Ein kleines handliches Spielzeug fasziniert Kinder - und freut den Handel.
Uahh, was für ein Schwabbel in der Hand, stinken tut das Ding auch, jedenfalls, wenn es neu ist. Und trotzdem - es ist wohl das begehrteste Osterei, das der Hase in diesem Jahr den Kids in die Nester legen kann. Tennisballgroß, glibberweich, mit Gumminoppen, quietschpink, grell orange, giftgrün oder auch gruftig schwarz und an einem halben Meter nudeldicken Bungee-Bandes, das gaaaanz lang werden kann, wenn der Ball weggeworfen wird. Es nennt sich profan Wasser-Jojo - wegen seiner Füllung - und kann wie ein Jojo in Schwung gebracht werden. Aber eben auch noch anders. Und das ist es wohl, was die Kinder daran so lieben. Das Wasser-Jojo ist zurzeit der Renner, präzise gesagt voll krass - und seit drei Wochen nicht mehr lieferbar.
Dieses kleine Spielzeug zum taschengeld-verträglichen Preis von einem Euro neunundneunzig verzückt nicht nur Kinder, sondern ebenso den Handel. Das ist der reine Wahnsinn. Es toppt noch die Tamagotchi-Welle vor einigen Jahren, als die Leute vor den Geschäften Schlange standen, erzählt ein Spielzeug-Großhändler. Wir kommen einfach nicht mehr nach. Dieses Zugpferd tut dem Einzelhandel nach der Flaute richtig gut. Jetzt sind bundesweit schätzungsweise zwei Millionen Jojos verkauft worden. Wir rechnen mit einem Absatz von sechs bis acht Millionen.
Bei Spielwaren Feldhaus gingen die letzten Gummiwunder am langen Samstag über die Theke. Und die waren gerade erst vier Tage zuvor gekommen. Wir haben Anfang März an einem Tag 1200 davon verkauft. Der Erfolg ist einfach unglaublich, sagt Geschäftsleiter Stefan Silberberg. Dabei habe ich die muffigen Dinger zunächst rundweg abgelehnt, als sie mir Anfang November angeboten wurden. Erst als im Februar immer mehr Kinder danach fragten, habe ich reagiert. Wann jetzt die nächste Lieferung kommt, weiß Silberberg nicht. Die Wasser-Jojos sind Made in China, und die Schiffe mit der begehrten Ladung liegen im Rotterdamer Hafen fest: Wegen des Irak-Krieges dauern die Zollüberprüfungen jetzt unkalkulierbar lange.
Auch der Großhändler hatte die Glubsch-Kugeln anfangs zurückgewiesen: So einen Mist kann man nicht verkaufen, dachte ich. Dennoch hatte er im Februar eine Palette geordert, weil das von einem vertrauenswürdigen Händler als was Tolles angepriesen worden war. Er bot sie verschiedenen Kiosken an, nur mal so zum Probieren. Es lief sofort. Nach drei Tagen bestellten die Inhaber schon die doppelte Menge.
Die Jojos haben es vor allem Kindern im Grundschulalter angetan. Damit der Flubberball auch schön in die Hand zurückflutschen kann, hat das Band eine kleine Öse am Ende, gerade passend für die Finger von Fünf- bis Zehnjährigen. Die lassen die Kugel über den Boden kreisen und hopsen darüber, lassen den Ball abwärts sausen und fangen ihn wieder auf (easy), schnellen ihn lässig zur Seite (besonders cool) oder lassen ihn im weiten Schwung um den Körper fliegen (fesselnd).
Wer eine Beule aus dem Gummiball presst, der kann unter der dünnen Haut das Gehirn entdecken, so sehen es jedenfalls die Kinder, wenn sie die perlmuttartig schimmernden Seifenschlieren im Wasser sehen. Platzt der Ball, strömt Seifenlauge aus. Die ist nicht giftig. Die Ware hat das CE-Prüfsiegel für Sicherheit und entspricht europäischen Bestimmungen, versichert der Großhändler.
Nur nicht den Kopf hängen lassen, wenn sich in der Innenstadt keine Jojos mehr auftreiben lassen und auch die Kioske passen müssen. Vielleicht hat ja ein Schiff schon längst beim Osterhasen angelegt.
