Im Gespräch mit Susanna Becker, Geschäftsführerin von Heless, wird deutlich: Das klassische Puppenspiel ist alles andere als ein Auslaufmodell – im Gegenteil. In einer zunehmend digitalen Lebenswelt gewinnt das analoge, freie Rollenspiel für Kinder wieder an Bedeutung. Gleichzeitig befindet sich das Segment im Wandel: Neue Themen wie Nachhaltigkeit, Diversität und veränderte Rollenbilder prägen sowohl die Erwartungen von Eltern als auch die Produktentwicklung der Hersteller. Wie sich das Spielverhalten konkret verändert hat, welche Trends das Puppensegment aktuell bestimmen und wohin die Reise künftig geht, erläutert Susanna Becker im Interview.
Das Puppenspiel gehört seit Generationen zu den festen Bestandteilen im Kinderzimmer, hat sich jedoch im Laufe der Zeit weiterentwickelt. Können Sie uns sagen, wie sich das Spielverhalten von Kindern im Bereich Puppenspiel in den letzten Jahren verändert hat – und welche Entwicklungen beobachten Sie konkret bei Ihren Kunden und im Heless-Sortiment?
Wir beobachten, dass das Puppenspiel heute vielfältiger und individueller geworden ist. Kinder orientieren sich weniger an klassischen Rollenbildern und entwickeln ihre eigenen Geschichten. Gleichzeitig wünschen sich viele Eltern bewusst analoge Spielwelten als Ausgleich zur digitalen Realität.
Bei unseren Handelspartnern sehen wir eine steigende Nachfrage nach vielseitig kombinierbaren Produkten sowie nach Artikeln, die die Vielfalt des Alltags von Kindern widerspiegeln. In unserem Sortiment reagieren wir darauf mit flexiblen Kollektionen, die sowohl klassische als auch moderne Spielimpulse bieten.
Welche Bedeutung hat klassisches Rollenspiel heute noch in einer zunehmend digitalen Lebenswelt von Kindern – und wie unterstützen Ihre Produkte dieses freie, imaginative Spiel?
Klassisches Rollenspiel ist heute wichtiger denn je. Es bietet Kindern einen Raum, in dem sie Erlebtes verarbeiten, Empathie entwickeln und soziale Kompetenzen stärken können – ganz ohne Bildschirm.
Unsere Produkte sind bewusst offen gestaltet: Sie geben Impulse, ohne das Spiel vorzugeben. Durch liebevolle Details, hochwertige Materialien und realitätsnahe Designs regen wir die Fantasie an und ermöglichen es Kindern, ihre eigenen Geschichten zu entwickeln.
Welche zentralen Trends beobachten Sie aktuell im
Puppensegment?
Im Puppensegment sehen wir aktuell mehrere zentrale Entwicklungen: Die Nachfrage nach authentischen, realitätsnahen Produkten wächst ebenso wie die Bedeutung von Nachhaltigkeit und verantwortungsvoller Produktion. Gleichzeitig nimmt die Vielfalt an Stilrichtungen zu – von klassisch bis hin zu fantasievollen, trendinspirierten Designs.
Parallel beobachten wir einen steigenden Wettbewerbsdruck durch internationale Plattformen mit sehr preisaggressiven Angeboten. Für den Fachhandel stellt das eine Herausforderung dar. Gleichzeitig erkennen wir aber auch eine klare Gegenbewegung: Viele Kunden legen bewusst Wert auf Qualität, Sicherheit und Vertrauen.
Darin sehen wir eine große Chance – sowohl für uns als Hersteller mit Tradition als auch für unsere Handelspartner, die sich über hochwertige Sortimente und Beratung klar differenzieren können.
Welche Rolle spielen realitätsnahe Spielszenarien – etwa
Alltag, Pflege oder soziale Interaktion – im heutigen Puppenspiel?
Realitätsnahe Spielszenarien spielen eine zentrale Rolle. Kinder greifen Alltagssituationen auf und verarbeiten diese im Spiel – sei es das Anziehen, Füttern oder Fürsorge zeigen. Gerade diese Aspekte fördern Empathie und Verantwortungsbewusstsein. Deshalb legen wir großen Wert darauf, dass unsere Produkte solche Situationen authentisch und gleichzeitig kindgerecht abbilden.
Inwiefern beeinflussen Themen wie Nachhaltigkeit, Diversität
und Inklusion Ihre Produktentwicklung – und welche konkreten Ansätze verfolgt
Heless hier?
Diese Themen sind fest in unserer Entwicklung verankert. Als Unternehmen mit Tradition seit 1949 sehen wir es als unsere Verantwortung, zukunftsfähig zu handeln.
Wir achten verstärkt auf nachhaltigere Materialien, langlebige Qualität und ressourcenschonende Prozesse. Ein Beispiel dafür: Unsere Kleidung wird standardmäßig auf nachhaltigen Holzkleiderbügeln ausgeliefert – eines vieler Details, das Umweltbewusstsein und Wertigkeit miteinander verbindet. Gleichzeitig ist uns wichtig, dass sich möglichst viele Kinder in unseren Produkten wiederfinden. Vielfalt und Offenheit sind für uns keine Trends, sondern eine Selbstverständlichkeit, die wir Schritt für Schritt weiter ausbauen.
Welche Erwartungen haben Eltern heute an Puppen und Zubehör – über den reinen Spielwert hinaus?
Eltern legen heute großen Wert auf Qualität, Sicherheit und Langlebigkeit. Darüber hinaus spielen pädagogische Aspekte eine wichtige Rolle: Produkte sollen die Entwicklung fördern, Kreativität anregen und soziale Kompetenzen stärken.
Auch Transparenz wird immer wichtiger – etwa hinsichtlich Materialien und der sicheren Verarbeitung. Diese Erwartungen nehmen wir sehr ernst und sehen sie als Chance, Vertrauen nachhaltig aufzubauen.
Wie wird sich das Puppenspiel Ihrer Einschätzung nach in den
kommenden Jahren weiterentwickeln?
Wir sind überzeugt, dass das Puppenspiel auch künftig eine wichtige Rolle im Kinderzimmer spielen wird. Gerade in einer digitalen Welt wächst das Bedürfnis nach haptischen, kreativen Spielerlebnissen.
Gleichzeitig wird sich das Spiel weiter diversifizieren: Neben klassischen Ansätzen werden immerwährend neue Themen, Designs und Spielwelten entstehen, die aktuelle Trends aufgreifen. Diese Entwicklung sehen wir als große Chance für Innovation im Sortiment.
Zum Abschluss noch ein Blick nach vorn: Mit Ihrer „Monster Styles“-Kollektion greifen Sie einen eher stilisierten, kawaii-inspirierten Look auf, der sich vom klassischen Puppenspiel unterscheidet. Welche Rolle spielen solche fantasievollen, sammelorientierten Spielwelten künftig im Puppensegment?
Für uns ist das ein klares Zeichen, wie dynamisch der Markt ist. „Monster Styles“ erweitert unser Sortiment um genau diese spielerische Vielfalt. Es ist fundamental trendbewusst und zielgruppenorientiert zu sein, um eben diese Dynamik einzufangen und in eigenen Kreationen und neuen Sortimenten umzusetzen. Kunden weltweit zeigen uns dabei immer wieder, wo die Möglichkeiten liegen, es sind keine Grenzen gesetzt.
