Kartenspiele nach Pfälzer Art: Interview mit Klaus Geis (Palatia Spiele)

Auf der Suche nach Alleinstellungsmerkmalen ist der Verlag Palatia Spiele ganz von selbst fündig geworden. Die Liebe zur Heimatregion, der Pfalz, spiegelt sich bislang bei jeder Veröffentlichung wider. Titel in Pfälzischer Mundart sowie Humor und Lebensfreude kennzeichnen alle der bisherigen Veröffentlichungen. Verantwortlich dafür zeichnet in erster Linie Gründer und Haupt-Autor Klaus Geis. Schon bald könnte sich der Verlag jedoch breiter aufstellen – thematisch und personell.
Klaus, bei der Recherche nach Bedeutung und Herkunft des Worts „Palatia“ fanden wir raus, dass in erster Linie die Pfälzer Region gemeint ist. Gleichzeitig ist das Wort Bestandteil mehrerer Studentenverbindungen. Handelt es sich bei eurem Spieleverlag um einen schlagenden Corps?
Nein, das mir offen gesagt auch neu. Damit haben wir nichts zu tun (lacht).
Spaß beiseite, was macht Palatia Spiele für dich besonders im Vergleich zu anderen Spieleverlagen?
Dieser Verlag vereint die zwei Herzen, die in meiner Brust schlagen: Das Arbeiten mit Menschen – ich bin gelernter Sozialpädagoge – auf der einen und das Interesse für die kaufmännische Ebene auf der anderen Seite. Am Ende sind wir ein sozialer Spieleverlag. Ich versuche immer, das Glück, das meine Arbeit mir einbringt, mit denen zu teilen, die mir geholfen haben. Seit über 30 Jahren bin ich zum Beispiel ehrenamtlich in einem örtlichen Jugendzentrum tätig und organisiere hier Spielveranstaltungen. Diese profitieren auch direkt aus den Gewinnen des Verlags. Von unserem Spiel „Des bassd“ haben wir schon viele Exemplare an Seniorenheime und andere Einrichtungen gespendet. Dies war durch einen lokalen Sponsor möglich, den ich akquirieren konnte.
Dich selbst kann man getrost als einen „auffälligen Typen“ bezeichnen. Du bist nicht nur Gründer und Geschäftsführer von Palatia, sondern auch der Haupt-Autor und du hältst in der Außendarstellung dein Gesicht hin. Wie stark ist Palatia Spiele mit dir als Person verknüpft?
Momentan noch sehr stark. „Uffbasse“ ist ja das erste Spiel, das ich in Zusammenarbeit mit anderen Autoren entwickelt habe. Davor war ich eine One-Man-Show. Mich zu vermarkten, liegt mir – das habe ich auch in den vergangenen Jahren häufig als Rückmeldung gehört. Wenn ich einen Brief an potenzielle Interessenten schreibe, um ein Spiel zu verkaufen, habe ich in aller Regel weniger Erfolg, als wenn ich persönlich erscheine. Palatia wird aber nicht für immer so stark auf mich zentriert bleiben. Ich habe eine große Vision, wo es bald hingehen soll.
Doch sprechen wir zunächst darüber, wo Palatia herkommt. Die Verbundenheit zur Pfalz ist in euren Produkten und in eurer Kommunikation allgegenwärtig. War der Lokalkolorit eine bewusste Strategie oder kommt der regionale Bezug einfach ganz natürlich „aus euch heraus“, ohne dass ihr viel dagegen tun könnt?
Da muss ich kurz etwas ausholen. Der Startschuss für meinen Verlag war ein Spieleentwickler-Seminar bei Christwart Conrad, zu dem mich mein bester Freund mitgeschleppt hat. Zuvor war ich mit meinem Konzept von „Ebbes“ bei Verlagen abgeblitzt, was mich sehr frustriert hatte. Christwart Conrad hat dann mein Kartenspiel für gut befunden und mich ermutigt, weiter an der Veröffentlichung zu arbeiten. Bei einem anderen Verlag, so meinte er, müsste ich möglicherweise diverse Änderungen in Kauf nehmen. So kam mein Beschluss, einen eigenen Verlag zu gründen. Dabei war es mir dann wichtig, meine Heimat auch zu transportieren. Ich war dann schließlich selbst überrascht, wie groß der Pfälzer Markt ist. Fast jede Buchhandlung in unserer Region hat eine „Pfalz-Ecke“. Dort werden auch andere Produkte mit Regionalbezug verkauft. Zum Beispiel meine Spiele.
Während sich „Dubbe“ mit der typischen Besetzung eines Weinlokals befasst, stehen in „Uffbasse“ traditionelle pfälzische Gerichte im Vordergrund. Wird die Gastronomie weiterhin zentrales Thema eurer Spiele bleiben oder werden auch andere Aspekte gewürdigt, die typisch für die Pfalz sind? Uns fallen zum Beispiel Wanderungen oder Fußball ein.
