Puzzles sind seit jeher ein wichtiges Standbein von Ravensburger. Das Thema hat seit Jahren Konjunktur und mit dem Speed-Puzzlen mittlerweile sogar eine sportliche Wettbewerbsform. Selbstredend engagiert sich der süddeutsche Spielwaren-Riese stark, unter anderem bei den Deutschen Meisterschaften, die am kommenden Wochenende stattfinden. BRANDORA nutzt die Gelegenheit für ein Gespräch mit Sarah Gstrein, Group Director Puzzle Build Create & Licensing bei Ravensburger.
Können Sie zu Beginn einmal alle Leser ohne bisherige Berührungspunkte ins Boot holen und einen kurzen Überblick über die Genese des Speed-Puzzles als „sportliche Disziplin“ geben?
Im Speed-Puzzeln geht es darum, dass eine Einzelperson, ein Paar oder ein 4er-Team so schnell wie möglich ein Puzzle fertigstellen und dabei eine möglichst niedrige Zeit erzielen. In der Regel werden dabei 500-Teile- oder 1000-Teile-Puzzles genutzt. Tatsächlich geht das Speed-Puzzeln bis in die 80er-Jahre zurück – damals fand das erste mir bekannte Speed-Puzzle-Event in Ohio statt. Durch die Pandemie hat das Hobby Puzzeln einen riesigen Auftrieb erfahren und an Popularität gewonnen. Dadurch haben weltweit sehr viele Menschen das Puzzeln für sich wiederentdeckt. Erst viele Jahre später – in den späten 2010er Jahren – wurden dann Vereine gegründet, wie zum Beispiel die USA Jigsaw Puzzle Association und die World Jigsaw Puzzle Federation, die die Disziplin Speed-Puzzeln weiter professionalisiert haben und sich um die Organisation professioneller nationaler und internationaler Turnierformate kümmern.
Welche Elemente umfasst das Engagement von Ravensburger als Sponsor und Veranstalter derzeit?
Wir sind für viele Events Hauptsponsor, stehen im engen Kontakt mit vielen Puzzle-Vereinen und stellen nie zuvor gesehene und extra für Speed-Puzzle-Wettbewerbe entwickelte Motive zur Verfügung. Zudem unterstützen wir mit unserer Reichweite in den sozialen Medien, um noch viel mehr begeisterte Puzzler weltweit zur Teilnahme zu animieren.
Und wo soll es hingehen? Gibt es in Ihrem Hause Visionen, was künftig im Bereich Speed Puzzlen noch alles erreicht werden kann?
Wir unterstützen immer mehr Wettbewerbe in verschiedenen Ländern und erhöhen somit die Dichte von Speed-Puzzle-Wettbewerben. Jedes Jahr werden es mehr Teilnehmer, die aus der ganzen Welt anreisen. Bisher hat sich die Teilnehmerzahl von einem zum nächsten Jahr oftmals verdoppelt. Wir haben bereits über 30.000 Teilnehmer zu Speed-Puzzle-Turnieren begrüßt und Millionen Menschen weltweit mit diesem Thema erreicht. Und wer weiß? Vielleicht wird Speed-Puzzeln ja irgendwann zur olympischen Disziplin (lacht).
Am bevorstehenden Wochenende findet die Deutsche Puzzle-Meisterschaft 2026 statt. Was sind Ihre Erwartungen – und worauf können sich die Teilnehmer freuen?
Wir werden mit dem Ravensburger Team vor Ort dabei und Teil des Livestreams sein. Da die Puzzle Community stetig wächst, werden wir hoffentlich noch deutlich mehr Teilnehmer begrüßen dürfen als in den letzten Jahren. Außerdem veröffentlichen immer mehr Menschen Inhalte zum Speed-Puzzeln in den sozialen Medien, darunter Countdown-Posts und „Behind the scenes“-Inhalte. Und hoffentlich wird es auch ganz neue Talente geben, die in der Öffentlichkeit um die Wette puzzlen. Die Teilnehmer können sich wie immer auf eigens entwickelte, ganz exklusive Motive freuen, die dort erstmalig enthüllt werden. Zudem haben wir auch einen Puzzle-Verkauf im Pop-up-Format vor Ort.
Jede sportliche Nischen-Disziplin träumt von großflächiger medialer Berichterstattung. Wären Influencer-Kooperationen, Twitch-Streams oder Youtube-Formate denkbare Vehikel?
