Fünf Nominierte zum Spiel des Jahres 2008
Folgende fünf Spiele sind von der Jury Spiel des Jahres nominiert für das "Spiel des Jahres 2008". Der Preisträger wird am 30. Juni 2008 in Berlin gewählt und bekannt gegeben.
von Dominique Erhard
Verlag: Zoch Spiele
Das gab es noch nicht: gewebte Teppiche als Spielmaterial. Die Spieler legen sie auf dem Spielplan aus und hoffen, dass Omar, der einzige Kunde auf dem Basar, möglichst oft auf den eigenen Bodenbelag tritt. Würfelt nämlich ein Gegner die Spielfigur darauf, so zahlt er reichlich Piaster an den jeweiligen Teppichbesitzer. Im Anschluss an den Zug darf der Spieler noch einen eigenen Teppich legen – zwei Felder groß und natürlich am besten so, dass die Auslegeware der Konkurrenz darunter verschwindet. Es gewinnt, wer am Schluss das meiste Geld und viele offene Teppiche hat. Die Spannung, ob man ein sicheres Feld erreicht oder doch bezahlen muss, steigt, je weiter das Spiel zu seinem Ende kommt. „Suleika“ hat eine kurze Regel, schönes Material und ist ein gelungenes Familienspiel.
von Reiner Knizia
Verlag: Kosmos
Auf fünf Wegstrecken zugleich treten die Konkurrenten an. Darauf sind die eigenen Steine möglichst weit vorwärts zu bringen. Zunächst stehen sie noch im Minus. Pluspunkte bringen sie erst kurz vor dem Ziel. Jeder Spieler erhält acht Farbkarten auf die Hand. Kann man eine ablegen, geht der eigene Stein auf der Bahn mit dieser Farbe vor. Die Karte muss aber mit auf- oder absteigendem Wert zu den bereits ausliegenden passen. Sonst kann man sie auch abwerfen, aber vielleicht kann sie dann ein Gegner gebrauchen? Wer zu viele nutzlose Karten behält, der kommt nicht voran. Zu schnell kann die Partie zu Ende sein und die eigenen Steine stehen immer noch im Minus. „Keltis“ bietet eine gelungene Mischung aus Glück und Taktik, gewürzt mit einer Prise Schadenfreude.

von Andreas Pelikan
Verlag: alea/Ravensburger
In geheimnisvollen Sudkesseln brauen Druiden, Hexen oder Zauberer seltsame Tränke. Jeder der drei bis fünf Hexenmeister wählt aus einem Dutzend Karten nach Belieben fünf aus und nimmt sie auf die Hand. Wer die gleiche Karte besitzt, die gerade ausgespielt wurde, muss sie auslegen. Dabei hat er die Wahl: Entweder übernimmt er die Anwartschaft auf die Beute von seinem Vorgänger mit dem Risiko, dass ein nachfolgender Spieler die gleiche Karte hat und er damit leer ausgeht. Oder er bescheidet sich mit einem kleinen und teuren Anteil. Nur der letzte in der Runde ist jeweils auf der sicheren Seite. Bei der Auswahl der Karten kommt es darauf an, das Verhalten der Mitspieler und ihre Vorräte richtig einzuschätzen. Im Spielverlauf allerdings ist das dann oft wie verhext!
von Michael Tummelhofer
Verlag: Hans im Glück
Als Stammesoberhäupter wollen die Spieler möglichst viele Hütten für ihr Dorf bauen. Dazu benötigen sie Rohstoffe und schicken ihre Leute in den Wald, die Lehmgrube oder den Steinbruch. Der Ertrag jedoch ist ungewiss. Vor Ort entscheiden die Würfel, wie viele Baustoffe jemand ergattert. Regelmäßig brechen die Urmenschen auch zur Jagd auf oder betreiben Ackerbau. Denn wer nicht sämtliche Clanmitglieder Runde für Runde mit Essen versorgt, erhält Punktabzüge. Zivilisationskarten schließlich bringen eine strategische Komponente ins Geschehen. Sie belohnen, wenn sich ein Stamm auf bestimmte Errungenschaften spezialisiert. Die zahlreichen Elemente greifen harmonisch ineinander. Besonders Taktiker fühlen sich in dieser geschäftigen Steinzeit wie zu Hause.

