet. Hier geht es weniger um
spektakuläre Neuerungen als um stille Verbesserungen. KI ist im Spielzeug
längst angekommen – oft unbemerkt. Erfolgreich ist sie immer dann, wenn sie das
Spielerlebnis spürbar verbessert, ohne sich in den Vordergrund zu drängen:
durch flüssigere Abläufe, bessere Steuerung oder variablere Spielverläufe.
Sobald Technik dominiert oder bevormundet, verliert sie ihren Reiz.
Beispielsweise wird KI zunehmend genutzt, um Fahreigenschaften aktiv zu
regulieren und das Spiel insgesamt besser beherrschbar zu machen. Ein Ansatz,
der sich unter anderem bei Carrera Hybrid zeigt.
Ein Markt ohne Umbruch, aber mit klarerer Haltung
Die Spielwarentrends 2026 erzählen keine Geschichte vom
radikalen Wandel. Sie zeigen vielmehr, wie sich ein gesättigter Markt schärft,
sortiert und neu ausrichtet. Mit weniger Geduld für leere Versprechen, mit
klareren Zielgruppen und mit einem wachsenden Bewusstsein dafür, was Spielzeug
leisten soll und was nicht.
Nicht lauter, nicht schneller, nicht digitaler um jeden Preis. Sondern präziser, bewusster und glaubwürdiger. Vielleicht ist genau das der wichtigste Trend für 2026.
