Schon im alten Ägypten spielten Menschen mit Bällen. Heute ist der Ball eines der vielseitigsten Spielzeuge überhaupt: Er sorgt für große Sportereignisse, verbindet Menschen über Grenzen hinweg und bringt vor allem Kinder weltweit in Bewegung. Einige der schönsten Spielbälle stammen seit Generationen von JOHN. Der Hersteller aus dem oberbayerischen Freilassing feiert in diesem Jahr sein 100-jähriges Jubiläum – mit dem stärksten Sortiment seiner Unternehmensgeschichte.
Wahrscheinlich hatte nahezu jeder schon einmal einen Spiel- oder Sportball von JOHN in den Händen, vielleicht sogar, ohne sich dessen bewusst zu sein. Das Familienunternehmen bezeichnet sich daher gern als „Hidden Champion“: Nicht die Marke, sondern stets das Produkt steht im Vordergrund – häufig mit bekannten und beliebten Lizenzmotiven.
Beginn im Sudentenland und Neustart in Bayern
Die Geschichte von JOHN beginnt 1926 in Tetschen-Bodenbach an der Elbe, dem heutigen Děčín in Tschechien nahe der sächsischen Grenze. Der junge Mechaniker Meister Albin John gründet dort eine Werkstatt zur Reparatur von Autoreifen. Der Betrieb entwickelt sich schnell: Bereits 1927 führt er die Vulkanisation zur Runderneuerung von Reifen ein und wird Vertreter der Automobilhersteller VOMAG und Stöwer. Doch das Jahr 1945 bringt einen tiefen Einschnitt. Tetschen wird wieder tschechisch, die deutsche Bevölkerung wird vertrieben. Die Familie John gelangt mit einer größeren Gruppe Sudetendeutscher nach Freilassing in Bayern.
In der weitgehend zerstörten Grenzstadt zu Salzburg wirken die Vertriebenen aktiv am Wiederaufbau mit. Auch Albin John eröffnet 1948 erneut eine Werkstatt für Fahrrad- und Autoreifen zunächst in einer Baracke. Tatkräftige Unterstützung erhält er von seinen Söhnen Hans und Walter. Bereits 1953 zieht das Unternehmen in ein neues Gebäude um. Neben dem Reifenbetrieb wird mit der Produktion von Bällen begonnen. Im selben Jahr besucht Albin John erstmals die Nürnberger Spielwarenmesse, ein Jahr später mit eigenem Stand. Seitdem ist JOHN ohne Unterbrechung auf der Messe vertreten und zählt damit zu den beständigsten Ausstellern der weltweit größten Branchenschau. 1957 teilt der Firmengründer die Unternehmensbereiche auf: Walter John übernimmt Reifen-JOHN, Hans John gründet die JOHN Thermoplastic – die heutige John GmbH.
1965 erscheint der erste Katalog von JOHN Thermoplastic mit Bällen, Spielfiguren und Aufblasartikeln. In den folgenden Jahren wächst das Sortiment kontinuierlich: Wasserbälle, Planschbecken, Luftmatratzen, Schlauchboote sowie eine große Vielfalt an Aufblastieren und Schwimmreifen ergänzen das Angebot. Die Bälle selbst sind in immer mehr Spiel- und Sportvarianten erhältlich. Bälle und Aufblasartikel - alles wird in Freilassing produziert.
Mit dem Wachstum ergeben sich neue Anforderungen und Chancen. Nach dem Bau eines neuen Produktionsgebäudes an der Industriestraße in Freilassing im Jahr 1968 wagt Hans John den Schritt nach Asien und beginnt mit dem Import erster Artikel.
Bekannte Lizenzen für mehr Reichweite
Kinder spielen besonders gern mit ihren Lieblingshelden. Ein Meilenstein in der Unternehmensgeschichte ist daher der Erwerb der Disney-Lizenz im Jahr 1975. Micky Maus, Donald Duck & Co. zieren fortan die Bälle und Aufblasartikel und steigern deren Attraktivität erheblich. Nach früheren Lizenzpartnerschaften mit der Fußball-Bundesliga und den Olympischen Spielen 1972 sorgt insbesondere der Disney-Coup für nachhaltiges Umsatzwachstum. Weitere Lizenzthemen wie die Mainzelmännchen und andere beliebte Charaktere werden dauerhaft zu einem zentralen Bestandteil des JOHN-Portfolios.
Technischer Fortschritt und strategische Neuausrichtung
In den 1980er Jahren treibt Hans John die technische Weiterentwicklung des Unternehmens konsequent voran. Ab 1983 hebt das Tampondruckverfahren die Qualität der Ballbedruckung auf ein neues Niveau. Zudem können Bälle erstmals luftleer ausgeliefert werden, was erhebliche Vorteile beim Transport bietet und den Export der Bälle steigert. Als prominentes Testimonial gewinnt JOHN den FC-Bayern-Star Karl-Heinz Rummenigge.
1994 tritt die älteste Tochter Susanne John in die Geschäftsführung ein, ein Jahr später folgt ihre Schwester Andrea. Gemeinsam mit ihrem Vater richten sie das Unternehmen strategisch neu aus und man konzentriert sich konsequent auf die Kernkompetenz Ball.
Internationalisierung und Zukunftsperspektiven
Nach dem Tod von Hans John im Jahr 2002 übernehmen Susanne und Andrea John gemeinsam die Unternehmensführung. Ihr Ziel ist klar: JOHN soll seine internationale Präsenz weiter ausbauen und sich als Outdoor-Spielwaren-Spezialist etablieren. Diesem Ziel folgend übernimmt JOHN 2019 die Firma Beluga. Die Corona-Pandemie macht zwar die Risiken einer starken Abhängigkeit von asiatischen Produktionsstandorten deutlich, führt zugleich aber zu einer stark steigenden Nachfrage nach Spielwaren und Bällen. Diese Erfahrungen münden 2021 in der Eröffnung eines neuen Werks in Bulgarien. Ein weiterer Meilenstein folgt 2024 mit der Übernahme des langjährigen Vertriebspartners John Leisure in Oldham/UK.
Heute produzieren
rund 200 Mitarbeitende in zwei Werken in Freilassing und Bulgarien
jährlich etwa 10 Millionen Spielbälle. JOHN ist im Segment der
Spielbälle nicht nur Markführer in Deutschland, sondern ist in ganz
Europa mit einer führenden Präsenz vertreten. Ergänzt wird die
„Welt der Bälle“ durch weitere spielstarke Warengruppen wie
Kinderspielzelte, Seifenblasen, Straßenmalkreiden, Schaukeln oder
Schwimmbretter. Mit gestalterischem Elan, Innovationsfreude und einem
klaren Blick für Qualität bleibt JOHN am Puls der Zeit – und
vergisst dabei nie, wie alles 1926 mit den ersten Reifen in Tetschen
begann.
Zugleich bereitet sich die vierte Generation mit
Markus, Sofie und Sarah John darauf vor, die Erfolgsgeschichte
weiterzuschreiben und das Unternehmen mit dem gleichen Engagement
weiterzuführen.
Damals wie heute: eine runde Sache, von
Familien für Familien.