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Testberichte zum Weihnachtsgeschäft

Testberichte zum Weihnachtsgeschäft

„Puppen – Viele sind nicht sicher. Stoffbilderbücher – Schlechte Kritiken.“ Was sich wie Clickbaiting liest, sind die Aufmacher – Themen der aktuellen Ökotest.

Unabhängige Prüfer sind vielen Branchenteilnehmern ein Dorn im Auge. Nicht etwa, weil sie prüfen, und auch Missstände anprangern. Das ist tatsächlich ein sehr positiver Aspekt. Vielmehr ist es die Art der Kommunikation auf der einen, und die Art der Prüfung auf der anderen Seite.

Bindende Vorgaben: Normen und Richtlinien

Hersteller sind gebunden an normative Vorgaben. Die weltweiten Regelungen und Normen sind zu Recht sehr streng. Und sie werden ständig erweitert und an neue Gegebenheiten angepasst.

Für Hersteller sind diese bindend, um mit ihren Spielwaren am Markt teilnehmen zu dürfen. Normen und Richtlinien geben Herstellerbetrieben nachvollziehbare und eindeutige Richtwerte an die Hand, um weltweit nach gleichen Standards für die jeweiligen Märkte produzieren zu können, und die gesetzmäßige Sicherheit fertiger Waren zu gewährleisten.

Bei der Entwicklung führen Hersteller in der Regel umfangreiche Tests durch, um die Qualität und Sicherheit ihrer Produkte zu gewährleisten. Der globale Handel birgt jedoch große Herausforderungen in Sachen Aufspüren und aus dem Verkehr ziehen mangelhafter Produkte.

Unabhängige Institute überprüfen im Auftrag der Hersteller Produktsicherheit und Verkehrsfähigkeit der Spielzeuge, basierend auf den jeweils aktuellen Regelungen.

Die Prüfergebnisse wiederum sind Teil der Produktdokumentation, die Hersteller für ihre am Markt befindlichen Produkte vorhalten müssen.

Trotz großer Sorgfalt und Einhaltung aller Normen und Regelungen kommt es regelmäßig vor, dass unabhängige Organisationen Mängel bescheinigen.

Unabhängige Tester haben eigene Testmethoden

Konsumenten ist von diesen Organisationen meist die Stiftung Warentest am geläufigsten. Im staatlichen Auftrag untersucht sie Waren und Dienstleistungen, um Verbraucher zu informieren. Neben der Stiftung Warentest ist auch das privatwirtschaftliche anzeigenfinanzierte Magazin „Ökotest“ populär, und fokussiert sich hauptsächlich auf ökologische Gesichtspunkte bei der Prüfung.

Für Hersteller sind die resultierenden Ergebnisse leider oft nicht nachvollziehbar. 

Sowohl Prüfmethoden als auch geprüfte Inhaltsstoffe weichen von den regulierten Vorgehensweisen und Grenzwerten mitunter stark ab.

Der DVSI stellt hierzu in der jüngsten Pressemeldung fest: „Der DVSI begrüßt, dass (…) unabhängige Institutionen wie Stiftung Warentest und Ökotest eigene Produktuntersuchungen durchführen, da auf diesem Wege fehlerhafte Produkte aufgefunden werden können. Zum Bedauern des DVSI legen die Testblätter bei ihren jüngsten Produktuntersuchungen abermals eigene, intransparente Kriterien zugrunde, die nicht auf den gesetzlichen Vorgaben basieren, an denen sich die Spielzeughersteller orientieren.“

Zugrunde liegt oft die Liste der Stoffe, die vom Bundesinstitut für Risikobewertung als mögliche gefährdende Stoffe untersucht werden, um sie dann im Falle eines Positivbescheides in die Normierung einfließen zu lassen. Diese sind jedoch kein Teil der geltenden Norm – und stellen somit argumentativ oft eine Grauzone dar.

