Der japanische Markt für Gacha-Produkte hat im vergangenen Jahr ein Volumen von ¥196 Milliarden erreicht. Das sind umgerechnet etwa 1,2 Milliarden Euro. Nach Angaben der Japan Gacha Gacha Association hat sich das Marktvolumen seit 2021 mehr als vervierfacht. Gleichzeitig entstanden landesweit rund 1.400 spezialisierte Gacha-Geschäfte.
Damit entwickelt sich eine Kategorie, die lange als Randsegment des Spielwarenmarktes betrachtet wurde, zu einem eigenständigen Vertriebsmodell. Besonders bemerkenswert ist die Geschwindigkeit der Entwicklung. Während viele Handelskonzepte in Japan nach der Pandemie mit Frequenz- und Flächenproblemen kämpfen, nutzen Betreiber von Gacha-Stores leer gewordene Standorte in Einkaufszentren und Innenstädten für den Ausbau ihrer Netze.
Der Markt wächst dabei nicht über einzelne Bestseller, sondern über eine außergewöhnlich hohe Innovationsgeschwindigkeit. Nach Angaben der Financial Times kommen derzeit rund 700 neue Produkte pro Monat auf den Markt. Das ermöglicht den Betreibern, Sortimente laufend auszutauschen und Kunden regelmäßig neue Kaufanreize zu bieten.
Aus europäischer Sicht ist weniger die einzelne Figur interessant als die Marktmechanik dahinter. Gacha verbindet mehrere Entwicklungen, die auch in anderen Bereichen des Spielwarenmarktes sichtbar sind: kleine Preispunkte, hohe Sortimentsrotation, Sammelcharakter und wiederkehrende Kaufimpulse. Das Modell erzeugt keine einmalige Kaufentscheidung, sondern eine Serie von Kaufentscheidungen.
Für Hersteller stellt sich die Frage, welche Produktkategorien sich für vergleichbare Modelle eignen. Für den Handel ist relevant, dass die Kategorie nicht über klassische Regalplatzierung wächst, sondern über eine hohe Verdichtung von Sortimenten auf kleiner Fläche. Die Expansion auf 1.400 Spezialgeschäfte zeigt, dass dafür in Japan ein eigenständiger Markt entstanden ist.
Die Branche geht davon aus, dass das weitere Wachstum vor allem aus neuen Produkten kommen wird. Gleichzeitig stößt die Zahl neuer Standorte nach Einschätzung der Marktteilnehmer langsam an Grenzen. Damit verlagert sich der Wettbewerb zunehmend auf Sortiment, Lizenzen und Produktentwicklung.
Ob sich die japanische Entwicklung vollständig auf Europa übertragen lässt, bleibt offen. Die Größenordnung des Marktes und die Geschwindigkeit des Wachstums machen den Gacha-Sektor jedoch zu einer der interessantesten Spielwarenkategorien außerhalb der klassischen Produktsegmente.
