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Fleischmann weiterhin mit großen Problemen

BRANDORA Redaktion - Dezember 2009

 
Der einst ruhmreiche Modelllbahn-Hersteller Fleischmann hat zukünftig nur noch 130 Mitarbeiter.

96 von bisher 226 Stellen sollen „so schnell wie möglich“ gestrichen werden, sagte Michael Prock, Sprecher der Modelleisenbahn Holding GmbH. Das deutsch-österreichische Unternehmen hatte Fleischmann im ersten Halbjahr 2008 von Horst Fleischmann erworben und damit vor der Insolvenz gerettet. Die Holding hatte bereits ein paar Jahre zuvor ROCO übernommen und saniert. Bei der Übernahme beschäftigte Fleischmann noch rund 340 Mitarbeiter.

Am Montag dieser Woche war von Vertretern des Arbeitgebers und der Arbeitnehmer ein Sozialplan ausgehandelt worden. Am Dienstag waren die Beschäftigten auf einer Mitarbeiterversammlung in Heilsbronn informiert worden. Fleischmann soll mit diesen drastischen Einschnitten vor der Insolvenz gerettet werden. Der Sozialplan sieht die Streichung von 96 der 226 Arbeitsplätze am fränkischen Standort vor. Die betroffenen Mitarbeiter sollen in eine Transfergesellschaft wechseln.

Konkret sehe die jetzt getroffene Vereinbarung vor, dass die 96 betroffenen Mitarbeiter für maximal zwölf Monate in eine Transfergesellschaft wechseln können, bestätigte Rechtsanwalt Jürgen Markowski, der die Arbeitnehmerseite bei den Verhandlungen beriet. Die Kosten dafür teilen sich das Unternehmen und die Agentur für Arbeit. Zudem müssen sich mindestens 90 Mitarbeiter bereiterklären, bereits Anfang Januar auszuscheiden - unabhängig von eventuellen Kündigungsfristen. Teil der Vereinbarung ist zudem eine - allerdings sehr geringe - Abfindung in Höhe von maximal 0,2 Brutto-Monatsgehältern pro Jahr der Betriebszugehörigkeit. Auch stockt Fleischmann das Transfer-Kurzarbeitergeld der Agentur für Arbeit von 60 auf 80 Prozent eines Nettogehalts auf.

Markowski betonte gegenüber Medienvertretern, das das Ergebnis bitter sei, die Alternative Insolvenz aber sicher kein Bluff der Arbeitgeberseite war. Da die wertvollen Markenrechte an Fleischmann inzwischen bereits an die Holding übertragen wurden, sei das Risiko einer Pleite der Fleischmann GmbH mit noch schlimmeren Folgen schlicht zu groß gewesen. Modelleisenbahn-CEO Leopold Heher erklärte, dass der erneute Stellenabbau alternativlos ist. Für 2009 rechnet die Holding bei ihrer fränkischen Tochter mit einem Verlust von zirka drei Mio. €. Zudem sei in den nächsten Jahren ein Umsatz von nur noch maximal 20 Mio. € realistisch, statt wie in früheren Glanzzeiten an die 30 Mio. €. “Wenn wir jetzt nicht reagieren, wäre das das Aus für Fleischmann“, betonte Heher.

Der Standort Heilsbronn wird neben den Arbeitsplätzen auch Werkzeug- und Formenbau ans österreichische Gloggnitz abgeben. Dort betreibt Roco ein Werk. Tatsächlich hatte das Holding Management nach Zeitungsberichten über eine Komplett-Schließung von Heilsbronn nachgedacht. Heher betonte aber nach der Einigung mit den Arbeitnehmervertretern: „Wir haben uns gegen eine Schließung des Werks entschieden, weil wir uns zu Fleischmann und dem hier vorhandenen Know-How bekennen.“

Mit dem erneuten Stellenabbau bei Fleischmann setzt sich der Niedergang des einst ruhmreichen Modellbahnstandorts Nürnberg fort. Von ruhmreichen Herstellern der Region wie Arnold, Trix, LGB oder eben Fleischmann ist inzwischen kaum noch etwas geblieben. Auch die Branche kommt einfach nicht wieder auf die Beine. Es bleibt abzuwarten ob letztendlich das Sanieren, Rationalisieren, Zusammenschließen oder Aufgeben der Marken hilft oder nur einen Aufschub bedeutet. Wenn das Erschließen einer jüngeren Zielgruppe oder die Diversifikation in andere Bereiche nicht gelingt, so hat die Branche wohl kaum eine Überlebenschance.