„Uns ist es eigentlich egal womit die StiWa oder Öko-Test genau testet, oder welche Grenzwerte dort hergenommen werden. Für uns sind die aktuellen Gesetze wie die Spielzeugrichtline und die dazugehörigen Normen viel mehr ausschlaggebend, da diese rechtlich bindende Grundlage sind. Im Fall der Fälle würde ein Gericht sich wohl auf aktuell geltende Gesetze und Normen beziehen und nicht auf den Standard von Öko-Test“, stellt Josephine Dransfeld fest. Sie ist beim Plüschhersteller heunec unter anderem für Sicherheitsfragen zuständig.

Im jüngsten Artikel der Zeitschrift Ökotest werden beispielsweise optische Aufheller in Garnen bemängelt.

Hierzu schreibt der DVSI: „Leider sind die von Ökotest ermittelten Mängel und Bewertungen aus Sicht des DVSI nicht durchweg nachvollziehbar. So bemängelt Ökotest bei einigen Puppen dass optische Aufheller gefunden werden. Der qualitative Nachweis wurde mit UV-Licht geführt, was weißes Nähgarn und Etiketten zum Leuchten brachte. Im Ökotest Datenblatt wurde dieser Effekt als Beweis für optische Aufheller beschrieben. Die Unternehmen setzen keine optischen Aufheller ein. Der DVSI geht davon aus, dass auch weitere Stoffe unter UV potentiell fluoreszieren und mit dieser Methode fälschlich als optische Aufheller interpretiert werden. (…) Ein Beispiel für einen natürlich vorkommenden Fluoreszenzfarbstoff ist Aesculin, der in der Rosskastanie vorkommt. Erst eine GC oder HPLC MS Analyse, die hier nicht durchgeführt wurde, gibt eindeutig Auskunft.“

Transparenz als Ziel?

Objektiv betrachtet sollten sich unabhängige Tester um Transparenz bemühen, und beanstandete Defizite in der Normierung den Norminierungsgremien und nicht den Herstellern rückspielen. Gerade bei der Stiftung Warentest sollte man dies erwarten, zumal sie von öffentlicher Hand mitfinanziert wird. 

Es bleibt zu vermuten, dass dies aber dem Geschäftsmodell und der Auflagenhöhe nicht zuträglich wäre, und somit nicht im Sinne der Tester wäre.

So liegt also auch nahe – gerade in Anbetracht der plakativen Aufmachertitel – dass Negativbescheide Teil des Geschäftsmodelles der Testzeitschriften sind.

Der richtige Umgang mit Testergebnissen

So ist für Hersteller also die Frage: Wie geht man um mit derartigen Bescheiden?

Auch wenn die erste natürliche Reaktion auf derartige Prüfergebnisse Angst ist, das Falsche zu tun, wirtschaftliche Verluste zu erleiden oder Ansehen zu verlieren: Hersteller sollten dem Impuls widerstehen, auf ihr Recht zu beharren oder „dagegenzuschiessen“. Dies führt oft zu nicht durchdachten Handlungen wie ausführlichen Dementis oder schnellen Statements – oder zu „Gegenschüssen“, die die Angelegenheit nur noch lauter und größer machen.

Ein Wermutstropfen für Hersteller ist vielleicht, dass durch die voraussagbare Wiederkehr solcher Berichte und die Vielzahl von Meldungen dieses Instrument des Verbraucherschutzes überspannt ist. Es gibt auf Meldungen oft kaum Rückläufer im Handel, und der Aufschrei seitens der Verbraucher ist auch geringer, als er noch vor Jahren war.

„Die ehemals scharfen Schwerter sind mittlerweile stumpf – davon hat niemand mehr etwas.“ konstatiert auch Jürgen Jagoschinski, der in den Themenbereichen Spielzeugsicherheit und Qualitätsmanagement die Industrie berät.

Vielleicht wäre es daher ja ein schönes Ziel, miteinander an besseren Richtlinien und Normen zu arbeiten, statt sich gegeneinander zu positionieren.
Dies entzöge den Zeitschriften jedoch ihre Daseinsberechtigung und wird so schnell wohl nicht geschehen.