Ausgebuchte Hallen, eine lange Warteliste und selbst die zusätzliche Ausstellungsfläche binnen kürzester Zeit vergeben: Die Nachfrage nach der SPIEL Essen ist auch 2026 enorm. Für Carol Rapp, Geschäftsführerin des ausrichtenden Merz Verlags, ist das eine Bestätigung für die Entwicklung der weltgrößten Publikumsmesse für Brettspiele – und zugleich Ansporn, die Veranstaltung kontinuierlich weiterzuentwickeln. Im Interview mit BRANDORA spricht Carol Rapp über das Wachstum der SPIEL, neue Angebote wie die TCG Awards und das B2B-Matchmaking sowie über die Bedeutung persönlicher Begegnungen für die Spielebranche. Außerdem verrät sie, wie sie den aktuellen Spielejahrgang einschätzt und welche Titel bei ihr selbst besonders gut ankommen.
Carol, die Aussteller-Flächen für
die SPIEL 2026 sind schon seit Wochen ausgebucht. Gibt es für Spieleverlage –
abgesehen von der Warteliste – derzeit noch eine andere Möglichkeit, um auf der
Messe präsent zu sein?
Die Nachfrage nach Flächen auf
der SPIEL ist tatsächlich enorm und die Hallen sind voll. Daher gibt es
höchsten noch die Möglichkeit als Mitaussteller bei einem bereits angemeldeten
Aussteller dabei zu sein, wenn die Hauptaussteller das möchten. Das müssen aber
beide Parteien untereinander absprechen und sich dann bei uns melden. Ansonsten
gibt es keine andere Chance als über die Warteliste.
In diesem Jahr eröffnet ihr eine
zusätzliche Halle – die ebenfalls binnen kürzester Zeit ausgebucht war. Ganz
ehrlich: Hast du mit dieser Resonanz gerechnet?
Nein, dass es so schnell so voll
wird, das haben wir nicht kommen sehen. Dass wir die neue Halle brauchten,
wurde uns in den Vorgesprächen nach der letzten SPIEL und auf der
Spielwarenmesse in Nürnberg klar. Aber dass die dann so schnell voll wurde und
wieder eine Warteliste aufgemacht werden musste, hat uns total umgehauen.
Wer schon einmal auf der SPIEL
war, weiß, dass es ein unvergleichliches Erlebnis ist – für Verlage, für
Besucher und auch für uns als Presse. Trotz des enormen Andrangs werden extrem
viele Spiele getestet, viele Abverkäufe werden erzielt und trotzdem bleibt oft
Raum für Gespräche mit den Machern. Ein Beweis für die hervorragende Arbeit,
die dein Team geleistet hat?
Ich bin unglaublich stolz auf die
Leistung, die das Team bringt. Wir alle brennen so sehr für diese Messe, dass
wir einfach ein tolles Event für alle schaffen wollen. Und dieses Feuer zeigt
sich dann auch in den Projekten, die die Messe vor Ort so schön machen, wie das
Hallenlayout, die Wegeführung, die B2B-Lounge, die App und vieles mehr. Es
freut mich sehr, dass unsere Bemühungen so positiv wahrgenommen werden.
Du selbst hast im vierten Jahr
die Geschäftsführung der SPIEL Essen inne und kamst aus der Verlagswelt. Wie
hast du die Situation zum Start vorgefunden und was hat sich in den vergangenen
Jahren verändert?
Als ich die SPIEL übernommen
habe, hat mir Dominique direkt gesagt, dass ich einiges modernisieren müsse.
Das ist auch absolut klar, wie soll ein Team von drei bis max. fünf Leuten so
ein riesiges Event weiterentwickeln? Damit war mein erster Auftrag schnell
klar: Das Team aufstocken, die Veranstaltung in die Gegenwart holen und für die
Zukunft fit machen, viel Digitalisierung aufbauen. Ich glaube, das ist uns als
Team sehr gut gelungen, die SPIEL zu entstauben, dabei gleichzeitig die Werte
und den Kern zu erhalten und auch für
die Zukunft relevant zu machen – und mit diesem ständigen Ausbau hören wir
natürlich auch nicht auf.
Hattest du angesichts der damals grade
überstandenen Pandemie Zweifel, in die Event-Branche zu wechseln?
Überhaupt nicht. Wenn die
Pandemie eines gezeigt hat, dann dass die Menschen sich nach Begegnung und
Miteinander sehnen. Wir leben in einer so schnellen und oft auch unpersönlichen
Welt. Events, die das Hobby und die Leidenschaft der Menschen betreffen, sind
genau das, was wir alle wollen. Wir können hier mit Gleichgesinnten
zusammenkommen, Freude erleben und Neues entdecken.
