Der Geschäftsführer der Steiff-Beteiligungsgesellschaft, Richard A. Hussmanns, verlässt per Ende Februar 2008 das Unternehmen. Der 53-Jährige hatte im Jahr 2000 die Geschäftsführung der Steiff Beteiligungsgesellschaft
übernommen und in den Jahren 2001, 2002 und 2005 in Personalunion auch die Geschäfte der Margarete Steiff GmbH geführt. Hussmanns wolle eine neue Führungsaufgabe in einer anderen Firma übernehmen, teilte Steiff am letzten Freitag mit. Bereits Ende August hatte der 53-Jährige den Beirat und die Gesellschafter der Firmengruppe informiert. Einen Nachfolger gibt es noch nicht. Vom alten Management wird nach Hussmanns Abgang nur noch Werner Maier übrig sein, der dem Unternehmen seit 1980 angehört.
Der erste Teddybär 55 PBDie Steiff-Beteiligungsgesellschaft befindet sich im Familienbesitz. Die 53 Familiengesellschafter wählen den Beirat, der die Gesellschaft kontrolliert. Dieser umfasst fünf Sitze, von denen die Familie drei besetzt. Die beiden verbleibenden Sitze werden traditionell von einem Vertreter der Autozuliefererbranche und einem Banker übernommen. Die Steiff Beteiligungsgesellschaft ist Alleineigentümerin der Margarete Steiff GmbH und der Alligator Ventilfabrik GmbH, einem weltweit führenden Spezialisten für Luft-Ventile. In der Gruppe beschäftigt Steiff gut 1100 Mitarbeiter, davon entfallen etwa 600 auf die Stofftierproduktion.
Margarete Steiff hatte 1880 ein Filzwarengeschäft in Giengen gegründet, Spielzeug wurde erst später produziert. Da die Unternehmensgründerin kinderlos starb, vermachte sie das Unternehmen ihren neun Neffen und Nichten – darunter Richard Steiff, der 1902 den ersten Teddybären entwickelte. Seither gilt Steiff als Inbegriff für Kinderspielzeug "Made in Germany". Und stets behielt die Familie die Kontrolle über das Unternehmen. Familienfremde Investoren waren und sind unerwünscht.
Steiff hatte in den letzten Jahren mit zum Teil dramatischen Einbrüche im klassischen Bereich des Plüschtiersortiments und beim Sammlermarkt aufgrund falscher Firmenpolitik und der Konsumzurückhaltung zu kämpfen. Im Krisenjahr 2004 gab es erste betriebsbedingte Kündigungen. Aus wirtschaftlichen Gründen in Billiglohnländern zu produzieren, das war lange Zeit für Steiff undenkbar. Mit der Vergabe der Produktion der Cosy-Friends-Linie nach China im Jahr 2005 gab es dann den erwarteten Strategiewandel. Heute werden in zwei chinesischen Unternehmen Tiere in Lohnarbeit gefertigt. „Made in China“ hat mittlerweile einen Anteil von rund 40 Prozent am gesamten Sortiment. Mit der günstigen Plüschtierserie sollten wieder die kleinen Kunden angesprochen werden, was augenscheinlich mit den knuddeligen Tieren auch gelingen sollte. Trotzdem stagniert der Umsatz bei etwa 90 Millionen Euro (2006).
Der Strategiewandel wurde wohl nicht schnell genug vollzogen. Sicherlich hätten auch die Vertriebskanäle angepasst werden müssen. Hussmanns selbst entließ vor zwei Jahren die beiden Geschäftsführer der Margarete Steiff GmbH, Friedhelm Brandau und Uwe Kleinow und übernahm zunächst auch selbst mit Werner Maier die Geschäftsführung der Sparte. Die beiden Ex-Geschäftsführer hatten laut Hussmanns die Neuausrichtung nicht schnell genug umgesetzt. Nun geht er selbst ...
