Wenige IPs sind auf dem Gesellschaftsspiele-Markt in den letzten Jahren derart eingeschlagen wie Hitster. Das Musik-Quiz, bei dem man die Titel nach Erscheinungsjahr ordnet, ist ein Multiseller. Längst hat Jumbo um die Marke herum ein eigenes Universum gestrickt mit zahlreichen Ablegern, bei denen entweder das Spielprinzip erweitert oder die Songauswahl nach Genre spezifiziert wurde. Auch die jüngst vorgestellte Heavy-Metal-Edition scheint ein voller Erfolg zu werden. BRANDORA spricht mit den Marketing-Beauftragten Susanne Krüger (SK) und Christian Huber-Roscher (CHR) über das Phänomen Hitster.
Können Sie sich an die Entscheidung bei Jumbo erinnern, Hitster ins Programm aufzunehmen? Hatte damals schon jemand geahnt, dass man mit einem Musikquiz einen derartigen Erfolg landen könnte?
CHR: Als wir Hitster zum ersten Mal gespielt haben, haben wir das Potenzial sofort erkannt. Uns war schnell klar, dass das Spiel etwas Besonderes ist und echtes Hitpotenzial hat. Selbst die Nicht-Spieler in unserem Team waren von Anfang an begeistert und direkt mit dabei. Dass Hitster allerdings einen derartigen Erfolg haben und zu einem solchen Publikumsliebling werden würde, konnten wir damals noch nicht absehen. Umso mehr freut es uns, wie groß die Begeisterung für das Spiel geworden ist.
Hört man „Musikquiz“, so würden viele vielleicht erwarten, dass man anhand eines Song-Schnipsels den Titel und Interpreten benennen sollte. Stattdessen geht es bei Hitster in erster Linie darum, den eigenen Zeitstrahl korrekt zu legen. Hat dies in der Entwicklung für Diskussionen gesorgt?
CHR: Spätestens nach den ersten Spielrunden war für uns klar, dass das Einordnen der Songs nach Erscheinungsjahren genau der richtige Mechanismus ist, um Hitster für eine breite Zielgruppe zugänglich zu machen. Viele Menschen hören gerne und viel Musik, können sich aber nicht immer an den Interpreten oder den Titel eines Songs erinnern. Gleichzeitig verbinden wir Musik häufig mit persönlichen Erlebnissen und bestimmten Lebensphasen. Genau diese Erinnerungen helfen dabei, einen Song zeitlich einzuordnen – und machen das Spiel zugleich intuitiv, unterhaltsam und für ganz unterschiedliche Spielertypen zugänglich.
Liegt der enorme Erfolg auch in der gelungenen Marketing-Kampagne begründet? Oder war es vor allem die gute Idee, die das Spiel zu einem „Hit“ machen musste?
SK: Es war aus unserer Sicht das Zusammenspiel aus einem starken Produkt und einer konsequenten, kontinuierlichen Marketingstrategie. Ich halte wenig von der Aussage, dass sich jedes gute Produkt automatisch am Markt durchsetzt. Umgekehrt reicht auch die beste Marketingkampagne nicht aus, wenn das Produkt die Menschen nicht überzeugt.
Bei Hitster haben beide Faktoren perfekt ineinandergespielt. Ein wichtiger Moment war für uns die Messe SPIEL in Essen: Das enorme Social-Media-Echo hat uns früh gezeigt, welches Potenzial in dem Spiel steckt. Gleichzeitig haben wir von Anfang an kontinuierlich in aufmerksamkeitsstarke Marketingkampagnen investiert, um die Bekanntheit von Hitster weiter auszubauen und die Marke nachhaltig zu etablieren.
Generell waren Live-Events ein wichtiger Bestandteil der Strategie.
SK: Absolut. Hitster lebt davon, dass Menschen gemeinsam spielen, Musik erleben und Spaß haben. Genau diese Erfahrung wollten wir möglichst vielen Menschen direkt ermöglichen. Die persönlichen Erlebnisse bei Events haben wiederum für viel Gesprächsstoff und zusätzliche Aufmerksamkeit in den sozialen Medien gesorgt.
Ein weiterer entscheidender Faktor waren die Spieler selbst. Sie wurden zu unseren wichtigsten Multiplikatoren, indem sie Hitster mit Freunden und Familie gespielt, ihre Begeisterung geteilt und in den sozialen Medien darüber gesprochen haben. Diese organische Dynamik konnten wir durch unsere kontinuierlichen Marketingaktivitäten und Live-Erlebnisse zusätzlich verstärken.
