Das anstehende Wochenende ist vielleicht das wichtigste in diesem Jahr für die deutsche Brettspiel-Branche. Erst steht die Berlin Brettspiel Con ins Haus, am Sonntag schließlich werden die Sieger in den drei Kategorien des „Spiel des Jahres“ bekanntgegeben. Dessen ungeachtet scheint es der Branche hierzulande nach wie vor gut zu gehen.
Vieles deutet darauf hin, dass die Trendkurve bei Brettspielen weiter nach oben zeigt. 571 Titel durfte die Jury des Vereins „Spiel des Jahres“ in diesem Jahr in ihre Auswahl aufnehmen – das bedeutet einen neuen Rekord. Auch der Veranstaltungs-Sektor lässt auf Konjunktur schließen. Die SPIEL Essen belegt in diesem Jahr erstmals alle acht Hallen des Messegeländes – und ist schon jetzt voll besetzt. Für Aussteller, die noch aufspringen wollen, bleibt nur noch die Warteliste.
Die zweitgrößte Brettspiel-Messe Berlin Brettspiel Con öffnet bei Veröffentlichung des vorliegenden Artikels langsam ihre Pforten. Hier, wo der Schwerpunkt eher auf Ausprobieren als auf Neuheiten entdecken liegt, verzeichnet man in den zehn Jahren des Bestehens ebenfalls kontinuierlichen Wachstum.
Kritik wegen Qualitätsmängeln
Bei all den guten Nachrichten drückte Harald Schrapers, Vorsitzender von „Spiel des Jahres“ ein wenig auf die Stimmungsbremse, als er bei der Bekanntgabe der Nominierten erhebliche Mängel in der Qualität bei den oberen zehn Prozent der bewerteten Titel monierte. Über die Gründe für dieses Phänomen wollte Schrapers im BRANDORA-Interview nicht spekulieren. Man kann aber letztlich davon ausgehen, dass am Ende Kosteneinsparungen des Rätsels Lösung sind – ob nun beim Material, bei den Testdurchläufen oder beim Erstellen der Spielanleitungen.
Thematisch scheinen sich ebenfalls Tendenzen der letzten Jahre fortzusetzen. Darauf lassen Shortlist und Longlist der diesjährigen Spiel-des-Jahres-Auswahl schließen. Bei Erscheinen dieses Artikels sind es nur noch wenige Tage bis zur Preisverleihung. Insbesondere das Gewinnerspiel der Hauptkategorie wird daraufhin auch an den Kassen im Einzelhandel vergoldet werden.
Kommunikation ist weiterhin Trumpf
Kooperatives Spiel, Interaktion und Kommunikation stehen weiterhin hoch im Kurs. Dies ist der Eindruck allein bei den drei Nominierten der Hauptkategorie:
- Dito! ist ein kommunikatives Partyspiel, bei dem es darauf ankommt, die Gedanken der Mitspieler möglichst gut vorherzusehen. Zu einem vorgegebenen Begriff oder einer Fragestellung notieren alle verdeckt eine passende Antwort. Punkte gibt es nur dann, wenn mehrere Spieler dieselbe Idee hatten – originelle Einfälle sind also oft weniger gefragt als ein gutes Gespür dafür, wie die anderen denken. Dadurch entstehen zahlreiche überraschende und humorvolle Momente, die jede Partie anders verlaufen lassen.
- In Cozy Sticker Ville errichten die Spieler gemeinsam ein gemütliches Dorf – allerdings nicht mit Holzplättchen oder Karten, sondern mit über 800 farbenfrohen Stickern. Runde für Runde werden neue Gebäude, Wege, Gärten und Dekorationen auf einem Spielplan platziert, wobei bestimmte Vorgaben und Nachbarschaften erfüllt werden müssen, um möglichst viele Punkte zu erzielen. Das kooperative Familienspiel verbindet kreatives Gestalten mit leicht zugänglichen taktischen Entscheidungen und schafft so eine entspannte Wohlfühlatmosphäre, in der jeder aktiv am wachsenden Dorf mitwirkt.
- In Morty Sorty Magic Shop übernehmen die Spieler die Leitung eines chaotischen Zauberladens, dessen magische Zutaten möglichst geschickt in Regalen einsortiert werden müssen. Unterschiedlich geformte und farbige Plättchen müssen nach bestimmten Regeln platziert werden, sodass möglichst viele Wertungen ausgelöst und Kombinationen geschaffen werden. Das Familienspiel verbindet räumliches Denken mit cleverer Planung und stellt die Spieler immer wieder vor die Frage, wie sie ihre begrenzten Ablagemöglichkeiten am effektivsten nutzen.
Bild: SPIEL Essen
