BaFin ebnet den Weg zur Sanierung
Weltmarktführer FunktionspuppenDie Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat den Hauptaktionär MGA Entertainment (bzw. ihre Gesellschafter unter Führung von MGA-Chef Isaac Larian), sowie den MGA-Vertreter Ron Brawer von der Abgabe eines Pflichtangebots für den Fall der Kontrollerlangung an der Zapf Creation AG befreit. Damit können die genannten Aktionäre mit derzeit etwa 24,5% der Stimmen, eine relevante Stimmrechtsgrenze von 30 % - ohne Abgabe eines Übernahmeangebots - überschreiten. Falls festgelegte Sanierungsschritte nicht oder nicht rechtzeitig erreicht werden, kann diese Befreiung allerdings widerrufen werden.
Die Befreiung ist notwendig, nachdem sich MGA Entertainment bereit erklärt hatte, den von der Betham Ltd., deren CEO das Zapf Creation-Aufsichtsratsmitglied Gustavo Perez ist, zugesagten Teil eines neuen Finanzierungskonzeptes, zusätzlich zu übernehmen. Betham konnte aufgrund rechtlicher Beschränkungen die zugesagten Verpflichtungen nicht erfüllen.
Durch diese Befreiung wird die verzögerte, weitere Umsetzung des Sanierungskonzeptes für den finanziell schwer angeschlagenen Zapf Creation-Konzern ermöglicht. Die derzeit von einem Bankenkonsortium in Anspruch genommenen Kreditlinien von über 45 Millionen Euro waren schon zum 30. Juni 2007 zur Rückzahlung fällig.
Baby born®Zur Ablösung der derzeit gestundeten Kreditlinien, sowie zur Bereitstellung weiterer Finanzmittel war am 20. Juli 2007 zwischen MGA, der Zapf Creation AG, einem neuen Bankenkonsortium sowie einem weiteren Hauptaktionär, dem Schweizer Investor Nicolas Mathys, ein Sanierungskonzept vereinbart worden. Zur Sicherstellung der erforderlichen Fremdkapitalfinanzierung hat sich das Bankenkonsortium verpflichtet, der Zapf AG neue Kredite in Höhe von 65 Mio. Euro zur Verfügung zu stellen. Bedingung für die Auszahlung der neuen Mittel ist, dass bis zum 31. Oktober 2007 eine Erhöhung des Eigenkapitals der Zapf Creation AG über insgesamt 30 Mio. Euro erfolgt. Dieses Kapital war von den genannten Aktionären garantiert worden.
Die Bezugsfrist für neue Aktien im Wert von bis zu 14,4 Mio. Euro sollte ursprünglich Mitte August beginnen. Weil es aber kein Testat der Wirtschaftsprüfer für die Bilanz 2006 gab, verzögerte sich bislang die Kapitalzufuhr. Die bisherigen Verzögerungen haben dazu geführt, dass auch noch keine Halbjahreszahlen vorgelegt wurden. Zudem hat die Hauptversammlung für die Bilanz 2006 noch nicht stattgefunden.
Die Zapf-Aktie fiel am Montag auf etwa 4,31 Euro, dem niedrigsten Stand seit dem Börsengang im Jahr 1999. Nach den ursprünglichen Planungen sollten die neuen Aktien für die Kapitalerhöhung für 4,50 Euro ausgegeben werden. Mit dem neuen Kurseinbruch hat auch MGA bzw. deren Gesellschafter unter Führung von MGA-Chef Isaac Larian, viel Geld beim Zapf-Engagement verloren. Die Aktionäre kauften den Großteil der Zapf-Aktien im Jahr 2006 für mehr als den doppelten Wert.
75. Geburtstag in Rödental
Baby Annabell®Gegründet wird der Puppenhersteller Zapf von Max und Rosa Zapf im Jahr 1932 in Rödental. Nach dem Krieg tritt die nächste Generation mit Brigitte und Willi Zapf in das Unternehmen. Sie setzen mit Puppen aus Kunststoff anstelle von Zellstoff auf Internationalisierung und erschließen sich nach und nach auch andere europäische Absatzmärkte.
