Dann und wann kommt eine gänzlich neue IP, mit der keiner gerechnet hatte, und sorgt für reichlich Furore auf dem Lizenz- und Spielwaren-Markt. Pummeleinhorn bricht mit so manchen Konventionen und besticht mit positiver Einstellung und einem ganz eigenen Humor. Nach über zehn Jahren am Markt gibt es unzählige Produkte und namenhafte Lizenz-Kooperationen zu dem pummeligen Einhorn. Hinter der Figur und ihrer Welt steht Stephanie Engel, die „Pummel“ nicht nur erdacht und eigenhändig zum Leben erwecket hat, sondern auch bis heute in der Pummeleinhorn GmbH einen Großteil der Arbeit persönlich ausführt. Aus dem nichts eine riesige Markenwelt aufbauen - wie schafft man das?
Steffi, du hast bei Pummeleinhorn viele „Hüte“ gleichzeitig auf. Wir gehen gleich genauer darauf ein. Wusstest du schon immer, dass du mal im Kids- und Toys-Sektor arbeiten würdest?
Nein, überhaupt nicht. Aber der Wunsch, eigene Figuren und Geschichten zum Leben zu erwecken, war schon früh da: Als Kind träumte ich davon, eines Tages Zeichentrickzeichnerin zu werden!
Zunächst führte mich mein Weg jedoch in eine andere Richtung. Ich bin gelernte Grafikdesignerin und machte mich 2008 mit einer kleinen Werbeagentur selbstständig. Dort gestaltete ich für meine Kund*innen unter anderem Logos und Werbemittel und übernahm auch Illustrationsarbeiten.
Neben dieser Arbeit begann ich mit einem kleinen Kreativprojekt, aus dem später das Pummeleinhorn entstand. Dass ich damit einmal eine ganze Welt voller Charaktere und Produkte erschaffen würde, hätte ich mir damals niemals erträumen lassen. Mein Kindheitstraum hat sich also erfüllt – nur ein bisschen anders als gedacht.
Du bist nicht nur Gründerin und Geschäftsführerin der Pummeleinhorn GmbH, sondern auch der kreative Kopf hinter eurem Protagonisten und seiner Welt. Wie kam es dazu, dass du dir Pummeleinhorn ausgedacht hast?
Pummel entstand 2015 im Rahmen dieses Kreativprojekts – und eigentlich eher zufällig. Als ich das kleine gnubbelige Einhorn mit Keks aus Fimo modelliert hatte, wusste ich sofort, wie er heißen sollte: Pummeleinhorn. Und mir war auch klar, wofür er stehen sollte: Einhörner werden meist als schlanke, grazile Wesen dargestellt. Pummel dagegen ist rundlich, liebt Kekse und fühlt sich genauso wohl, wie er ist. Gerade zur damaligen Zeit wurde durch Medien und TV-Sendungen häufig das Bild vermittelt, dass vor allem dünn schön sei. Ich wollte einen Charakter schaffen, der dieses Schönheitsideal aufbricht und Menschen darin bestärkt, sich selbst wieder mehr zu akzeptieren und zu lieben – und zu erkennen, dass sie genau richtig sind, wie sie sind.
Erst danach entstand die erste Illustration mit dem Spruch „Ich bin nicht dick. Ich bin flauschig.“ Das Bild ging damals auf Facebook viral und begeisterte innerhalb kurzer Zeit unglaublich viele Menschen.
Erinnerst du dich an den Punkt, an dem du dich entschieden hast, mit Pummel und der Selbstständigkeit alles auf eine Karte zu setzen?
Das war weniger ein einzelner Moment als ein sehr schneller, fließender Übergang. Als Pummel immer mehr Menschen erreichte, kam ein Unternehmen mit der Idee auf mich zu, gemeinsam eine eigenständige Firma rund um die Figur zu gründen. Mir war bewusst, dass ich allein irgendwann an meine Grenzen kommen würde.
