An der Qualität sollte man nicht sparen – so lautet eine alte Regel. Während die Dumpingpreis-Anbieter aus Fernost dies leider häufig ignorieren, halten viele deutschsprachige Hersteller die Fahne hoch. Ein Invest in Qualität und Sicherheit wird hier nicht als Belastung für die Marge angesehen, sondern als Gütesiegel und somit letztlich als Verkaufsargument. Denn in kaum einer Branche ist Sicherheit so zentral wie in der Spielware. Der Coppenrath Verlag ist seit jeher bekannt für enorme Umsicht und einen starken Fokus auf hochwertige und sichere Produkte. Nina Dierkes, Leitung Produktsicherheit, bestätigt dies im Interview.
Laut einer aktuellen Studie sind Langlebigkeit, Material, pädagogischer Wert, Sicherheit und Nachhaltigkeit beim Spielzeugkauf wichtiger als der Preis. Spüren Sie dies auch in Ihrer täglichen Arbeit?
Ja, absolut. Gerade bei Produkten für Kleinkinder merken wir sehr deutlich, dass Eltern, Großeltern und Handelspartner bewusster hinschauen. Der Preis spielt natürlich weiterhin eine Rolle, aber er ist nicht der alleinige Maßstab. Bei Produkten für Kinder geht es um Vertrauen: Ist das Material geeignet? Hält das Produkt lange? Ist es sicher? Hat es einen pädagogischen oder emotionalen Mehrwert? Genau diese Fragen begleiten unsere tägliche Arbeit.
Produktsicherheit ist in Ihren Kernsegmenten Kleinkind und Preschool unabdingbar und zugleich wichtiger Bestandteil Ihres Markenkerns. Es wirkt, als habe die Eigentümerfamilie von Anfang an darauf beharrt, dass hier niemals Abstriche gemacht werden können?
Produktsicherheit ist für uns kein nachgelagerter Prüfpunkt, sondern Teil unseres Selbstverständnisses. Unsere Produkte begleiten Kinder im Alltag, beim Spielen, Entdecken, Lernen und Einschlafen. Daraus entsteht eine besondere Verantwortung. Deshalb gilt bei uns: Sicherheit ist nicht verhandelbar. Diese Haltung ist tief in der Marke verankert und prägt Entscheidungen von der ersten Produktidee bis zur Auslieferung.
Welche Instanzen hat der Coppenrath Verlag installiert, um sicherzugehen, dass bei jeder neuen Veröffentlichung sämtliche Eventualitäten bedacht sind?
Bei jeder neuen Produktidee greifen mehrere Instanzen ineinander: Produktmanagement, Design, Qualitätsmanagement, externe Prüfinstitute und unsere Lieferanten. Schon in der Entwicklung wird geprüft, für welche Altersgruppe ein Produkt geeignet ist, welche Normen gelten, welche Materialien eingesetzt werden dürfen und welche Risiken denkbar sind. Danach folgen technische Bewertungen, Prüfungen nach geltenden Normen, Dokumentationsprüfungen und stichprobenartige Kontrollen. Wichtig ist: Produktsicherheit beginnt nicht erst kurz vor dem Versand, sondern bereits bei der Konzeption.
Worauf achtet der Coppenrath Verlag materialseitig im Produktionsprozess?
Wir achten auf kindgerechte, belastbare und normkonforme Materialien. Dazu gehören mechanische Sicherheit, chemische Anforderungen, Speichel- und Schweißechtheit, Schadstoffgrenzwerte, Entflammbarkeit und die Eignung für die vorgesehene Altersgruppe. Bei Kleinkindprodukten schauen wir besonders genau hin, weil diese Produkte häufig in den Mund genommen, geworfen, gezogen oder intensiv genutzt werden. Nachhaltigkeit und Sicherheit müssen dabei zusammen gedacht werden: Ein Material muss nicht nur verantwortungsvoll ausgewählt, sondern auch sicher und langlebig sein.
