Markt-Disruptionen, technologischer Wettlauf, politische Umwälzungen – ob jemals so viele und gleichzeitig so tiefgreifende Belastungsfaktoren die Spielwarenbranche beeinflusst haben, wie Anfang 2026, sei dahingestellt. Eine Branche, deren Sinn und Zweck eigentlich eine universelle Konstante darstellt, steht gewaltig unter Stress. Der Vertrieb muss all das Schultern. Keine Frage: Es braucht wahre Sales-Supermänner und -Superfrauen.
Gespielt wird doch eigentlich immer. Das Spielen ist dem Menschen inhärent, wie es so schön heißt. Und vor allem den Kindern. Zu dieser universellen Logik passt eine deutschsprachige Branche, deren größte Stärken stets Werte wie Langlebigkeit, hohe Qualitätsstandards und tiefes Vertrauen in die eigenen, teils seit vielen Jahrzehnten etablierten Marken waren. Zuverlässigkeit gegenüber den Kunden und gegenüber den Partnern in der Lieferkette. Dazu menschelt es seit jeher stark in dieser Branche. Man kennt sich, man schätzt sich, man bleibt gern lange dort, wo man sich wohl fühlt.
Doch entgegen dieser Stabilität, von der die deutschsprachige Spielwarenbranche traditionell gekennzeichnet ist, stehen die Zeichen der Zeit. Die Welt ist im Wandel, wohin man auch blickt.
Zölle, Lieferketten und Absatzmärkte scheinen volatil
Da wäre zunächst die weltpolitische Lage, die eigentlich schon zu traurig stimmt und zu dramatisch ist, um sie in einer Liste mit den folgenden Punkten zu nennen. Und doch ist dies ein Wirtschaftsfaktor und darf deshalb nicht ausgespart werden. Der Krieg in Europa belastet nunmehr seit geschlagenen vier Jahren Lieferketten, Absatzmärkte und auch Produktionsstandorte. In dem fortwährenden Zoll-Konflikt sind neben den Haupt-Akteuren China und Indien die unberechenbaren Nebendarsteller.
Als reiche das nicht aus, streckt bei Redaktionsschluss ein US-Präsident die Hände nach Grönland aus und droht in diesem Zuge, einen (Handels)konflikt innerhalb einer Partnerschaft vom Zaun zu brechen, die über 80 Jahre lang stabil schien. Nicht nur waren Spielwaren aus dem DACH-Raum auf der anderen Seite stets ein Exportschlager. Welch weitreichenden Folgen etwaige Handels-Bazookas und Strafzölle über den Absatzmarkt hinaus für die Branche hätten, darüber können Ökonomen nur spekulieren.
Kaufentscheidungen werden sorgfältig abgewogen
Fakt ist, wir befinden uns seit Jahren in der Rezession. Ein Ende ist derzeit noch nicht in Sicht. Während also Produktionskosten aus den genannten Gründen steigen, sinkt die Kaufkraft stetig. Da hochwertige Spielzeuge für den Kunden stets ein anderes Invest darstellen, als etwa Verbrauchsprodukte aus dem Food-Sektor, ist das Rennen um die bestmögliche Positionierung intensiver denn je.

Hier kommt die Fläche ins Spiel. Denn je sorgfältiger eine Kaufentscheidung abgewogen wird, desto mehr kommt es darauf an, den Kunden am POS anzusprechen. „Retailtainment“ ist ein neues Buzzword, also die Verbindung von Handel und Unterhaltung. Die Art und Weise, wie eine Buchhandels-Kette im vergangenen Jahr eine magische Fantasy-Welt in einer Filiale errichtete, dient hier sicherlich als Leuchtturm-Projekt.
Doch muss es ja nicht immer der ganze große – und entsprechend kostenaufwändige – Wurf sein. Mit etwas Esprit und Kreativität lassen sich auch andere Lösungen finden, um das Auge einzufangen und den Kunden eintauchen zu lassen. Ob eine regionale oder thematische Ladenecke, Try-Mes oder kleine Events sind Stilmittel, mit denen die eigene Marke und das eigene Produkt zum Blickfang werden. Persönliche Netzwerke und gewachsene Partnerschaften mit dem Handel können dabei von unschätzbarem Wert sein – menschliche Assets, die auch im digitalen Zeitalter artifiziell nicht nachgebaut werden.
Eine analoge Vertriebssäule – und viele digitale
Trotzdem ist der stationäre Handel mittlerweile lediglich eine von mehreren Vertriebssäulen. Alle anderen stehen auf der digitalen Seite der Welt. Die eigenen Online-Shops sind bei sämtlichen Herstellern mittlerweile gut sortiert und bestens organisiert. Inwieweit KI bei Katalogisierung und Shop-Pflege behilflich sein kann, muss je Einzelfall abgewogen werden. Die Kooperationen mit den einschlägigen Online-Händlern sind anno 2026 ebenso etabliert. Durch gezieltes Online-Marketing können Hersteller ihre Zielgruppe zudem punktgenau targeten – ob regional, demografisch oder interessensorientiert.
Last but not least könnte noch ein Megatrend ins Haus stehen, den auch die Vertriebsprofis der deutschsprachigen Spielwarenbranche im Auge behalten müssen. Social Commerce heißt das Prinzip, nachdem Hersteller ihre Produkte mittels eigener Social-Media-Kanäle und in Verbindung mit unterhaltsamem Content direkt und ohne Umwege an den Endkunden bringen können. Manch einer prognostiziert hier einen Billionen-Markt, an dem mittelfristig niemand vorbeizukommen scheint.

Viel zu überblicken, viel zu überprüfen und immer wieder viel Neues zu lernen gibt es für die Sales-Persons in der Spielware. Doch hört man sich in der Branche um, so gibt es trotz aller gestiegenen Ansprüche, trotz aller widriger Faktoren bemerkenswert wenig Beschwerden. Man nimmt die Herausforderung an und stürzt sich voller Elan in die Aufgaben.
Egal ob ehrgeiziger High Potential oder erfahrener Senior – die professionelle Landschaft ist voll von guten Ideen und von kompetenten Verantwortlichen. Gut so, schließlich bleibt eines immer konstant: Die hiesige Industrie produziert Spielzeug von außerordentlicher Qualität in jeglicher Hinsicht – das es weiterhin an die freudestrahlenden Verbraucher zu vermitteln gilt.