Frei konfigurierbare Sortimente ohne Mindestbestellmenge und ein Fokus auf hochwertige, kreative Produkte, die über den gängigen Mainstream hinausgehen. Diese Werte gehören zu den entscheidenden Faktoren, die aus dem Familienunternehmen Fantasie4Kids einen der gefragtesten Distributoren der deutschsprachigen Spielwarenbranche machten. Doch unser Gespräch mit Geschäftsführerin Irina Srebot entwickelte sich bald in Richtung „bigger picture“. Das Ergebnis kann für den stationären Handel als Ermutigung gelesen werden, sich nicht von den Hiobsbotschaften irritieren zu lassen, sondern Schritt für Schritt die eigenen Hausaufgaben zu erledigen.
Frau Srebot, Teile der Branche halten Fantasie4Kids ja bis heute für einen Exklusiv-Vertrieb der französischen Spielzeugmarke Djeco. Dabei ist Ihr Portfolio mittlerweile viel größer, richtig?
Es ist richtig, dass Djeco uns zu Beginn in den Fokus vieler Händler gebracht hat. Heute führen wir viel mehr Marken und ermöglichen es dem Fachhändler, aus einem breiten Spektrum hochqualitativer Hersteller die Produkte zu finden, die zu ihm passen. So gehören Moulin Roty, Petite Epicerie und CONNETIX ebenso zu unserem Portfolio wie kleinere Labels. Bei der Auswahl der Hersteller ist uns Qualität, Preis/Leistung und ein ökologischer Ansatz wichtig. Es muss passen und uns begeistern. Am Ende steht immer die Frage: „Würde es einem Kind Spaß machen?“
Können Sie etwas zu dem einzigartigen Distributions-Konzept von Fantasie4Kids sagen?
Unser Ansatz war es immer, uns als Teamplayer des Handels zu sehen. Wir wollen es dem Fachhandel ermöglichen, Produkte zu zeigen, die den Endkunden überraschen. Spielzeug, das lange Freude macht und die Kinder fordert und fördert durch Spaß und Freude am Spiel. Dabei haben wir uns immer bemüht, die Marge für den Handel stabil zu halten.
Dennoch ist das Wachstum von Fantasie4Kids eng mit Djeco verbunden. Worin besteht diese gemeinsame Geschichte?
Djeco ist heute fast ein Vollsortimenter. Das war nicht immer so. Als wir gestartet sind, kamen gerade die ersten Kreativprodukte von Djeco. Französische Marken waren für viele Fachhändler zu bunt, zu illustrativ. Djeco wusste, dass es Zeit brauchen wird, den deutschen Markt zu überzeugen und diese Zeit hat man uns gegeben. Das ist echte Partnerschaft und das seit 18 Jahren. Beim Endkunden ist Djeco heute gut etabliert. Allerdings gibt es unendlich viele Hersteller, die sich den Erfolg von Djeco zum Vorbild genommen haben und ebenfalls auf Kreativprodukte setzten. Die Konkurrenz ist erdrückend, aber die Qualität und die durchdachten Konzepte von Djeco sind bis heute unerreicht.
Lässt sich heute bei Ihnen ein Schwerpunkt identifizieren? Beispielsweise thematisch im Sortiment oder regional im Bezug auf Ihre Kunden?
Unser Schwerpunkt hat sich wenig verschoben. Wir liefern qualitativ hochwertige Spielsachen, die etwas Besonderes mitbringen, also keine Massenware. Neu hinzugekommen ist der Fokus auf Kidult-Produkte. Wir sind überzeugt, ohne diese neue Zielgruppe zu einer Priorität zu machen, wird es schwer werden, die Umsatzzahlen im Handel auf Dauer zu halten. LEGO hat bewiesen, dass auch Erwachsene noch gerne spielen, kreativ sind und Beschäftigung abseits von Social Media suchen. Da gibt es viel Luft nach oben.
Bei der Zusammenarbeit mit dem Handel legen Sie großen Wert auf die traditionelle Vor-Ort-Betreuung in Form Ihres Vertreter-Netzwerks. Oder täuscht der Eindruck?
Wir versuchen, alle Wege zu beschreiten. Nur ein Weg endet oft in einer Sackgasse. Vor-Ort-Betreuung ist bei der Bandbreite unseres Angebots wichtig, unsere Vertreter können den Händlern helfen, Marken und Produkte zu identifizieren die zu Ihnen passen. Aber dafür reichen ein bis zwei Besuche im Jahr, wenn der Fachhändler mit einer Warenwirtschaft arbeitet. Steigende Kosten sind für uns alle relevant. Besuche sind heute mehr denn je durch Informationsaustausch und Auftragsbereitschaft gezeichnet. Natürlich stellen wir einen B2B-Shop ebenso zur Wahl, wie einen geschulten Innendienst. Der Handel hat bei uns rund um die Uhr Zeit, in seiner Geschwindigkeit, einen Auftrag zu platzieren. Unser wöchentlicher Newsletter informiert über verfügbare Neuheiten, Trends und Aktionen.
Wie funktioniert F4K-Digital, das neue KI-gestützte Tool aus Ihrem Haus?
