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BDKH versammelt Babybranche online

BDKH versammelt Babybranche online
J. Meister

Neuheiten und Trends werden derzeit online präsentiert. Und da die Babyartikelbranche ihre Neuheiten normalerweise im September vorstellt, hat der BDKH Unternehmen und Presse zu einer Neuheitenvorstellung via Zoom eingeladen.

„Kids, Konsum und Corona“

So überschrieb Michael Neumann, Geschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Kinderausstattungs-Hersteller seine Eingangspräsentation. Und entsprechend dieser dreier Schlagworte umriss er die derzeitige Lage der Branche:

Kinder, so die gute Nachricht, gibt es ungefähr gleichbleibend viele. Und geht man nach den Google Trends für die Schlagworte „Schwangerschaftstest“ und „Schwangerschaft“, so sieht die Branche auch keinen Einbrüchen des Absatzes entgegen. Zudem, so mutmasst Neumann, könnte die häusliche Nähe in vielen Familien während der Lockdown-Zeit auch zu vermehrten Trennungen führen, was wiederum positiv auf die Branche abstrahlt, da Kinder dann Produkte in mehreren Haushalten benötigen.

Was die Pandemie jedoch zeigt, ist die globale Abhängigkeit und die damit verbundene strukturelle Anfälligkeit: Hersteller kämpfen mit Produktionsstopps, unterbrochenen Lieferketten und internationalem Konkurrenzdruck. Das vergangene halbe Jahr hat – wie erwartet – gezeigt: Gewinner sind Onlinekanäle.
Und für stationäre Händler ist Corona ein Transformationsbeschleuniger: Wer seine Kunden binden und beraten möchte, muss in digitale Kanäle investieren. Während des Lockdowns fanden viele Telefonberatungen oder Einkäufe via Live-Video statt. Und dennoch wurden beratungsintensive Käufe oft zurückgestellt, sodass der Handel alles in allem ein arbeitsintensives Halbjahr hatte – der Umsatz jedoch nicht so stark eingebrochen ist. Gerade die Bereiche der häuslichen Ausstattung sowie Outdoorprodukte waren Krisengewinner.
In Kooperation mit FOKUS KIND Medien und den Verbrauchermessen BABYWELT initiierte der Verband zur Unterstützung des Handels das Branchenverzeichnis babyshops.de – eine Plattform für stationäre Fachhändler.

Die Furcht vor einer zweiten Welle mit entsprechenden Einschränkungen jedoch ist groß, sodass der BDKH fordert, Babyfachgeschäfte als systemrelevant einzustufen.

Trends und Branchenthemen

Die Themen der Branche, die Neumann identifizierte, sind Evergreens: Nachhaltigkeit, Sicherheit, Komfort, Mobilität, Customizing und Multifunktionalität begleiten die Babyartikler naturgemäß. Hintergrund sind hier soziodemografische Strukturen und entsprechende Lifestyles. Spannend wird es wohl erst nächstes Jahr werden, wenn eine disruptive Veränderung der Lebensnormalität durch Corona auf Produkte und Lebensfelder abstrahlt.

Exemplarisch für genannte Schwerpunktthemen stehen Verbandsmitglieder, die das gesamte Spektrum der Branche abbilden.

Vorstellung von Herbstneuheiten

So stellten Vertreter von tfk, Lässig, Artsana (mit den Marken Chicco, Recaro und Boppy), Axkid, ARkid und BeSafe Herbstneuheiten aus ihrem Sortiment vor.

tfk überzeugt mit den Themen Hygiene und Sicherheit. Vor allem durch entsprechend ausgestattete Textilien schafft es der Kinderwagenhersteller, sinnvolle Features in neuer Form an den Wagen zu bringen:

Vollflächig retroreflektierendes Material in verschiedenen Kollektionsfarben sorgt für passive Sicherheit, und antiseptischer Stoff, der atmungsaktiv und wisch-desinfizierbar ist trägt Hygieneaspekten Rechnung. Gerade letzteres wird wohl bei durch Corona sensibilisierten VerbraucherInnen Akzeptanz finden – und ist keine wirkliche Neuheit bei tfk: Bereits seit 2014 stellt das Unternehmen einen Klinik-Kinderwagen her, der z.B. bei Frühgeburten stationär eingesetzt und über Spezialvertriebe angeboten wird.