Wir arbeiten eng mit Speed-Puzzlern zusammen, die ja zum Teil bereits einen Influencer-Status erlangt haben. Wichtig ist uns hier, dass die Personen wirklich glaubhaft für das Hobby stehen und nicht einfach nur bekannte Gesichter sind, die sich zum Thema Speed-Puzzeln äußern. Die Events haben meistens auch einen Livestream auf YouTube, in dem wir auftreten.
Worin besteht eigentlich der genaue Benefit, den Ravensburger durch sein Engagement erzielt? Verkaufen sich die Puzzles, die auf den Wettbewerben erstmals enthüllt werden, anschließend besonders gut?
Speed‑Puzzeln schafft eine nachhaltige, sportliche und emotionale Verbindung zur Marke. Wir können die Marke Ravensburger stärken und zeigen, dass wir uns am Puls der Zeit bewegen. Wir möchten mehr als nur Produkte verkaufen – wir wollen emotionale Erlebnisse kreieren und näher am Konsumenten sein als je zuvor. Dadurch werden die Teilnehmer zu Markenbotschaftern und helfen uns durch Stories und Posts, neue Zielgruppen zu erreichen. Was auch super ist: wir bekommen auf den Turnieren ganz direktes Feedback zu unseren Puzzles und können vor Ort neue Ideen für unser zukünftiges Programm sammeln. Und ja – wir bringen immer Puzzles mit auf die Wettbewerbe, die dort in der Regel innerhalb kürzester Zeit ausverkauft sind.
Bei den deutschen und internationalen Meisterschaften kommen in der Regel bis dato unveröffentlichte Puzzles zum Einsatz, um Chancengleichheit zu gewähren. Lassen sich diese „Reveals“ auch kreativ mit Marketingkampagnen verbinden?
Absolut. Wir enthüllen die Puzzles vor Ort und das ist natürlich ein ganz hoher Spannungs- und Überraschungsfaktor. Jahr für Jahr werden immer mehr exklusive Puzzles entwickelt. Puzzles haben auf der Packung auch das Logo der Competition im jeweiligen Land, was ihnen Sammelcharakter verleiht. Im Anschluss sind diese erstmal nur auf unserer Webseite erhältlich, bevor sie im darauffolgenden Jahr in unser Standardsortiment aufgenommen werden. Dieses Jahr wollen wir diese Exklusivität noch viel stärker auf unserer Webseite bewerben, weil das ja wirklich etwas ganz besonderes für die Fans ist.
Kommen auf den Meisterschaften auch lizensierte Puzzles zum Einsatz? Auch hier wären ja Marketing-Synergien denkbar.
Bisher haben wir uns ganz bewusst auf Original Art, also nicht lizenzierte Inhalte konzentriert, die in Zusammenarbeit mit Illustratoren entstehen. Wir wissen, dass solche Motive in unserer Zielgruppe besonders gut ankommen und dass Lizenzmotive in anderen Kontexten besser funktionieren, zum Beispiel, um Fans einer Lizenz oder Sammler fürs Puzzeln zu begeistern. Natürlich wären Co‑Branding‑Aktivierungen mit Lizenzpartnern möglich, inklusive Gewinnspiele oder Social Challenges. Das möchte ich nicht ausschließen, aber heute ist noch nichts konkret dazu geplant. Bei Original Art haben wir aber auch die Möglichkeit, die Künstler für Signierstunden vor Ort einzuladen. Das machen wir auch in Pforzheim auf der deutschen Meisterschaft.
Sie haben mit dem Puzzleverein Deutschland e.V. einen langfristigen Sponsoringvertrag abgeschlossen. Offenbar haben Sie keine Sorge, dass der Puzzle-Hype, der auch durch die Pandemie beschleunigt wurde, bald wieder vorbei ist?
Das Puzzle‑Interesse hat sich nach Corona nicht nur auf einem stabil hohem Niveau eingependelt, sondern der Puzzle-Markt wächst weltweit stetig weiter. Puzzles sind heute nicht nur Puzzles – sie kommen in allen Farben und Formen und sind vielseitiger als je zuvor. Sie kommen in schönen Verpackungen, die sich zum Verschenken eignen, es gibt herausfordernde Puzzles (zum Beispiel Challenge Puzzles), es gibt sammelbare Puzzles in Serien, es gibt Motive zum Entspannen und wir bilden alle Trends in unserem Portfolio ab (beispielsweise zum Launch neuer Filme). Die Aufmerksamkeit und der Hype auf Social Media ist riesig und nimmt stetig zu. Es gibt Foren wie Reddit, Facebook und Instagram, auf denen Puzzeln diskutiert wird. Und wir sind überall da, wo die Konsumenten sind und fokussieren uns darauf, mit ihrer Hilfe ikonische Love Products zu entwickeln.
Foto: Anna Fichtner