Diese Internationalisierung macht sich nicht nur im Absatz, sondern auch in der Produktion bemerkbar. Seit 1980 werden Teile der Produktion ins Ausland, später auch nach Fernost verlagert. 1991 erscheint die Funktionspuppe „Baby born®. Sie entwickelt sich zum Renner und ist 1997 das umsatzstärkste traditionelle Spielzeug in Deutschland.
Zapf wird 1992 von Brigitte und Willi Zapf an die zur Triumph-Adler-Gruppe gehörende TA Spiel- und Freizeit-Holding GmbH verkauft. Am 26. April 1999 geht Zapf an die Deutsche Börse. Unter Leitung des Vorstandsvorsitzenden Thomas Eichhorn, der bereits 1988 bei Zapf angefangen hatte, wird das Unternehmen bereits im Jahr 2001 im prestigeträchtigen M-Dax gelistet, wo die Aktie einen Spitzenwert von 77 Euro erreicht. Auch die „Baby born®"-Schwester, die neue Funktionspuppe „Baby Annabell®" wird ein Renner. Doch der kometenhafte Aufstieg hat bereits 2003 sein Ende.
Durch den Börsengang und dem damit verbundenen, permanenten Erfolgsdruck, bleiben weitere Innovationen aus. Große Investitionen bergen das Risiko von zunächst „schlechten Zahlen“ und so setzt das Unternehmen fast ausschließlich auf seine Funktionspuppen. Leider nimmt – was erwartet werden musste – das Interesse an diesen „Auslaufmodellen“ ab. Ohne Alternative sinken die Kurse und 2004 muss Zapf den M-Dax wieder verlassen. Es ist von Bilanzmanipulationen auf Vorstandsebene die Rede. Die Führung wird komplett ausgewechselt. Vorstand Christian Ewert muss gehen, genauso wie Finanz-Vorstand Rudolf Winning. Der Vorsitzende Thomas Eichhorn kann sich noch bis Mitte 2006 halten, muss seinen Posten dann aber auch räumen. Es folgt die drastische Kündigungswelle. Während Zapf in seinen Spitzenzeiten über 530 Mitarbeiter weltweit beschäftigte, sind es aktuell keine 300 mehr.
MGA kam, sah und ...
Der heutige Hauptanteilseigner MGA erscheint Mitte 2006 auf der Bildfläche. Der amerikanische Hersteller mit dem Modepuppen-Label „Bratz“, kauft sich erst heimlich, dann immer offensiver bei Zapf ein. Der potenzielle Retter, Bandai aus Japan, war von dem US-Konkurrenten aus dem Feld geschlagen worden, obwohl der alte Vorstand sich hinter die Japaner gestellt hatte. Mit welcher Absicht MGA sich engagiert, das ist bis heute nicht so ganz klar. Fest steht aber, dass MGA sich in Deutschland nie etablieren konnte und daher ein neuer Versuch mit neuem Partner eine mögliche Option ist.
Der Großaktionär MGA trat sofort äußerst arrogant und dominant auf. Der Aufsichtsrat wurde mit MGA-Leuten infiltriert, um dann einen neuen Vorstand zu bestimmen. Der erfahrene Sanierer Georg Kellinghusen wurde durch – natürlich den Deutschland Chef von MGA - Thomas Pfau ersetzt. Dieser agierte zunächst sogar als Alleinvorstand, bis zuletzt der junge Finanzvorstand Jens Ulrich Keil hinzu kam. Die alte Führungs-Mannschaft, die trotz allem über viele Jahre erfolgreich gearbeitet hatte und den schwierigen deutschen Markt kennt – und der unterscheidet sich gewaltig vom amerikanischen - ist fast komplett weg. Die ehemaligen Zapf-Lenker finden sich heute in den Führungsetagen der „Big Player“ wie Hasbro, Simba und Märklin wieder.
Nichtsdestotrotz, wünschen alle – nicht nur die Aktionäre – der amerikanischen Zapf Creation AG mit den „Made in China-Spielzeugen“ am Standort Deutschland alles Gute zum Geburtstag. Es wäre schade, wenn ein Stück deutscher Erfolgsgeschichte keine Zukunft hätte.
