Florian N. Lipp ist in der Branche weitläufig bekannt. Als Global Executive Vice President treibt er die Geschicke der CRAZE Group maßgeblich voran. Er verantwortet den kreativen Bereich und ist gleichzeitig das Gesicht in der Außendarstellung. Mit dem Namen CRAZE sind verschiedene Spielwaren-Marken verbunden, mittlerweile schlägt man aber auch immer öfter den Bogen zum Beauty- bzw. Kosmetik-Sektor. Anlässlich des Launchs der neuen Marke Top Fashion haben wir von BRANDORA uns einmal mit Florian unterhalten.
Florian, am 02.07.2026 startete Top Fashion im Handel. Ist das für dich ein besonderer Moment?
Absolut. Ein Markenlaunch ist immer etwas Besonderes, weil zwischen der ersten Idee und dem fertigen Produkt oft viele Monate intensiver Arbeit liegen. Wenn man dann heute in den Handel geht und die Produkte im Regal sieht, ist das schon ein schöner Moment – vor allem für das gesamte Team. Top Fashion ist keine spontane Idee gewesen, sondern das Ergebnis einer sehr intensiven Marktanalyse und vieler Gespräche mit Handelspartnern und natürlich auch der Beobachtung unserer Zielgruppe.
Warum habt ihr Top Fashion überhaupt entwickelt?
Wir haben mit INKEE über viele Jahre eine der erfolgreichsten Kinder-Badekosmetikmarken aufgebaut. Irgendwann haben wir aber festgestellt, dass insbesondere Mädchen aus dieser Welt herauswachsen. Gleichzeitig gab es im Markt kein Angebot, das diese Zielgruppe wirklich abholt.
Top Fashion schließt genau diese Lücke. Die Marke verbindet das moderne Look & Feel der Beauty- und Fashion-Welt mit Rezepturen, die speziell für junge Haut entwickelt wurden. Das heißt: Die Produkte sehen so aus, wie Kinder sie sich wünschen – orientiert an aktuellen Beauty-Trends –, bleiben aber in ihrer Formulierung konsequent auf die Bedürfnisse junger Haut abgestimmt.
Was unterscheidet Top Fashion von anderen Beauty-Produkten für junge Konsumenten?
Viele Produkte im Markt sprechen Kinder zwar optisch an, arbeiten aber mit Rezepturen, die ursprünglich für Erwachsene entwickelt wurden. Das wollten wir bewusst anders machen.
Unsere Gesichtsmasken beispielsweise setzen auf hautberuhigende Inhaltsstoffe wie Kamillenwasser-Extrakt und sind speziell auf junge Haut abgestimmt. Gleichzeitig vermitteln Verpackung und Design genau das Beauty-Gefühl, das Kinder heute aus Social Media, Fashion oder Fernsehsendungen kennen. Diese Verbindung aus Trendbewusstsein und kindgerechter Produktentwicklung macht für mich den Unterschied aus.
Du giltst als kreativer Kopf unter anderem hinter Marken wie INKEE und jetzt Top Fashion. Wie entsteht bei CRAZE eine neue Marke?
Der erste Schritt ist immer das Beobachten. Ich analysiere Märkte sehr intensiv und frage mich: Wo gibt es eine Lücke? Wo gibt es einen Bedarf, der noch nicht überzeugend gelöst wurde?
Danach beginnt die eigentliche Markenentwicklung. Gemeinsam mit unseren Produktmanagement-, Design- und Marketingteams entstehen erste Konzepte. Wir haben regelmäßig Artwork-Meetings, Produktbesprechungen und stimmen jedes Detail ab – vom ersten Entwurf über die Rezeptur bis hin zu TV-Spots, Social Media oder den Verkaufsdisplays im Handel.
Eine Marke entsteht nicht durch einen einzelnen Geistesblitz, sondern durch viele kleine Entscheidungen, die am Ende ein stimmiges Gesamtbild ergeben.
Du sprichst häufig von Teamarbeit. Welche Rolle spielen deine Mitarbeiter dabei?
Eine ganz entscheidende. Natürlich gebe ich die Richtung vor und entwickle die Markenstrategie. Aber ohne unsere Teams gäbe es keine Produkte.
Ich arbeite mit großartigen Kolleginnen und Kollegen zusammen, die Ideen weiterentwickeln, verbessern und mit unglaublich viel Leidenschaft umsetzen. Wenn wir später gemeinsam vor einem Regal stehen und sehen, dass aus einer ersten Skizze ein fertiges Produkt geworden ist, dann ist das immer ein gemeinsamer Erfolg.
Woher nimmst du deine Inspiration?
Ich reise sehr viel und schaue mir überall Märkte an – ganz unabhängig davon, ob sie mit Spielwaren oder Kosmetik zu tun haben.
Mich faszinieren unterschiedliche Branchen, Länder und Kulturen. Oft entstehen die besten Ideen dadurch, dass man Dinge miteinander kombiniert, die auf den ersten Blick gar nichts miteinander zu tun haben. Ich glaube, Innovation entsteht selten dadurch, dass man etwas komplett Neues erfindet. Häufig entsteht sie dadurch, dass man bestehende Ideen neu zusammendenkt.
Was treibt dich persönlich an?
Meine größte Angst ist tatsächlich nicht, viel zu arbeiten – sondern irgendwann morgens aufzuwachen und mich zu langweilen.
Solange ich neugierig bleibe, Menschen beobachte, Märkte entdecke und neue Ideen entwickle, macht mir das, was ich mache, unglaublich viel Spaß. Diese Neugier ist wahrscheinlich mein stärkster Antrieb.
Was bedeutet es dir, Produkte für Kinder zu entwickeln?
Sehr viel. Kinder sind die ehrlichsten Kritiker überhaupt. Sie sagen einem direkt, ob ihnen etwas gefällt oder eben nicht.
Besonders berühren mich Briefe oder Nachrichten von Familien, die uns erzählen, wie viel Freude unsere Produkte bereitet haben. Wir verkaufen nicht einfach nur Kinderspielzeug, Badezusätze oder Kosmetik. Wir schaffen kleine Glücksmomente.
Viele Menschen erinnern sich ein Leben lang an ihr erstes Lieblingsspielzeug oder an ihre erste Kosmetik. Wenn wir mit unseren Produkten Teil solcher Erinnerungen werden dürfen, dann ist das etwas ganz Besonderes.
Wohin soll die Reise für CRAZE in den kommenden Jahren gehen?
Wir werden weiterhin neugierig bleiben und neue Kategorien erschließen. Mich reizen grundsätzlich neue Themen und Märkte. Wichtig ist nur, dass man sie mit Leidenschaft angeht und gleichzeitig wirtschaftlich sauber analysiert.
Ich glaube fest daran, dass erfolgreiche Marken dort entstehen, wo Bauchgefühl, Kreativität und wirtschaftliches Denken zusammenkommen. Oder, um es mit Götz Werner, dem Gründer von dm, zu sagen: „Unternehmertum braucht drei Dinge – Mut, Demut und Glück“. Und vielleicht ist Glück tatsächlich das Wichtigste.