Wir arbeiten sehr konzentriert an einer Weiterentwicklung unserer Systeme. Bei einer derartigen Datenflut ist KI ein großartiges Hilfsmittel. Sie vereinfacht es, die Daten zu analysieren und fundierte Entscheidungen zu treffen. Für unsere Hersteller haben wir eine Datenanalyse entwickelt, die ihnen zu jeder Zeit Informationen über unsere Auftragslage, Stocklevel, Händlerstruktur und Trends liefert. Ein NDA sichert diese vertrauliche Analyse gegenüber Dritten. Für unsere Handelsvertreter stellen wir in Kürze ein Tool zur Verfügung, das unsere Warenwirtschaft als Light-Version spiegelt, aber detailliert zugeschnitten ist mit Informationen zum jeweiligen Händlerkreis. Hilfreich ist die bebilderte Liste mit Produktvorschlägen, die dem Händler fehlen, aber von Kollegen, die ähnlich aufgestellt sind, gekauft werden. Keine Präferenzen oder Bauchgefühl, sondern eine verlässliche Datenlage.
Verändertes Konsumverhalten, steigende Kosten, gebeutelte Wirtschaft – das sind Eckpfeiler des schwierigen Marktumfeldes, über das in der Branche oft geklagt wird. Hat der Einzelhandel unter diesen Umständen überhaupt noch eine Chance?
Wenn man das Feedback vom Markt hört, möchte man eigentlich gleich den Schlüssel umdrehen. Die derzeitige Kostensteigerung ist erdrückend. Niedrige Geburtenrate, Online, Marketplace, keine Frequenz…. Und dennoch brauchen Kinder Spielzeug, um sich gut zu entwickeln. Diese Tatsache sorgt dafür, dass Eltern Spielzeug kaufen. Je besser ein Händler sich als Marke etabliert hat, sein Schaufenster dekoriert und sich bemüht, vom Mainstream mit überraschenden und guten Produkten abzuweichen, desto besser sind seine Chancen, dass der Kunde, der zum Stöbern kommt, auch wiederkommt. Hinzukommt, dass wir uns alle jeden Tag erneut mit guter Laune und einem Lächeln den Kunden zuwenden, auch wenn das manchmal schwierig ist.
Aus Ihrer Erfahrung heraus: Gibt es auch Aspekte, bei denen sich der Einzelhandel noch verbessern muss?
Ich bin jemand bei dem das Glas immer halb voll ist. Es gibt immer Dinge, die jeder von uns verbessern kann. Auch wir versuchen immer wieder, uns zu verbessern und neue Wege zu probieren. Beim einen ist es die völlig veraltete Beleuchtung oder ein alter Boden im Laden, der andere könnte mal was an seiner Webseite machen. Viele haben vor Jahrzehnten mal eine Webseite erstellt und nie wieder etwas geändert. Junge Eltern, die sich online informieren, werden da gar nicht hingehen, wenn die Webseite nicht attraktiv gestaltet ist. Mit Anbietern, die sowas für wenig Geld und Standartformaten ermöglichen, ist das kein Hexenwerk und kann monatlich mit wenig Aufwand angepasst werden. Und dann muss man sich auch mal trauen, alte Kamellen richtig runterzusetzen, damit frischer Wind in den Laden kommt. Nach dem Motto „Was ein Jahr und mehr steht – geht!“
Allgemein gefragt: Was macht ein gutes Spielwarengeschäft aus?
Für mich ist ein guter Spielzeugladen nicht durch die Größe definiert, sondern durch sein Angebot und sein Erscheinungsbild on- und offline. Egal wo ich bin, wenn ich einen Spielzeugladen sehe, gehe ich rein. Ich freue mich, wenn ich in eine Atmosphäre eintauchen kann, in der es gut riecht, es eine warme, einladende Beleuchtung gibt. Super finde ich es, wenn ich Produkte entdecke, die mit Liebe und persönlicher Begeisterung ausgesucht werden. Es ist ein Unterschied, ob ich am LEGO-, BARBIE- oder PLAYMOBIL-Regal stehe, oder eine Prinzessin oder Weltraum Ecke sehe, in der es vom zauberhaften Kostüm, über Sticker, Tattoo, Figuren bis zum Puzzle etwas zu entdecken gibt, dass ich nicht erwartet habe. Es gibt Sie, diese Läden und so märchenhaft, wie das scheint möchte ich sagen: Und wenn Sie nicht gestorben sind, dann gibt es Sie auch noch morgen.
Wie sehen Sie die Zukunft des stationären Einzelhandels? Geht es in Richtung Konsolidierung oder haben die inhabergeführten Läden in den Innenstädten auch weiterhin ihren Platz?
Konsolidierung wird nie den Charme haben wie ein inhabergeführter Laden. Wir sehen das bei Buchketten, überall dasselbe Sortiment, dieselben Bücher, mein Herz schlägt immer höher, wenn ich in der „Winkelgasse“ einen kleinen Buchladen finde, in der es Bücher gibt, die ich sonst nicht mehr finde.
Wir brauchen aber beides, um die Ladenlandschaft zu erhalten. Mainstream für die großen Marken, die jeder kennt und kaufen möchte, und das Besondere fürs Herz und das Entdecken, wenn möglich auch dort, wo es die großen gibt. Meine Überzeugung lautet „ohne Offline kein Online“ – wer soll uns denn in Zukunft inspirieren, uns einladen zu einem Stadtbummel, bei dem wir die Welt und vielleicht auch uns entdecken?