Nicht zwingend. Es müssen nicht immer nur Pfälzer Themen sein, denn erstens machen sich die Spiele dann irgendwann gegenseitig Konkurrenz und zweitens würde ich sie vielleicht auch gern einmal überregional vermarkten. Die Pfälzer Titel allerdings scheinen ein gutes Alleinstellungsmerkmal zu sein. „Ebbes“ ist vergangenes Jahr in Koreanischer Lizenz erschienen und wurde dort auf den deutschen Namen „Hund“ getauft. Das versteht zwar kein Mensch, was offenbar aber niemanden stört.
Bei der Entwicklung eures sehr gelungenen Stichkartenspiels „Uffbasse“ sind gleich vier Autoren zusammengekommen. Wie hat dieser Prozess funktioniert?
Die meisten habe ich bei dem besagten Spieleentwickler-Seminar kennengelernt. Wir haben uns dann mal getroffen, zunächst um unsere Spiele zu testen. Nun saßen wir bei mir im Garten und die anderen haben ihr Leid geklagt, über die Suche nach Verlagen. Dabei haben die auch richtig gute Ideen. Also habe ich gesagt: „Ihr seid doch Dappschädel!“. Schließlich habe ich einen Spieleverlag, über den wir diese Spiele verlegen können. Wir haben dann steuerrechtlich abgeklärt, was der beste Weg ist, die anderen drei am Verlag zu beteiligen. Der Autor von „Uffbasse“ ist übrigens auch nicht nur als Autor, sondern auch als Investor beteiligt.
Eine solche Struktur macht das ganze zwar etwas komplizierter aber das, was die anderen einbringen an Kontakten und an Know-how, wiegt diese Baustellen locker auf. Über Themen wie Spielregeln und grafische Umsetzung von „Uffbasse“ haben wir dann regelmäßig in Videokonferenzen gesprochen. Hier geht es basisdemokratisch zu, was natürlich dazu führt, dass es manchmal zäher ist und manchmal auch Entscheidungen getroffen werden, die ich allein anders getroffen hätte. So ist das dann nun mal.
Durch deinen pädagogischen Hintergrund hast du bereits vor der Verlagsgründung viel Erfahrung mit Gesellschaftsspielen gehabt. Welche Erkenntnisse sind konkret in deine Arbeit als Spieleautor eingeflossen?
Ich mag Überraschungseffekte. Ein bisschen um die Ecke denken. Ich finde es zum Beispiel reizvoll, wenn man Karten auf der Hand hat und zu Beginn nicht weiß, was sie wert sind. Solche Elemente finden sich immer mal wieder. Darüber hinaus muss ein Spiel für mich Spannung erzeugen und Spaß machen. Wir haben über die Pfälzer Mundart gesprochen, die das ganze auch ein bisschen witzig gestalten soll. Wenn man Kunden zum Lachen bringt, dann kaufen sie das Spiel – so meine Erfahrung. Prinzipiell mag ich es nicht, wenn Leute zu ernst und verbissen an ein Spiel herangehen. Ich ermutige übrigens auch immer alle Spieler, Regeln bei Bedarf anzupassen und abzuändern. Wenn sie alle am Tisch einige sind und es dem gemeinsamen Spaß dient, dann ist das völlig legitim.
Möchtest du zum Abschluss noch etwas zu den sozialen Aktivitäten bzw. zum gesellschaftlichen Aspekt von Palatia Spiele sagen?
Zum einen werden unsere Spiele ja per Crowdfunding finanziert. Allerdings nicht über das Internet, sondern durch unser eigenes soziales Netzwerk. Wir nennen die Unterstützer auch gern „Geburtshelfer“. Bei „Uffbasse“ waren das fast 500, die dann alle unter anderem eine besondere Edition des Spiels bekommen haben.
Zum anderen hatte ich vorhin schon angedeutet, dass ich eine Vision habe, was die Eigentümerschaft des Verlags angeht. Ich bin grade noch dabei, mich tiefer in die Materie einzuarbeiten aber es läuft auf eine Genossenschaft hinaus. Für mich hat das Kulturgut Spiel in unserer Gesellschaft noch lange nicht den Stellenwert, der ihm eigentlich gebührt. Spielen gehört zum Menschsein dazu und ist etwas enorm Wichtiges. Würde auf der Welt mehr gespielt werden, dann gäbe es weniger Konflikte – davon bin ich fest überzeugt.
Ich spüre, dass viele in unserer Gesellschaft die Demokratie nicht ausreichend zu würdigen wissen. Da überlege ich mir, was ich persönlich beitragen kann, um die Situation zu verbessern. Eine Genossenschaft ist etwas zutiefst basisdemokratisches. Gelebte Demokratie. In diesem Jahr steht es für mich auf der Agenda, das ganze in eine passende Rechtsform zu gießen. So dass diejenigen, die Lust haben, mit mir das Kulturgut Spiel weiter voran zu treiben, als Genossenschaftler dabei sein können.