China hat einer sehr großen Zahl von Spielzeugfabriken die Lizenz für den Export ganz oder vorübergehend entzogen. Die Beschränkungen betreffen ausschließlich Betriebe der Spielzeughochburg Guangdong im Süden des Landes. Vorausgegangen waren strenge Inspektionen. Die Kontrollen waren Teil einer Aktion zur Verbesserung der Qualität bei Spielzeugen, Nahrungsmitteln und anderen Produkten. Laut der staatlichen Zeitung "China Daily" haben 200 000 Beamte der Provinz bereits Ende August mit den Überprüfungen begonnen.
Die Behörden entzogen nach der Inspektion von 1.726 Spielzeugfabriken genau 423 Fabriken die Lizenz dauerhaft, 341 weitere dürfen vorläufig kein Spielzeug mehr ausführen. Weitere 690 Fabriken müssen ihre Produktionsanlagen erneuern und ihre Produktqualität verbessern. Offenbar liegt der Anteil der Fabriken, in denen es Mängel gibt, erschreckend hoch.
Geschätzte 80 Prozent des weltweit verkauften Spielzeugs (in Deutschland 60 Prozent) stammt aus dieser chinesischen Boomprovinz. Dies ist eine besorgniserregende Zahl, denn nun kann man davon ausgehen, dass nahezu die Hälfte des global benötigten Spielzeugs zeitnah nicht mehr geliefert wird oder mit Beschränkungen behaftet ist, die kurzfristige Lieferungen unmöglich machen. Ganz sicher wird dies sich bereits auf die Gabentische des kommenden Weihnachtsfestes auswirken. Laut "China Daily" mussten die Fabriken ihre Lizenzen bereits im September abgeben, so dass bereits vor Wochen Beschränkungen in Kraft traten.
Chinesische Produkte und insbesondere Spielzeug waren in den vergangenen Monaten immer wieder wegen womöglich gesundheitsschädlicher Wirkung in die Schlagzeilen geraten. So wurden in den USA in diesem Jahr mehr als 20 Millionen in China hergestellte Spielzeuge zurückgerufen. Zuletzt waren Halloween-Zähne durch überhöhte Bleiwerte aufgefallen. Auch in Europa gab es Rückrufe. Die USA und die EU-Kommission planen strengere Richtlinien und Beschränkungen.
Auf die Negativschlagzeilen der vergangenen Monate reagiert Peking zunehmend nervös. Wie das Amt für Qualitätsüberwachung am Dienstag mitteilte, wurden landesweit 774 Verdächtige festgenommen, denen Verstöße gegen die Sicherheit von Konsumgütern angelastet werden. Im Juli war der Chef der Nahrungs- und Arzneimittelaufsicht hingerichtet worden.
"Dies ist ein besonderer Kampf, um den Ruf der chinesischen Waren und den nationalen Ruf zu schützen", sagte Vizepremierminister Wu Yi zum Start der Überprüfungsaktionen, die 1,9 Millionen Dollar kosteten. Nun liegt ein Ergebnis vor, dass alle Befürchtungen und Ängste westlicher Verbraucher bestätigt und die Unternehmen bestraft, die uneingeschränkt auf das Label "Made in China" gesetzt haben. Billige Produktion und nachlässige Kontrollen kann sich nun kein Spielzeugimporteur mehr leisten. Dies wird natürlich die Preise beeinflussen, aber andererseits kann es auch eine große Chance für das Gütesiegel "Made in Germany" bei Spielzeug bedeuten.