Mein Gedanke war: Wenn ich diese Chance jetzt nicht nutze, frage ich mich später vielleicht immer, was daraus hätte werden können. Also gründete ich 2016 die Pummeleinhorn GmbH. Durch meine Arbeit als Grafikdesignerin und meine Erfahrung mit der eigenen Werbeagentur brachte ich vieles, was wir für den Start brauchten, bereits mit. Den Markenaufbau, die visuelle Gestaltung und die ersten kreativen Inhalte konnte ich direkt selbst umsetzen. So konnten wir sehr schnell loslegen und Pummeleinhorn von Anfang an ein klares, wiedererkennbares Gesicht geben.
Die ersten Kuscheltiere stießen sofort auf eine enorme Nachfrage. Kurz darauf folgten der Onlineshop und die ersten Lizenzpartnerschaften. Ich glaube, dass Pummel den damaligen Einhorn-Hype durchaus mitgeprägt hat. Gleichzeitig hat uns dieser Hype viele Möglichkeiten und neue Lizenzpartnerschaften eröffnet. Dadurch konnten wir Pummeleinhorn innerhalb kurzer Zeit sehr breit im Markt etablieren. Spätestens da war klar: Aus meinem kleinen Kreativprojekt war ein echtes Unternehmen geworden.
Hattest du keine Angst vor der großen Konkurrenz durch andere Pferde-, Pony- und Einhorn-Marken?
Ehrlich gesagt blieb mir kaum Zeit, mir darüber Gedanken zu machen. Als es mit Pummel losging, ging plötzlich alles unglaublich schnell. Quasi von heute auf morgen hatte ich ein Unternehmen, ein Team und erste Lizenzpartner. Für ausführliche Businesspläne oder Wettbewerbsanalysen blieb damals schlicht keine Zeit.
Eines war mir jedoch von Anfang an klar: Pummel sollte niemals nur ein generisches, austauschbares Einhorn sein. Er hatte von Beginn an eine klare Haltung und eine Botschaft, die weit über eine klassische Kinderfigur hinausging.
Genau das unterscheidet Pummeleinhorn von vielen klassischen Pferde-, Pony- oder Einhorn-Marken: Pummel ist nicht einfach ein niedliches Motiv, sondern ein eigenständiger Charakter mit einer eigenen Sprache und einer unverwechselbaren Markenwelt. Dass sich darin Kinder genauso wie Erwachsene wiederfinden, ist für mich eine besondere Stärke der Marke.
Was macht die Welt von Pummeleinhorn aus?
Die Glitzerwelt ist regenbogenbunt, ein bisschen verrückt und wird von ganz unterschiedlichen Charakteren bewohnt. Pummel und seine Freunde haben Ecken und Kanten, verschiedene Stärken und ihre ganz eigenen kleinen Macken. Genau deshalb ergänzen sie sich so gut.
Hinter all dem Glitzer stecken sehr menschliche Themen: Freundschaft, Mut, Selbstakzeptanz, Zusammenhalt und die Freude an den kleinen Dingen. Dabei geht es nicht darum, vor der Realität in eine Fantasiewelt zu flüchten. Die Glitzerwelt lädt vielmehr dazu ein, den Alltag mit anderen Augen zu betrachten und die kleinen Wunder zu entdecken, die längst da sind – auch wenn das Leben gerade nicht perfekt läuft.
Wir nennen das MAGIETASIE. Für uns bedeutet sie, das Besondere in uns selbst und die kleinen Wunder des Alltags wiederzuentdecken. Denn die schönste Magie liegt nicht in der Perfektion, sondern in all den Dingen, die uns und unser Leben einzigartig machen.
Bis heute seid ihr noch ein sehr überschaubares Team, obwohl die Marke durchaus einiges an Renommee erreicht hat. Wird eine Vergrößerung bald unausweichlich? Oder suchst du sogar schon Mitarbeiter?
Für mich bedeutet Wachstum nicht automatisch, dass auch unser Team immer größer werden muss. Entscheidend ist, dass wir die richtigen Kompetenzen sinnvoll zusammenbringen. Ein überschaubares Kernteam hält uns beweglich und ermöglicht kurze Entscheidungswege. Gleichzeitig arbeiten wir mit einem starken Netzwerk aus Lizenz-, Produktions- und Fulfillment-Partnern sowie Kreativen zusammen.
