Nach dem Kauf von Heico Modell jetzt Interesse an Airfix
Hornby Railways ist einer der führenden Hersteller für Modellbahnen in Großbritannien und außerdem bekannt für seine Scalextric Rennbahnen. Im Rahmen der Akquisition des deutschen Modellbahnherstellers Heico übernahm die Firma zusätzlich zum Kaufpreis auch die ausstehenden Verbindlichkeiten in Höhe von ca. 200.000 €. „Wir wollen ein Weltkonzern für Modell- und Autorennbahnen werden. Der Kauf von Heico Modell ist ein entscheidender Schritt zu weiterem Wachstum“ erklärte Chief Executive Frank Martin.
Der deutsche Markt für Modellbahnen ist wahrscheinlich sechsmal größer als der in Großbritannien und damit einer der bedeutendsten Absatzmärkte Europas. Heico ist Hersteller von Gebäuden und anderem Zubehör für Modellbahnen und verfügt über 1200 Großabnehmer in ganz Deutschland. In Zukunft wird die Firma unter dem Namen Hornby Deutschland operieren.
Hornby hat sich bereits in Frankreich, Spanien und Italien etabliert und konnte so die schwierige Marktlage in England unbeschadet überstehen. Trotz Absatzverlusten von 2% verzeichnete die Unternehmensgruppe zuletzt einen Jahresgewinn von 8,2 Mio £. Dieses Plus von 8% verdankte sie hauptsächlich ihren Auslandsgeschäften. In Deutschland agiert Hornby bereits über seine Markenfamilien Lima, Arnold und Rivarossi.
Airfix RoadshowJetzt verdichten sich Spekulationen, dass Hornby bereits an einem Rettungspaket für Airfix schnürt. Airfix, gegründet 1939 von dem ungarischen Unternehmer Nicholas Kove, meldete Anfang letzter Woche Konkurs an. Konkursverwalter Keith Hinds von Grant Thornton bestätigte bereits 25 Angebote für Airfix, darunter soll sich Gerüchten zufolge auch der US Spielwarenkonzern Hasbro befinden.
Die Firma Airfix ist Traditionshersteller für Modellbausätze von Flugzeugen, Jets, Panzern, Schiffen, Soldaten und historischen Figuren wie Henry VIII. Bereits 31 der 41 Angestellten mussten entlassen werden. Eigentumsrechte und Markenbezeichnungen wie Plasticine, Supercast und Young Scientist stehen ebenfalls zum Verkauf. Mitte der Achtziger wurde das ursprüngliche Unternehmen von Humbrol übernommen, einem Hersteller für Lackfarben. Humbrol organisierte den Vertrieb von seinem Hauptsitz in Hull und vergab die Produktion der Bausätze an die Firma Heller in Frankreich.
Frank Martin, Chief Executive von Hornby, ist als ehemaliger Managing Director des Mutterkonzerns Humbrol bereits vertraut mit dem Airfix-Unternehmen. Ein Sprecher von Hornby verlautbarte: „Im Interesse unserer Anteilseigner haben wir die Pflicht, Airfix als Möglichkeit in Betracht zu ziehen und unser Interesse zu bekunden." Vorbehalte hat Hornby allerdings noch aufgrund der Schwierigkeiten mit dem französischen Produktionspartner von Airfix. Die französische Heller hatte bereits im Juni Konkurs angemeldet und durch seinen Lieferstopp Humbrol in ernste finanzielle Schwierigkeiten gebracht.
Ein weiteres Hindernis könnten die veränderten Vorlieben der ehemaligen Hauptzielgruppe sein. Die Kinder von Heute verbringen lieber ihre Zeit vor dem Computer und Fernseher als Stunden mühseliger Kleinarbeit darauf zu verwenden, ein Spitfire-Modell zusammen zu bauen. Hornby selbst spricht daher eine neue Zielgruppe an und verkauft seine Produkte hauptsächlich an Männer mittleren Alters.
Es ist also noch zu früh für endgültige Aussagen, aber Airfix ist in Großbritannien eine Kultmarke und nicht nur Hornby wird sehen wollen, sie zu retten.
Heinz Engstfeld, Geschäftsführer von Heller Deutschland in einer ersten Stellungnahme: Die Heller Deutschland GmbH ist vom Insolvenzantrag der Heller SA derzeit nicht betroffen und arbeitet in unveränderter Form eigenständig weiter. Neben den eigenen Marken Heller und Joustra deren Produktion weiterläuft, befinden sich auch die Marken Airfix/Humbrol im Vertrieb der Heller Deutschland GmbH. In der letzten Woche ging nun auch dieses traditionsreiche Unternehmen aus England in die Insolvenz. Da die Produktion von Airfix aber im französischen Werk erfolgt ist auch hier derzeit die Lieferung gesichert.