Neu sind in diesem Jahr unter
anderem die TCG Awards. Magst du diese mal vorstellen?
Die TCG Awards zeichnen einen
Bereich unseres Hobbys aus, der immer beliebter wird: die Trading Card Games.
Und am Anfang stand die Frage, warum es noch gar keinen internationalen,
renommierten Preis eben für diesen Zweig des Spielens gibt, denn der fehlte
bisher wirklich. Zusammen mit Card Sports League und Hana Sports &
Entertainment haben wir daher Awards ins Leben gerufen, die alle Bereiche der
TCGs abdecken sollen und die Menschen und Produkte feiern. Und weil es beim
Spielen sowohl um Community als auch um die Branche geht, haben wir die Awards
auf Community- und Business Awards aufgeteilt – um sowohl den Fans als auch den
Experten und Insidern eine Stimme zu geben. Das Feedback ist enorm, wir haben
gerade erst die Top 3 aller 13 Kategorien bekannt gegeben und freuen uns schon
riesig auf die Award-Gala am Donnerstag der SPIEL.
Welche Themen sind für dich in
diesem Jahr außerdem besonders wichtig? Gibt es weitere Neuerungen, auf die du
hinweisen möchtest?
Ich freue mich besonders, dass
wir dieses Jahr wieder die Stage in Halle 4 haben werden, wo unsere SPIEL.talks
präsentiert werden. Den Bühnenbereich haben wir letztes Jahr gestartet und er
kam super an. Damit highlighten wir nochmal, dass auf der SPIEL nicht nur das
einzelne Produkt im Fokus steht, sondern das gesamte Kulturgut zu finden ist.
Neu ist, dass wir gemeinsam mit
Games Workshop einiges an Action auf die SPIEL holen. Wer möchte, kann sich
dieses Jahr während der Messe in einer eigens aufgebauten Lasertag-Arena mit
anderen Besucherinnen und Besuchern messen. Das Set-up ist dabei komplett auf
Warhammer 40k abgestimmt – das wird richtig cool.
Ansonsten haben wir dieses Jahr
auch den B2B-Bereich ein wenig in den Blick genommen. Auf der SPIEL findet seit
jeher eine Menge an Geschäften statt, Menschen aus der Branche kommen zusammen
und es werden neue Kontakte geknüpft. Dieses Jahr unterstützen wir diese
Kontakte erstmals mit einem eigenen B2B-Matchmaking-Tool auf unserer Webseite
und in unserer kostenfreien SPIEL App.
Auf welche neuen Aussteller bist
du besonders gespannt?
Puh, das ist schwierig, ich finde
es immer spannend, was Aussteller zum ersten Mal auf der SPIEL zeigen. Aber es
sind jedes Jahr so viele. Ich bin tatsächlich besonders gespannt, was aus den
verschiedenen Ländern dieses Jahr an neuen Ideen zu uns kommt. Mit über 50
Nationen ist die SPIEL so international, dass hier immer etwas zu entdecken
ist, was man so noch nicht gesehen hat.
Lass uns zum Schluss noch über
den aktuellen Stand der Spiele-Branche sprechen. Wie zufrieden bist du mit den
Releases in diesem Jahrgang? Gibt es Kandidaten, die es unter deine
Alltime-Favorites schaffen könnten?
Ich komme leider immer viel zu
wenig zum Spielen. Aber insgesamt finde ich schon, dass es auch dieses Jahr
viele sehr gute Titel gibt. Ich tue mich immer schwer, einzelne Titel
hervorzuheben, zumal die Geschmäcker so verschieden sind – jeder liebt ja andere
Arten von Spielen. Aber für mich war definitiv Galactic Cruise ein Highlight.
Das kommt bei mir gerne öfter auf den Tisch. Und Vantage fand ich auch sehr
gut. Aber ich bin noch lange nicht mit allen aktuellen Titeln durch.
Der Verein Spiel des Jahres rügte
trotz aller positiven Worten in diesem Jahr Qualitätsmängel – insbesondere in
den oberen zehn Prozent der bewerteten Spiele. Ist dir auch ein Mangel an
Qualität aufgefallen?
Der Verein hat sich in seiner
Kritik ja auch eher vage gehalten, es ging mal um die Spielregeln, mal um das
Material und ähnliches, was dann einer Wahl zum Spiel des Jahres im Wege stand.
Und es ist richtig, dass eine Jury wie für das SdJ hier besondere Maßstäbe
ansetzt. Aber für die meisten Spielerinnen und Spieler sind diese Kriterien
entspannter, daher kann ich zwar nachvollziehen, was der Verein und die Jury
meinen, aber sehe hier kein allgemeines Problem.