Wachstum muss gesund sein und zur tatsächlichen Entwicklung des Unternehmens passen. Ich möchte keine großen Strukturen aufbauen, nur weil bei einer bekannten Marke oft vermutet wird, dass dahinter auch ein großes Unternehmen stehen muss. Momentan ist keine Vergrößerung unseres Kernteams geplant – aber das kann sich mit den nächsten Entwicklungsschritten natürlich ändern.
Angesichts der Kapazitäten ist für Pummeleinhorn das Lizenzgeschäft der Schlüsselfaktor. War es schwer, bei Lizenznehmern einen Fuß in die Tür zu bekommen?
Unser Einstieg in die Lizenzwelt war tatsächlich ungewöhnlich, denn wir mussten den ersten Schritt gar nicht selbst machen: Unser erster Lizenzpartner kam auf uns zu. Das war Aral mit der Idee für Pummeleinhorn-Tankkarten. Danach ging alles unglaublich schnell. Mit United Labels folgte ein Partner mit einem enorm breiten Produktportfolio – von Geschenkartikeln und Bekleidung über Papeterie bis hin zu Kuscheltieren. Herding brachte Pummel auf Heimtextilien und EQuest in den Bereich Reit- und Pferdezubehör.
Das alles fühlte sich ziemlich surreal an: Gerade hatte ich noch kleine Einhörner aus Fimo modelliert – und plötzlich gab es Pummel überall. Heute arbeiten wir mit mehr als 30 Lizenzpartnern zusammen. Besonders freut mich, dass auch unsere ersten Partner nach zehn Jahren noch an unserer Seite sind. Für mich zeigt das, dass sie von Anfang an verstanden haben, dass Pummel viel mehr ist als nur ein niedliches Einhorn.
Gibt es eine Produktkategorie, die unter den vielen Lizenzprodukten einen besonderen Stellenwert für dich hat?
Unsere Kuscheltiere bedeuten mir sehr viel, denn nach der Fimo-Ära begann mit ihnen Pummels große Reise. Aus meiner kleinen Figur wurde auf einmal ein Kuschelfreund, den man tatsächlich in den Arm nehmen konnte.
Einen ganz besonderen Stellenwert haben für mich aber unsere Hörspiele. Tommy Krappweis (Bestseller-Autor, Erfinder von Bernd das Brot) lernte ich bereits 2016 kennen. Durch ihn bekamen wir 2019 die Möglichkeit, das erste Pummeleinhorn-Hörspiel zu veröffentlichen – und Pummel und seine Freunde erhielten zum ersten Mal eigene Stimmen.
Plötzlich konnte man ihre Gefühle hören, mit ihnen lachen, sich mit ihnen freuen und ihre Abenteuer in der Glitzerwelt miterleben. Die Welt und ihre Charaktere bekamen dadurch noch einmal eine ganz neue Tiefe. Man kann richtig in sie eintauchen und für einen Moment den Alltag vergessen.
Bis heute erweckt Tommys Firma bumm film Pummels Abenteuer zum Leben. In enger Zusammenarbeit mit LEONINE Audio erscheinen seit 2025 jeden Monat neue Hörspiele auf allen Streamingplattformen.
Zuletzt noch die Frage nach den mittelfristigen Zielen: Was können wir aus dem Pummel-Universum in nächster Zeit erwarten?
In diesem Jahr wird es einiges Neues zu entdecken geben. Besonders freue ich mich auf unsere Zusammenarbeit mit BRYX Toys: Gemeinsam bringen wir Pummeleinhorn-Klemmbaustein-Sets heraus, mit denen man sich seine Lieblings-Glitzerweltler selbst zusammenbauen kann.
Auch bei unseren langjährigen Lizenzpartnern darf man sich auf viele Neuheiten freuen – von Pferdekollektionen, Heimtextilien und Küchenwaren bis hin zu Tankkarten und Handyhüllen. Gleichzeitig bauen wir das Sortiment in unserem eigenen Onlineshop weiter aus. Bis zum Ende des Jahres stehen dabei vor allem neue personalisierbare Geschenkartikel im Mittelpunkt.
Und dann gibt es tatsächlich noch ein ganz besonderes Projekt in der Pipeline, über das ich aber leider noch nicht sprechen darf. Diesen Satz wollte ich übrigens schon immer einmal sagen (lacht).
