Personal bleibt auch 2026 ein neuralgisches Thema für die Spielwarenbranche. Unternehmen mit unterschiedlichsten Sortimenten und von unterschiedlicher Größe verfolgen jeweils ihre eigenen Strategien, um junge Talente zu begeistern oder erfahrene Professionals zu überzeugen. Klar ist: Wer in der Spielwarenbranche arbeitet, muss eine Portion Begeisterung mitbringen.
Ob die Geburten weniger werden, die Energiepreise steigen oder die Kaufkraft sinkt: Kinder brauchen weiterhin Spielzeug. Oder, im Zeitalter der Kidults: Menschen wollen Spielwaren. Soweit die gute Nachricht. Die Nachfrage kann vielleicht einmal schwanken aber der Grundbedarf geht der Branche so schnell nicht aus. Ihr „Purpose“ ist universell.
Doch um Spielwaren zu fertigen, braucht es Personal – auch das ist universell. Hier wird es kompliziert. Denn, wie in vielen anderen Branchen auch, ist kompetentes Personal mittlerweile eine begehrte, weil nicht ausreichend vorhandene, Ressource. Der „War for Talents“ wird auf diversen Schlachtfeldern ausgetragen und die Gegner sind diverse Unternehmen innerhalb und, je nach Position, auch außerhalb der Spielwarenbranche.
Es menschelt in der Branche
Gehaltskorridor, Aufstiegsmöglichkeiten, Renommee des Arbeitgebers oder auch Standort – all das sind Faktoren, welche die Entscheidung der gefragten Fachkräfte im komplexen Zusammenspiel beeinflussen. Welcher davon wie stark wiegt, ist wohl von Fall zu Fall unterschiedlich.

Auffallend häufig hört man in Gesprächen mit Brancheninsidern, dass die monetäre Ebene in der Spielware eine nachgelagerte Rolle spielt. Offenbar sind die Gehaltsspannen nicht allzu weit auseinander. Vielmehr nennen Fachkräfte oft eine innerbetriebliche Atmosphäre und ein funktionierendes Team als überzeugende Argument für ihre Unterschrift. Es menschelt doch stark in der Spielware und so ergeben sich Neubesetzungen oder Wechsel oftmals durch persönliche Kontakte. Man kennt sich, man schätzt sich, man freut sich auf die Zusammenarbeit.
Entscheidungsfaktor Standort
Davon profitieren natürlich häufig Unternehmen, die in gewissen Knotenpunkten angesiedelt sind. Zuallererst die Metropolregion Nürnberg-Fürth und das umliegende Frankenland als deutscher Spielwaren-Hot-Spot. Hier sind diverse Unternehmen mit großem Back-Katalog vertreten. Für Fachkräfte mit einschlägiger Erfahrung sind hier Wechsel innerhalb der Branche möglich. Ein Marketingleiter kann sich bei Bedarf schnell von Holz auf Plüsch umorientieren. Doch wenn dabei der Wohnort nicht gewechselt werden muss, fühlen sich am Ende sowohl Arbeitnehmer als auch aufnehmendes Unternehmen damit wohl.
Ein vermeintlich populärer Standort, etwa in einer der „Top-7-Städte“ ist ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite verfügen diese Metropolen über Strahlkraft. Der Pool an bereits ansässigen Arbeitnehmern ist groß und die Bereitschaft für umworbene Fachleute, dort hinzuziehen, mag größer sein als in der Provinz. Andererseits konkurrieren Unternehmen der Spielwarenbranche hier eben in einem breiten Wirtschaftsumfeld. Bei den entsprechenden Gehältern wird das Mitbieten unter Umständen schwer bis unmöglich.
Wenn das Herz wichtiger ist als die Brieftasche
Punkten können Unternehmen der Spielwaren-Branche in diesem Vergleich häufig eher mit „Love Brands“, also Eigenmarken, welche für die Bewerber einen emotionalen Wert haben. Auch für einen Netzwerk-Administrator kann es einen Unterschied machen, für eine Marke mit nostalgischem Wert zu arbeiten oder für einen Industrie-Zulieferer mit Produkten ohne Bezug zur eigenen Lebensrealität.

