Als BRANDORA Anfang 2026 mit Jan Peters sprach, war er seit einigen Monaten als Sales Director Germany beim Spieleverlag Piatnik tätig und steckte sichtlich voller Tatendrang. Ein dreiviertel Jahr später ist er mittlerweile zum Country Manager Germany befördert worden und blickt auf eine intensive Zeit zurück. Unter anderem wurden neue Content-Formate erprobt, interessante Kooperationen geschlossen, eine AAA-Lizenz für die Kultreihe „Smart 10“ gesichert und auch im Kennerspiel-Segment konnte der Verlag sich positionieren. Was sich nicht geändert hat, ist der intensive Austausch, den man mit dem Einzelhandel pflegt.
Herr Peters, Sie sind letztes Jahr in der Position des Vertriebsleiters Deutschland bei Piatnik eingestiegen und seit Juli Country Manager Germany. Als wir zuletzt im Januar sprachen, legten Sie einen Fokus auf das optimale Zusammenspiel zwischen Online-Marketing und stationärem Handel. Wie sind Sie mit der bisherigen Umsetzung zufrieden?
Wir haben in diesem Jahr gute Fortschritte gemacht und konnten wertvolle Insights aus unseren gemeinsamen Aktionen und dem Austausch mit den Fachhändlern gewinnen. Es bleibt weiterhin ein Fokusfeld für uns, gerade jetzt mit Blick auf die bevorstehende Saison beobachten wir dies genau.
Denn durch die stetigen Entwicklungen ergeben sich auch immer wieder neue Vermarktungsmöglichkeiten.
Sie stellten auch heraus, dass man es bei den Gesellschaftsspielen immer mit erklärungsbedürftigen Produkten zu tun hat. Bevor der Fachhandel es dem Kunden erklären kann, muss der Hersteller die Produkte dem Fachhandel erklären, richtig?
Genauso sieht es aus. Wir treffen uns immer mit der gesamten Firma im Januar in Wien und prüfen dort alle Neuheiten auf Herz und Nieren, indem wir sie selbst spielen. So stellen wir gemeinsam sicher, dass wir all unsere Spiele optimal erklären und alle Regelfragen beantworten können. Das ist wahnsinnig wichtig und macht außerdem Spaß.
Anschließend präsentieren wir die neuen Spiele direkt unseren Händlern auf der Spielwarenmesse in Nürnberg, sowie während Terminen bei unseren Handelspartnern vor Ort. Immer mit dem Ziel, die Besonderheiten des Titels herauszustellen. Nur dann kann der Händler seinen Kunden das passende Spiel empfehlen.
Wo liegen noch am ehesten die Hürden im Zusammenspiel mit dem Fachhandel?
Ich persönlich bin mit unserer Zusammenarbeit mit dem Fachhandel sehr zufrieden und bekomme sehr gutes Feedback aus dem Fachhandel zu unserer Zusammenarbeit. Wir haben durch unsere Kollegen und die vielen Gespräche auf Messen und vor Ort einen engen Draht zu den Händlern. Und genau dieser offene und direkte Austausch ist die Grundlage für den gemeinsamen Erfolg, da beide Perspektiven benötigt werden, um gemeinsame Hürden zu nehmen.
Diese sind neben der aktuellen weltpolitischen und wirtschaftlichen Situation vor allem neue Fans und Käufer für unsere Branche zu gewinnen. Um dies zu erreichen, ist Social Media aus meiner Sicht weiterhin ein unverzichtbares Tool. Und genau hier liegen weitere gemeinsame Hürden. Sei es durch persönliche Unsicherheiten, fehlendes Know-how oder auch fehlende Zeit und Ressourcen bei den Händlern, um regelmäßig relevanten Content zu erstellen.
All dies lösen wir nur durch den engen Austausch und die Offenheit, gemeinsam voneinander zu lernen sowie immer wieder neue Anläufe zu wagen.
Wie bewerten Sie augenblicklich den Zustand des stationären Spielwaren-Handels?
Wie bereits erwähnt, stellt die wirtschaftliche Lage unsere Branche und so auch den stationären Spielwarenhandel vor große Herausforderungen. Meine Hoffnung, dass sich die Situation in Q4 beruhigen wird, ist angesichts einiger weltpolitischer Akteure eher verhalten.
Doch unsere Hauptsaison mit vielen Neuheiten und so auch neuen Kaufimpulsen steht uns noch bevor. Genau hier liegt eine große Chance für den stationären Spielwarenhandel, denn dieses Potenzial kann er mit seiner Kernkompetenz, der kompetenten Beratung und dem vor Ort Wecken der Spielbegeisterung, am besten heben.
Dass genau dies von den Spielern gewünscht wird, unterstreicht auch der von Jahr zu Jahr wachsende Zulauf der SPIEL in Essen.
Und wie sieht es mit dem Online-Bereich aus? Haben Sie neue KPIs bzw. Ziele gesetzt? Wie hat sich das Online-Geschäft bei Piatnik im letzten Jahr entwickelt?
Wir haben uns das Ziel gesteckt, eine bessere Sichtbarkeit und Distribution im Online-Bereich zu erzielen. Dies ist uns durch neue Partnerschaften und die kontinuierliche Optimierung unserer Bild- und Artikeldaten auch gelungen.
Wir versuchen, diese Entwicklung noch mit zusätzlichen Marketingaktionen zu verstärken. Wir bleiben am Ball.
Lassen Sie uns über einige konkrete Titel sprechen. Können Sie die Marketing-Aktionen zu „Project Skyline“ aus Ihrer Sicht einmal Revue passieren lassen? Hatten diese messbaren Erfolg?