von Wolfgang Kramer, Jürgen P.K. Grunau, Hans Raggan
Verlag: Ravensburger
Von wegen Kinderspiel mit Klötzchen! Trotz Farbkarten, großer Bausteine in vier Farben und eines bunten Spielplans war es selten so wunderbar hinterhältig, Türme zu bauen, wie bei „Blox“. Die Spieler ziehen mit ihren Figuren über den Plan, um darauf kleine Türme abzutragen. Die Steine stapeln sie zu größeren Türmen, die wieder auf das Spielbrett zurück gestellt werden. Für beides bekommt man Punkte. Dazu benötigt man nur die richtigen Farbkarten, denn Bausteine wie auch Felder zeigen unterschiedliche Farben. Während man abreißt und neu baut sollte man aber im Auge behalten, dass die eigenen Figuren von Gegnern geschlagen werden können. Denn auch dafür gibt es Punkte. „Blox“ ist Dank einer tadellosen Spielregel schnell verstanden, flott gespielt und hat ansprechendes Material.
Kommentar der Jury zum Jahrgang 20078 der Familienspiele
Die Jury „Spiel des Jahres" hat ein hartes Stück Arbeit hinter sich. Selten war ein Spielejahrgang so ausgeglichen wie dieser. Insider hatten uns im Vorfeld schon fast bemitleidet, schließlich gebe es 2008 keinen herausragenden Titel. Hier zeigt sich der Vorteil, den eine Gruppe von Kritikern wie die Jury hat: Sie tauscht sich laufend über ihre Erfahrungen aus und brütet nicht - jeder für sich - im stillen Kämmerlein vor sich hin.
Die Jury hat eine ausgewogene Mischung von Spieletiteln - von leicht bis schwer - nominiert und empfohlen, die ihrer Ansicht nach die besten in diesem Jahr sind. Insbesondere in Jahren wie diesem ohne erkennbaren Ausreißer nach oben werden unsere Listen als Orientierung im großen Spielangebot benötigt. Das Rennen der Nominierten ist bis zur abschließenden Wahl am 30. Juni völlig offen.
Es ist nur zu verständlich, wenn die Menschen angesichts knapper Kassen beim Einkauf des Luxusgutes Brettspiel derzeit immer genauer hinschauen. Vor allem auf den Endpreis, aber auch auf die Qualität. Bei der Beurteilung der Qualität wollen wir mit unserer Bewertung helfen. „Allesspieler" monieren, 2008 gebe es im Familienspielbereich nur wenig Innovatives. Man darf aber nicht übersehen, dass unsere bei Regeln und Material sauber gearbeiteten Kandidaten reichlich und lange anhaltenden Spielspaß bereithalten.
Innovativ ist derzeit vor allem der gehobene Familienspielbereich bis hin zum Segment für den ambitionierten Spieler. Zahlreiche neue, kleine Verlage nutzen mit großem Engagement diese sich öffnende Nische. Die Jury ist fest entschlossen, diesem Segment in Zukunft weiter Beachtung zu schenken, deshalb auch in diesem Jahr wieder ein Sonderpreis für ein Komplexes Spiel. Wir wünschen uns und den vielen Spielern, dass hier das Niveau nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ weiter wächst. Dies ist für die Jury die Voraussetzung für eine Berücksichtigung.
In diesem Jahr küren wir das dreißigste Spiel des Jahres. Viele Menschen, die über unsere Auszeichnung in den vergangenen Jahrzehnten zum Spielen gekommen sind, sind längst selbst zu Experten geworden und möchten gerne noch intensiver spielen, wie sie uns geschrieben haben. Hier sehen wir uns in der Pflicht, auch für diese Zielgruppe Empfehlungen bereitzuhalten. Das Spiel des Jahres selbst bleibt allerdings weiter, was es ist: Eine Auszeichnung für alle, die gern spielen. Ob nur einmal im Jahr oder eben alle zwei Tage.
Stefan Ducksch
Sprecher der Jury „Spiel des Jahres"