Der vermeintliche Gamechanger in der Standort-Frage heißt natürlich „remote“. Jedoch ist es ein Irrglaube, dass nicht-produktionsorientierte Arbeitsbereiche wie IT, Verwaltung oder Marketing seit der Erfindung von Video-Konferenzen über den Globus verteilt werden. In der Spielwaren-Branche überwiegt die Praxis, dass Teams zumindest einen Teil ihrer Arbeitswoche gemeinsam verbringen. Nach der Pandemie zieht es die Arbeitnehmer wieder ins Büro. Hybride Modelle, die flexibel auf die Bedürfnisse der Teammitglieder Rücksicht nehmen, sind hoch im Kurs.
Revell setzt auf attraktives Aufgabenfeld
Revell, der Weltmarktführer im lizenz-fokussierten Modellbau, hat zwar seine Ursprünge in den USA. Das heutige Unternehmen mit Fokus auf Kunststoff, hat jedoch seit 70 Jahren seinen Hauptsitz im ostwestfälischen Bünde. Daran änderte auch die Übernahme seitens Quantum Capital Partners (QCP) nichts.
Einen strukturwellen Standortnachteil spürt man im Hause Revell nicht. „Unsere Standorte liegen bewusst in historisch, wirtschaftlich starken Regionen außerhalb der Metropolen“, sagt Stefan Krings, CEO Carrera Revell Gruppe.
„Wir arbeiten international und standortübergreifend und setzen auf hybride Modelle mit Präsenz vor Ort. Diese Kombination ermöglicht uns, sowohl regionale als auch überregionale Fachkräfte zu gewinnen. Entscheidend für erfolgreiches Recruiting sind für uns vor allem attraktive Aufgaben, unsere Unternehmenskultur und langfristige Perspektiven innerhalb der Gruppe.“
Stabilität und Loyalität in Bad Kösen
Es geht aber auch noch ländlicher. Die Kösener Spielzeug Manufaktur blickt auf eine über 100-jährige Unternehmensgeschichte zurück. Heute werden in dem Kurort Bad Kösen (Sachsen-Anhalt) hochwertige Plüschtiere und Puppen gefertigt, die sich internationaler Beliebtheit erfreuen. Produziert wird 100 Prozent vor Ort.

Spielwarenprofis aus Stuttgart oder München verlieren sich eher nicht in den 3.000-Seelen-Kurort. Doch die regionale Verbundenheit kann laut Firmensprecher Helmut Schache auch eine Stärke sein. „Im ländlichen Raum gibt es schließlich auch gute Leute. Die sind froh, wenn sie hier einen Job haben“. Und sie belohnen das oftmals mit großer Loyalität. „Die meisten, die in letzter Zeit in Rente gegangen sind, haben bei uns gelernt.“
Im Nachwuchs liegt die Zukunft
An diesem Punkt schlägt wiederum der demografische Wandel zu. Der damalige Bürgermeister Schache kaufte das Unternehmen nach der Wende und bewahrte es so vor der Abwicklung. In den seither vergangenen 35 Jahren wurden nicht nur die hochwertigen Produkte, sondern eben auch die Jobs in der Region bewahrt. Und um junge Menschen zu gewinnen, muss man Perspektiven aufzeigen. Die Kösener Spielzeug Manufaktur ist deshalb eines von lediglich zwei deutschen Unternehmen, die den Beruf des Spielzeugherstellers ausbilden.
Auch größere Unternehmen haben den Bedarf erkannt und investieren entsprechend in den Nachwuchs. BRUDER stellt Themen wie Ausbildungsstart, IHK Praktikumswochen oder Girls‘ Day weit nach vorn in der eigenen Kommunikation. Ravensburger lockt unter anderem mit dualem Studium an den schönen Bodensee. Begriffe wie „Gemeinschaft“, „Vertrauen“ oder „Freude“ sind Buzzwords, die in diesen Kontexten immer wieder fallen. Einmal mehr wird klar: In der Spielwarenbranche muss das Herz mitarbeiten.
