Trennung – ohne Schmerz
Interview, des Geschäftsführers der Linssen & Rausch Unternehmensberatung GmbH, Stefan Rausch, mit dem Personal-Manger Jörg Stenvert.
Stefan Rausch
Jörg Stenvert
Jörg Stenvert (45) ist Personalberater bei der Linssen & Rausch Unternehmensberatung GmbH. Er verfügt über 20 Jahre Personalerfahrung mit den Schwerpunkten Restrukturierung, Personalabbau und Placement. Bis 2015 war er Bereichsleiter in einem DAX 30-Unternehmen und hat dort die berufliche Neuorientierung von Mitarbeitern, die ihren Arbeitsplatz im Unternehmen verloren haben, verantwortet. Sein Spezialgebiet ist die berufliche Veränderung von lebensälteren Mitarbeitern. Aktuell absolviert er eine Qualifizierung zum Rentenberater. Er beginnt dort, wo andere nicht weiter kommen oder aufgeben.
Stefan Rausch: Herr Stenvert, Sie sind seit vielen Jahren als Manager und Berater im Bereich Outplacement tätig und haben zahlreiche Arbeitnehmer bei ihrer beruflichen Neuorientierung begleitet. Wie kann Ihrer Erfahrung nach eine Trennung ohne Schmerz im Berufsleben funktionieren, wenn sich ein Unternehmen von einem Mitarbeiter trennen möchte?
Jörg Stenvert: Wichtig ist der offene und faire Umgang miteinander. Das gilt erst recht, wenn es keine reinen betriebsbedingten Gründe sind. Ich erlebe es oft, dass in solchen Situationen das Thema Trennung umgangen wird oder dass so lange mit den entscheidenden Maßnahmen gewartet wird, bis die Situation bereits fest eingefahren ist. Meine Erfahrung ist, dass oftmals beide Seiten mit der Zusammenarbeit unzufrieden sind und ein transparentes Vorgehen für eine vernünftige, einvernehmliche Lösung der beste Weg ist. Denn natürlich ist eine Trennung für den Arbeitgeber erst einmal einfacher vorstellbar als für den Mitarbeiter, der nachvollziehbar an seinem Arbeitsverhältnis festhält.
Stefan Rausch: Wie sieht der Masterplan für eine vernünftige Trennung aus?
Jörg Stenvert: Wenn es in der Zusammenarbeit unterschiedliche Ansichten und Ziele gibt, ist es nicht nur für den Arbeitgeber eine unbefriedigende Situation, sondern auch der Mitarbeiter fühlt sich in der Regel nicht wohl. Aber es geht auch anders: Ich selbst habe einen neu zu strukturierenden Bereich übernommen, in dem 40% der Mitarbeiter nicht mehr so richtig auf die Stellen mit den neuen Anforderungen passten. Ich habe die Mitarbeiter zunächst offen und fair über die Veränderungsnotwendigkeit informiert, sie dann aktiv im Hinblick auf eine berufliche Neuorientierung beraten und schließlich bei der konkreten Veränderung unterstützt. Wichtig war mir dabei, die persönlichen Voraussetzungen zu berücksichtigen und vor allem die Eigeninitiative der Mitarbeiter zu fördern. Das ging so weit, dass ein Teamleiter, von dem ich mich aus diversen Gründen trennen wollte, zum Gespräch bereits die passende und für beide Seiten tragfähige Lösung mitbrachte.
Stefan Rausch: Wie meinen Sie das konkret?
Jörg Stenvert: Das ist der springende Punkt. Es gibt kein vorgeschriebenes Drehbuch. Jeder Fall ist ein Einzelfall und muss entsprechend individuell und detailliert betrachtet werden. Ich setze mich intensiv mit der Situation des Mitarbeiters auseinander und entwickle mit ihm gemeinsam Lösungswege. Das sind oft auch Lösungswege, an die der Mitarbeiter zunächst selbst nicht gedacht hat.
Stefan Rausch: Ist solch ein individuelles Vorgehen nicht sehr teuer für ein Unternehmen?
Jörg Stenvert: Nein, denn unterm Strich lohnt es sich, in die Beratung und einen reibungslosen Veränderungsprozess zu investieren. Eine fair verhandelte Abfindung ist z. B. für mich eine gute Lösung. Warum soll ich mich als Arbeitgeber in eine langwierige Auseinandersetzung vor dem Arbeitsgericht mit einem nicht absehbaren Ausgang begeben? Wenn man berücksichtigt, dass ein solcher Konflikt nicht nur Zeit und Nerven kostet, sondern auch das Betriebsklima enorm belastet, ist eine einvernehmliche Lösung mit einer vertretbaren Abfindung doch eine günstige Alternative. Aber es geht nicht nur darum, eine Lösung mit einer finanziell angemessenen Abfindung zu vereinbaren. Ich begleite z. B. auch ältere oder langzeitkranke Mitarbeiter auf dem Weg in eine sozialverträgliche Verrentung. Und bei größeren Unternehmen stellt sich im Laufe der Beratung sogar manchmal heraus, dass es vielleicht sogar einen passenden neuen Arbeitsplatz im Unternehmen gibt.
Stefan Rausch: Können Ihnen denn die Mitarbeiter vertrauen, wenn der Arbeitgeber sie beauftragt?
Jörg Stenvert: Ja. Ich stelle vorher klar, dass ich die Beratung unvoreingenommen durchführe. Mein Ziel ist es, eine Lösung zu entwickeln, die bei dem Mitarbeiter und dem Arbeitgeber gleichermaßen Zustimmung findet. Auf Wunsch des Mitarbeiters beziehe ich gerne auch Betriebsräte und Schwerbehindertenvertreter mit ein.
