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Totgesagte leben länger

Totgesagte leben länger

Karstadt und Kaufhof – eine Einschätzung von BRANDORA Geschäftsführer Christophe Macht

Die beiden Handelsriesen Karstadt und Kaufhof schließen sich zusammen und wollen so einen Ausweg aus der dauerhaften Existenzkrise finden. Beide kämpfen seit Jahren mit Verlusten und unerfreulichen Zahlen. In der jüngsten Vergangenheit gab es einige Eigentümerwechsel bei den beiden Handelskonzernen. Eine Gemeinsamkeit zog sich wie ein roter Faden durch die Veränderungen: Glücklich wurden die neuen Eigner nie! Ob sie nun Arcandor, Berggruen, Metro oder Hudson’s Bay Company hießen, die Maßnahmen wie Mitarbeiterabbau und Immobiliendeals brachten keinen nennenswerten und dauerhaften Erfolg.

Digitale Welten, die neuen Konsumtempel

Doch auch eine andere Gemeinsamkeit ist bei beiden Urgesteinen der deutschen Handelslandschaft erkennbar: In besten Innenstadtlagen wurden in der Nachkriegszeit die durchschnittlichen Kunden aus der Mittelschicht in Prachtbauten eingeladen um in diesen Konsumtempel viel Geld auszugeben. Das klappte vorzüglich, doch bei beiden Händlern wurde in den letzten beiden Jahrzehnten nicht erkannt, dass die Zielgruppe rapide abwandert. Der Kunde ist mehrheitlich nicht mehr in den Innenstädten unterwegs, und die Konsumtempel sind ausnahmslos digitale Welten!

Sparen oder investieren

Sicherlich lässt sich sparen, wenn man die Verwaltung zusammenführt. Ob Köln oder Essen, wo auch immer: Es stehen wohl zwischen 2.000 und 5.000 Mitarbeiter zur Disposition. Immobilien können verkauft und wieder angemietet werden, um Geld in die Kassen – von wem auch immer – zu spülen. Konditionen dürften neu verhandelt und Doppelstandorte bereinigt werden. Doch eines sollten verantwortungsbewusste Manager endlich erkennen: Der Kunde muss – wo auch immer – abgeholt werden, und in attraktive, moderne Erlebniswelten geführt werden. Das muss nun eiligst neu erfunden werden, doch leider werden dafür 400 Millionen Euro an frischem Kapital bei Weitem nicht reichen!

2014 wurde Karstadt vom Österreicher René Benko und seiner Signa übernommen. Die Tochter Signa Retail betreibt und verwaltet Online- und Offline-Handelsaktivitäten und bündelt Warenhausketten und mehr als 55 Webshops in über 15 Ländern Europas. Rund 20.000 Beschäftigte an mehr als 125 Standorten erwirtschaften Umsätze von rund 3,8 Milliarden Euro. Im Frühjahr 2015 gab es bereits zwei Kandidaten für den Kauf von GaleriaKaufhof : Die Hudson’s Bay Company aus Kanada und Benkos Signa. Den Vorzug erhielt HBC aber Benko wusste, dass seine Stunde noch kommen sollte. Der Kaufhof Deal brachte HBC in große Schieflage und so konnte wohl nur ein schneller Verkauf den nordamerikanischen Konzern retten.

Eine Fusion unter Gleichen?

Auch wenn nun offiziell von einer „Fusion unter Gleichen“ gesprochen wird, ist wohl Benko der große Gewinner. So soll Stephan Fanderl, bislang Karstadt-Chef, die Leitung des neuen Konzerns übernehmen. Auch die Mehrheit der Anteile liegt bei Signa. Zum Deal gehören neben den Kaufhof- und Karstadt-Filialen auch die Karstadt-Sporthäuser, die europäischen Filialen der Outlet-Kette Saks Off 5th, die Galeria-Inno-Kaufhäuser in Belgien, die erst kürzlich gegründeten Hudson’s-Bay-Warenhäuser in den Niederlanden auch die zugehörigen Online-Shops, sowie einige Internet Unternehmen. Insgesamt wird von einem kumulierten Vorjahresumsatz von etwa 5,5 Milliarden Euro gesprochen (zum Vergleich: amazon setzte 2017 nur in Deutschland etwa 8,8 Milliarden Euro um).

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