Neues Piatnik-Brettspiel für Kinder wurde von Logopädinnen entwickelt
Etwa jedes vierte Kind im Vorschulalter hat eine Sprachstörung, beinahe jedes zehnte Kind braucht eine Sprachtherapie. Mit dem aktuellen Brettspiel „Grimassimix“ aus dem Hause Piatnik wird das mühsame Trainieren der Gesichtsmuskel für die Kids zum Riesenspaß. Immerhin darf man in der Clownschule Grimassimix ja endlich ungehemmt Grimassen ziehen.
Früh übt sich...
„Die Zahl der Kinder mit Sprachauffälligkeiten hat in Österreich in den letzten Jahren stark zugenommen“, weiß Herta Strehl, Logopädin und Mit-Entwicklerin des Spiels. Die Gründe sieht sie vor allem in der Familie: „Die Familienstrukturen haben sich verändert, heute gibt es mehr Einzelkinder, und es wird grundsätzlich weniger kommuniziert. Zahlreiche Kinder verbringen einfach zu viel Zeit vor dem Fernseher.“
Das Spiel „Grimassimix“ soll nicht nur die Familie wieder am Tisch versammeln, zugleich wird auf spielerische Art die Zungen- und Lippengeschicklichkeit der Kinder trainiert. Wie wichtig frühzeitige Förderung der Sprech- und Sprachfertigkeiten ist, betont auch Strehl: „Oft wird ein sprachliches Defizit nicht ernst genug genommen. Je früher man jedoch beginnt, gezielt zu trainieren, desto besser.“
Die Spieler besuchen die Clownschule „Grimassimix“, in der statt Mathe und Deutsch zur Freude der Schüler das Pflichtfach Grimassen schneiden auf dem Stundenplan steht. Ziel des Spieles ist es, die auf Plättchen abgebildeten Mienen nachzuahmen. Vom Zungezeigen bis zum Naserümpfen ist dabei alles erlaubt, dient die Übung ja dem Training der Gesichtsmuskulatur. Zur Kontrolle, ob die Grimasse auch sitzt, liegt ein kleiner Spiegel bei. Sieger ist am Ende jener Mitspieler, der die meisten Gesichtsverzerrungen auf den ausliegenden Kärtchen wiedererkennt.
„Grimassimix“ ist eines der ersten Brettspiele, das sich gezielt der logopädischen Thematik annimmt. Entwickelt wurde das Spiel rund um die Entwicklung der Gesichtsmotorik von einem vierköpfigen Logopädinnen-Team, das selbst in der Praxis tätig ist und somit genau weiß, worauf es ankommt. „Das Spielen sorgt auch in der Therapie für gute Laune bei den Kindern“ so Strehl. Und daheim wird fröhlich weitergeübt – ganz nach dem Motto: das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden.
Grimassimix:
Alter: ab 4 Jahren
Anzahl der Spieler: 2-5
Autorinnen: Elisabeth Draxler, Katharina Poteranski, Herta Strehl, Sonja Trausmuth
Immer mehr Kinder haben Sprechprobleme
Logopädin und „Grimassimix“-Mitautorin Herta Strehl im Interview
Wieviele Kinder in Österreich sind von Sprachproblemen betroffen? Hat sich die Entwicklung von Sprachfehlern und Sprachauffälligkeiten in den letzten Jahren verändert?
Strehl: Grundsätzlich kann man sagen, dass jedes vierte Kind im Vorschulalter eine Artikulationsstörung hat. Etwa jedes zehnte Kind braucht eine Sprachtherapie. Die Zahl der Auffälligkeiten hat in den letzten Jahren auf jeden Fall zugenommen. Gründe dafür sind vielfältig, hängen aber stark mit der Familienstruktur zusammen: Es gibt heute viel mehr Einzelkinder und innerhalb der Familie wird viel weniger kommuniziert als noch vor einigen Jahren. Das liegt vor allem an den Medien, viele Kinder verbringen einfach zuviel Zeit vor dem Fernseher.
Das heißt, die Erziehung spielt eine wichtige Rolle für die Sprachentwicklung?
Strehl: Bis zu einem gewissen Grad ist die Sprachkompetenz sicher angeboren. Treten Probleme auf, kommt es stark darauf an, ob das Kinder gefördert wird oder nicht. Somit spielt die Erziehung sicher eine bedeutende Rolle.
Welche Kinder sind besonders betroffen, lassen sich Unterschiede in der sozialen Schicht feststellen?
Strehl: Nein, die Auffälligkeiten gehen quer durch alle Schichten. Ein Unterschied lässt sich vielleicht bei den Geschlechtern feststellen: Buben tendieren stärker zu Sprach- und Sprechproblemen, was daran liegt, dass Mädchen grundsätzlich etwas sprachbegabter sind. Und es gibt Studien, die besagen, dass ab einem Alter von vier Jahren die Sprachfähigkeit der Kinder vom Bildungsstand der Eltern abhängt. Die Herkunft, also ob Stadt- oder Landkind, spielt keine Rolle.
Welche Probleme kommen besonders häufig vor und ab wann kann man sie feststellen?
Strehl: Grundsätzlich muss man unterscheiden zwischen Sprechfehlern und Sprachauffälligkeiten. Zu ersteren zählen Lispeln und generelle Probleme mit Zischlauten und den Buchstaben R, K und T. Bei den Sprachauffälligkeiten handelt es sich hauptsächlich um eine Verzögerung der Sprachentwicklung. Wenn ein zweijähriges Kind nicht mehr als 50 Wörter spricht, sollte man auf jeden Fall eine Untersuchung durchführen. Oftmals wird das Defizit von den Eltern nicht ernst genommen, und man glaubt, dass es sich noch „auswächst“. Je früher man allerdings mit gezielter Förderung beginnt, desto besser.
Im Spiel „Grimassimix“, das Sie gemeinsam mit drei Kolleginnen entwickelt haben, geht es ja darum, durch das Grimassenschneiden die Mundmuskulatur zu stärken und die Lippen- und Zungengeschicklichkeit zu fördern. Welchen Stellenwert hat das Grimassenziehen in der logopädischen Therapie?
Strehl: Wichtig ist, dass die Therapie für die Kinder spielerisch und lustvoll gestaltet wird. Grimassenschneiden eignet sich dafür besonders gut. Außerdem ist es etwas, das die Kinder ja schon im Babyalter machen. Sie sind neugierig, was sie mit der Zunge alles machen können, wie die Lippen funktionieren und wie man brummt.
Wie ist die Idee zum Spiel „Grimassimix“ und die Zusammenarbeit mit den anderen Logopädinnen entstanden?
Strehl: Ich habe vor unzähligen Jahren ein Spiel gespielt, das sich mit der Förderung von Kindern mit Sprachauffälligkeiten befasste. Das Spiel gibt es leider nicht mehr und es gab nie einen passenden Nachfolger. Gemeinsam mit Kolleginnen aus dem Logopädie-Verband habe ich dann „Grimassimix“ entwickelt. Wichtig ist, dass die Kinder bei den Übungen Spaß haben. Ich denke, das ist uns mit dem Spiel recht gut gelungen.
Herta Strehl ist seit 1981 also Logopädin tätig und hat seit 1990 ihre eigene Praxis. Gemeinsam mit den Logopädinnen Elisabeth Draxler, Katharina Poteranski und Sonja Trausmuth entwickelte sie „Grimassimix“, ein lustiges Brettspiel zur Förderung der Zungen- und Lippengeschicklichkeit.