Wir haben durch unsere Kooperation mit den Fachhändlern der Spieleallianz und die Arbeit unserer PR-Abteilung eine große Aufmerksamkeit für den Titel kreieren können. Diese führte dazu, dass auch mehrere Blogger auf unseren Titel aufmerksam wurden und diesen vorgestellt haben.
Diese Aufmerksamkeit für den Titel führte zu vielen Nachfragen und Spielrunden auf mehreren Messen und Spielfesten, was für mich der schönste Nachweis für ein gelungenes Spiel ist.
Gerade für uns ist dies ein besonderer Erfolg, da es unser erster eigener Titel im Kennerspielbereich ist.
Es fällt auf, dass viele externe Content Creator „Projekt Skyline“ aufgegriffen (und in aller Regel positiv besprochen) haben. Waren dem Initiativen von Seiten des Verlags vorausgegangen?
Wie gerade erwähnt, ist dies immer ein Zusammenspiel aus unseren PR-Initiativen, den Beiträgen der Händler und den begeisterten Spielern, die alle ein großer Multiplikator für uns sind.
Aus dem Zusammenspiel dieser Beteiligten kann dann eine eigene Dynamik entstehen, die dazu führt, dass der Titel an Bekanntheit gewinnt und von noch mehr Personen aufgegriffen, besprochen und gespielt wird.
Wir haben wir uns umso mehr gefreut, dass unser neues Strategiespiel so einen positiven Anklang gefunden hat.
Bei „Frog Splash“ ist Piatnik neue Wege in puncto digitaler Content gegangen.
Richtig. Hier haben wir versucht, den Titel durch ein KI-generiertes Kurzvideo auf Social Media zu pushen. Bei diesem Kinderspiel bot es sich besonders an, da es durch das Format gut erklärt und auch der Spielspaß anschaulich dargestellt werden kann.
Die Aufruf- und Klickzahlen bei diesem Clip sprechen für sich und zeigen uns, dass es ein Tool ist, welches wir definitiv erneut einsetzen werden, da es sehr guten Anklang gefunden hat.
Diese Inhalte sind für uns ein weiteres Tool mit dem wir zukünftig unseren Marketingmix abrunden.
Für „Nuancen“ ist offenbar in nächster Zeit eine Kooperation geplant. Was können Sie hierzu verraten?
Wir haben mit dem Spieletaxi eine Kooperation auf Social Media durchgeführt. Das Spieletaxi betreibt einen sehr erfolgreichen und lebendig gestalteten Instagram-Account und weiß genau, welcher Content unsere gemeinsamen Zielgruppen anspricht.
Großer Beliebtheit erfreuen sich die Teaserclips über Neuheiten, die kurz und prägnant die Besonderheiten des Titels darstellen. Aus diesem Grund haben wir uns gemeinsam entschieden, eine Kooperation für unsere Neuheit, die deutsche Ausgabe von „Hues & Cues“ einzugehen.
So können wir gegenseitig von unseren Reichweiten profitieren und einen Top-Neuheitentitel einer großen Käuferschaft vorstellen und ganz sicher auch für diesen begeistern.
Sie hatten auch angekündigt, einer Ihrer Schwerpunkte liege auf „Waldland“. Konnte Piatnik im vergangenen Jahr sein Markenprofil in Richtung komplexerer, strategischer Spiele erweitern?
Waldland war für uns ein guter Türöffner für die neue Kategorie. Schon zum Release auf der SPIEL in Essen letzten Jahres erfreute sich der Titel bei uns am Stand einer sehr großen Nachfrage. Es war einer der Titel, der am häufigsten auf unsere Spieltische kam.
Dass diese Kategorie nun auch in den Köpfen der Spieler zu unserem Markenprofil gehört, zeigten neben den Verkaufszahlen und Beiträgen in Foren auch die Resonanz auf den diesjährigen Messen. Auf der SPIEL DOCH in Dortmund wurde aktiv nach Project Skyline und Waldland gefragt und sogar auf freie Tische gewartet.
Darüber hinaus bekommen wir viel Zuspruch seitens unserer Handelspartner für diesen Schritt und besonders für diese beiden Titel.
All dies zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind und weitere Titel für diese Kategorie auf den Markt bringen wollen. Und man darf jetzt schon gespannt sein auf unsere Strategiespielneuheit im Frühling 2027!
Hat der Start der „Herr der Ringe“-Edition von „Smart 10“ in etwa das erfüllt, was man angesichts der Kombination aus beliebter Spielreihe und hochkarätiger Lizenz erwarten durfte?
Nicht nur erfüllt, ich würde sagen: übertroffen!
Wir hatten bereits vor dem Release viele Anfragen, wann der Titel denn endlich verfügbar sei und ob es Möglichkeiten gibt, eher an diesen zu kommen. Die Vorverkäufe spiegelten dieses große Interesse ebenfalls wider, sodass ich am Tag der Anlieferung selbst mitgepackt habe, um alle Bestellungen schnellstmöglich ausliefern zu können.
Ich freue mich auch aus persönlichem Interesse sehr über diese Lizenz und die Möglichkeit, sie bald in Essen bei spannenden Quizrunden über Mittelerde einem breiten Publikum vorzustellen.
Was sind die nächsten Akzente, die Ihre Abteilung setzen wird?
Wir werden weiterhin versuchen, interessante Neuheiten zu kreieren und diese zusammen mit unseren Partnern erfolgreich zu vermarkten. Dabei wollen wir gemeinsam neue Wege gehen, um unsere Titel einem möglichst breiten Publikum vorzustellen.
Denn nur zusammen werden wir die Begeisterung fürs Spielen weiterverbreiten und damit hoffentlich auch ein Stück Freude in die aktuellen Zeiten bringen.