Lässig verfolgt die Strategie der Nachhaltigkeit und sozialen Verantwortung – und das nicht als Trend- oder Marketingthema, sondern als Teil der Unternehmens-DNA. Das Familienunternehmen bietet modische textile Produkte für alle Kinder-Lebensbereiche. Ob Heimtextil, Babyklamotte oder Wickeltasche. Das Sortiment wird ergänzt durch Reiseaccessoires für Kinder und Porzellan.


Chicco widmet sich dem Thema „schlafen“ – und erweitert die Beistellbettkollektion um ein mitwachsendes Bettchen, das bis zum 4. Lebensjahr verwendet werden kann. Gerade fürs zweite Lebenshalbjahr bietet der Markt bis dato nämlich noch wenig überzeugende Lösungen im Beistellbettbereich.

Im Autositzbereich liegt der Fokus auf dem richtigen Einbau der Schutzsysteme – da der fehlerhafte Einbau von Kinder-Autositzen noch immer eines der Hauptprobleme ist. „Fit Kid“ sind entsprechende aufgedruckte Anleitungen, die nun auf den Chicco-Sitzen zu finden sind.


Mit der Marke Recaro setzt Artsana auf Design und Premiumartikel, und rühmt sich einiger Designpreise, die die Produkte neuerdings erhielten.
Auch der angekündigte Sitz mit dem Arbeitstitel „CS 123 i-Size“ deuten in diese Richtung.

Aus diesen durchaus verschiedenen Marken – Chicco, Boppy und Recaro – eine gemeinsame Vision zu entwickeln ist eine der Herausforderungen, die Artsana beschäftigen. Als Zielgruppe aller Marken war dem Unternehmen die bisherige „Eltern“ – Ansprache zu eng gesetzt, sodass „Parenting“ nun eher das Kümmern vieler verschiedener Personen um den Nachwuchs mit einbezieht. Von Großeltern über Patchworkfamilie bis hin zu ErzieherInnen.


Axkid stellte gemeinsam mit ARkid einen besonders leichten Autositz vor – platziert in einen virtuellen Showroom, der durch AR-Features vom Konsumenten begeh- und erlebbar ist.


Auch der Autositzhersteller BeSafe wartet mit technischen Neuheiten auf: Ein innovatives Gurtsystem mit Gurtstraffern (Active Retract Harness) sowie eine elektronische Einheit, die die Eltern bei der Installation anleitet (E-Fit Guider) sind Features der neuen Sitze.
Auch die Universal Level Technology, mit deren Hilfe man Fond-Sitz-Neigungen ausgleichen kann, trägt zu fehlerfreiem Einbau und mehr Sicherheit der Kindersitze bei.

 

Guter Teaser – Lust auf mehr

Leider konnte sich die Branche dieses Jahr nicht auf der Kind + Jugend treffen. Gerade für internationale Leitmessen ein schmerzlicher Verlust. Soweit eine Binsenweisheit.

Die Zoom-Veranstaltung des BDKH war längst kein Ersatz für eine Messe. Und das wollte sie auch gar nicht sein. Aber doch helfen derartige Events, den Zusammenhalt zu stärken, Einblicke zu vermitteln, up to date zu bleiben.

Denn, so auch Michael Neumann in seiner Präsentation: Besonders für das Corona-Jahr 2020 gilt: Lieber mit als ohne Netzwerk. Es lohnt sich, sich auf virtuellen Austausch und Workshops einzulassen.

Und ehrlicherweise ist ein Zoom-Meeting ja auch weniger kosten- und zeitaufwändig als ein Messebesuch. Und um ein Vielfaches umweltfreundlicher.