Wie schaffen Sie es, preislich trotzdem wettbewerbsfähig zu bleiben?
Durch Erfahrung, langfristige Lieferantenbeziehungen und sehr frühe Qualitätsplanung. Wenn Sicherheit erst am Ende geprüft wird, wird es teuer. Wenn sie von Anfang an mitgedacht wird, lassen sich viele Risiken vermeiden. Außerdem arbeiten wir mit verlässlichen Partnern, klaren Spezifikationen und eingespielten Prozessen. Unser Ziel ist nicht, der billigste Anbieter zu sein, sondern ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis zu bieten — mit Produkten, auf die Familien vertrauen können.
Die Untersuchungen von Toys Industries of Europe, bei denen Testkäufe bei Billiganbietern aus Nicht-EU-Staaten getätigt werden, zeigen wiederholt verheerende Ergebnisse bei der Produktsicherheit. Will sagen: Der überwiegende Teil dieser Produkte birgt hohe Gefahren für Kinder. Spüren Sie beim Kunden eine Reaktion auf diese Testergebnisse oder gehen die Erkenntnisse weitestgehend am Markt vorbei?
Teilweise ja, aber noch nicht in dem Maße, wie es angesichts der Ergebnisse wünschenswert wäre. Viele Verbraucherinnen und Verbraucher wissen nicht, dass Produkte auf Online-Marktplätzen nicht automatisch denselben Kontrollweg durchlaufen wie Markenprodukte aus dem europäischen Handel. Die Untersuchungen von Toy Industries of Europe zeigen hier ein deutliches Problem: 2024 haben 80 % der untersuchten Spielzeuge von Online-Marktplätzen nicht den EU-Sicherheitsanforderungen entsprochen; 2025 wurden bei Nicht-EU-Anbietern erneut sehr hohe Risiken festgestellt.
Ist die Industrie gefragt, mehr Aufklärungsarbeit zu betreiben, die auch für Endverbraucher sichtbar ist?
Ja. Wir als Branche müssen noch besser erklären, woran sichere Spielwaren erkennbar sind und warum geprüfte Qualität ihren Wert hat. Viele sicherheitsrelevante Dinge sieht man einem Produkt nicht sofort an: chemische Anforderungen, Kleinteile, Batteriefächer, Magnete, Materialprüfungen oder Dokumentationspflichten. Hier braucht es verständliche Kommunikation — nicht belehrend, sondern hilfreich für Eltern, Großeltern und den Handel.
Die EU hat beschlossen, die Zollfreigrenze für Kleinsendungen abzuschaffen. Ein richtiger Schritt in Richtung mehr Produktsicherheit auf dem Spielwarenmarkt?
Ja, das ist ein wichtiger Schritt. Die bisherige Freigrenze von 150 Euro hat den Direktversand kleiner Sendungen aus Drittstaaten begünstigt. Bei der Flut an Produkten ist eine angemessene Kontrolle durch Behörden nicht möglich. Die Abschaffung der Zollbefreiung kann helfen, Wettbewerbsverzerrungen zu reduzieren und mehr Transparenz in den Onlinehandel zu bringen.
Welche Maßnahmen würden Sie sich von der Politik wünschen?
Wir wünschen uns vor allem faire und konsequente Regeln für alle Marktteilnehmer. Wer Spielwaren in der EU verkauft, muss dieselben Sicherheitsanforderungen erfüllen — unabhängig davon, ob der Verkauf über den stationären Handel, den klassischen Onlinehandel oder einen internationalen Marktplatz erfolgt. Wichtig wären zielgerichtete Kontrollen und bessere Durchsetzung gegenüber Nicht-EU-Anbietern, klare Verantwortlichkeiten für Plattformen und schnellere Maßnahmen gegen nachweislich unsichere Produkte. Produktsicherheit darf nicht davon abhängen, über welchen Vertriebskanal ein Produkt gekauft wird. Mehr Aufklärungsarbeit von Seiten der Politik wäre ebenfalls wünschenswert.