Der Erfolg von Hitster ist deshalb aus unserer Sicht weder allein auf die gute Idee noch auf das Marketing zurückzuführen. Entscheidend war die Kombination aus einem überzeugenden Produkt, kontinuierlicher Markenarbeit und der Fähigkeit, die Begeisterung der Spieler immer wieder neu zu aktivieren.
Wie sehen Sie den Wiederspielwert von Hitster? Nach drei bis vier Runden ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sich Titel wiederholen. Muss man sich dann eine neue Edition zulegen?
CHR: Der Wiederspielwert von Hitster ist aus unserer Sicht sehr hoch – und genau das zeigt auch die Erfahrung vieler Spieler. Natürlich können sich bei regelmäßiger Nutzung irgendwann Songs wiederholen. Das Entscheidende ist aber: Hitster funktioniert nicht nur über das reine Erinnern an die Songs, sondern vor allem über das gemeinsame Spielerlebnis.
Außerdem verändert sich das Spiel mit jeder Runde. Je nach Mitspielern, Musikgeschmack und persönlicher Erinnerung werden Songs unterschiedlich eingeordnet und diskutiert. Ein Titel, den man beim ersten Mal sicher zu kennen glaubt, kann in der nächsten Runde plötzlich für Überraschungen sorgen.
Wer besonders viel Hitster spielt und neue Songs kennenlernen möchte, findet darüber hinaus in den verschiedenen Editionen eine Möglichkeit, das Spielerlebnis zu erweitern. Eine neue Edition ist also keine Voraussetzung, um weiterhin Spaß mit Hitster zu haben, sondern eine zusätzliche Möglichkeit, für neue musikalische Abwechslung zu sorgen.
A propos: Angesichts des erfolgreichen Basisspiels lag es wahrscheinlich auf der Hand, thematische oder nach Genre ausgerichtete Editionen zu veröffentlichen?
CHR: Ja, das war ein von Anfang an geplanter Schritt. Ein Jahr nach release der Originalvariante haben wir die Schlager-Version rausgebracht. Das wurde sehr viel diskutiert. Aber das Genre ist eines der am meisten gehörten auf Spotify. Seit dem folgen wir den Wünschen unserer Community. Wir bekommen täglich Zuschriften von Fans, mit wünschen für neue Versionen. Somit wissen wir, was am meisten nachgefragt wird.
Wie kommt die Bingo-Variante im Vergleich zum Ursprungs-Spiel beim Publikum an? Ist es ein Nischenprodukt für Fans, die einfach nicht genug bekommen?
CHR: Von einem Nischenprodukt kann man bei Hitster Bingo definitiv nicht sprechen. Gerade in der Vorweihnachtszeit gehört Hitster Bingo seit mittlerweile zwei Jahren zu den Topsellern. Das zeigt, dass die Variante weit über den Kreis der eingefleischten Hitster-Fans hinaus attraktiv ist. Ein großer Vorteil von Hitster Bingo ist, dass sich alle bisherigen Hitster-Versionen integrieren lassen. Dadurch entsteht eine enorme musikalische Vielfalt und das Spielerlebnis bleibt abwechslungsreich.
Auch der Spielmechanismus unterscheidet sich vom ursprünglichen Hitster: Alle Spieler spielen gleichzeitig und müssen dabei unterschiedliche Formen von Musikwissen unter Beweis stellen. Neben der zeitlichen Einordnung geht es beispielsweise auch darum, Interpret und Titel eines Songs zu erkennen. Dadurch entsteht ein anderes, aber ebenso unterhaltsames Spielerlebnis, das sich besonders gut für größere Gruppen eignet.
Jüngst wurde die Heavy-Metal-Edition mit Wacken-Lizenz vorgestellt. Reiht sie sich in puncto Absatz bei ihren Vorgängern ein?
CHR: Für eine Aussage über die langfristigen Verkaufszahlen ist es aktuell noch zu früh. Der Start der Heavy-Metal-Edition in Kooperation mit Wacken war jedoch ausgesprochen erfolgreich. Besonders unser Release-Event auf dem Festivalgelände hat gezeigt, wie groß das Interesse an der Edition ist.
Die Möglichkeit, Hitster direkt vor Ort zu erwerben, wurde von den Festivalbesuchern sehr gut angenommen. Der Abverkauf hat dabei sowohl unsere eigenen Erwartungen als auch die des Festivalveranstalters deutlich übertroffen.
