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Re-Use: Das zweite Leben von Toys

Re-Use: Das zweite Leben von Toys
J. Meister

Naheliegender geht es wohl kaum:
Spielwaren sind umso nachhaltiger, je länger ihre Lebensphase ist. Denn ein lang benutztes Spielzeug braucht um einiges weniger an Ressourcen als mehrere, die womöglich dann auch noch derartig gestaltet sind, dass eine Weiterverwendung oder -verwertung unmöglich oder unrentabel ist.

Systemisch bedingt nicht nachhaltig?

Doch die Crux bei Spielsachen ist ja die sehr spezifische Altersspanne der Nutzerschaft von Spielwaren. Babys entwickeln sich fix weiter und suchen nach neuen Herausforderungen – und auch größere Kinder sehnen sich schnell nach dem nächsten Spielzeug, da hier Trends und Peer Group – Interessen ins Gewicht fallen und das „Dazugehören“ immens wichtig ist. Grob gesagt: Je jünger das Kind, desto kürzer die Nutzungsdauer.

So wird das Thema Nachhaltigkeit schnell ad absurdum geführt, wenn technisch einwandfreie Spielsachen ein jähes Lebensende finden, weil sie schlicht nicht mehr bespielt werden oder mit allzu zeittypischen Attributen aufgeladen sind und schnell aus der Mode sind.

Hier gibt es mehrere Wege, dem zu begegnen. Zum Einen wäre natürlich die Nachhaltigkeit qua Design: Das Produkt ist hochwertig, ressourcenschonend – vielleicht gar aus rezyklierten Stoffen, langlebig, zeitlos, von vielen Altersstufen bespielbar, reparierbar, am Lebensende in Einzelkomponenten zerleg- und rezyklierbar. Die eierlegende Wollmilchsau eben.

Zweitmarkt als gangbarer Weg

Was auch möglich ist, ist das Etablieren eines Zweitmarktes. Angesichts kurzer Nutzungsdauer, steigenden Preisen, Nachhaltigkeitsbewusstsein und vorhandener Handelsstrukturen ein probater und immer weiter entwickelter Weg.

Nun sind Hersteller per se keine Gebrauchtwarenhändler. Im Zweitleben von Produkten steckt viel Arbeit, Unsicherheit und Anstrengung – jedoch wenig Marge. Logistisch und technisch einfacher und vor allem auch kalkulierbarer sowie sicherer ist der Verkauf von Neuware.
Und doch scheint Musik im Second Hand Business zu sein. „Kleinanzeigen“, „Vinted“, „Wisemarkt“, „momox“ und co. florieren – Für Eltern ist es normal, für den Nachwuchs Produkte zu kaufen, die keine Neuware sind, jedoch noch gut genug für die eigenen Zwecke – und das eigene Budget.

 

Was hab ich davon?

Bleibt die Frage: Was habe ich als Hersteller davon außer Scherereien?
Zum Einen wäre da das Außenbild. Unternehmen, die ihren Produkten mehrere Nutzungszyklen zutrauen, scheinen von ihrer Ware überzeugt zu sein – und stehen dafür ein, wenn dem nicht so ist.
Zudem wird ein Hersteller, der seine Markenartikel auch als refurbished – Ware anbietet als achtsames Unternehmen wahrgenommen: Es hat schmalere Budgets der KundInnen sowie Ressourcenschonung im Blick – beides gebietet die Zeit.
Und last but not least: KäuferInnen, die zu einem gebrauchten Produkt meiner Marke greifen, vertrauen diesem scheinbar mehr als einem neuen Produkt des Wettbewerbs. Ein Pfund in der Markenpflege, das man auf keinen Fall vernachlässigen sollte.

„Ich bin kein Händler – schon gar kein Gebrauchtwarenhändler!“
Das Argument fehlender eigener Handelsstrukturen verfängt immer weniger. Denn kaum ein Hersteller hat keinen eigenen und selbst in vollem Umfang betriebenen Webshop. Und wie auch in klassischen Handelsbeziehungen gäbe es auch die Möglichkeit, Gebrauchtwaren über bestehende Handelspartner abfließen zu lassen.

Fit for 2nd life bei Vaude

Der Outdoor-Fashion-Hersteller Vaude, in vielen Belangen Vorreiter nachhaltiger Geschäftsstrategien, macht es auch hier seit Langem vor. In einer Partnerschaft mit ebay verkauft das schwäbische Unternehmen so gut wie neue Klamotten. Das Unternehmen kanalisiert auf der second hand Plattform Privatverkäufe seiner Produkte.

Aus der Reparaturwerkstatt anfallende Textilreste verkauft Vaude ebenfalls als DIY-Kreativmaterial über ebay. So entsteht weniger Müll, und NutzerInnen werden zusätzlich animiert, kleinere Reparaturen und Jazz-Ups selbst auszuführen.

Plan Toys mit Partnerschaft

Im Holzspielwarenbereich ist das thailändische Unternehmen Plan Toys dafür bekannt, die Nase im Bereich Nachhaltigkeit vorn zu haben. Eine der vielen Initiativen ist die Kooperation mit dem Second Händler Toycycle. Das Partnerunternhemen stellt sicher, dass einwandfreie Produkte auf den Zweitmarkt gelangen und kanalisiert so das Angebot an Produkten, deren NutzerInnen den Spielzeugen entwachsen sind.

Tonies goes second hand

Der Senkrechtstarter der Hörproduktebranche, tonies, kümmert sich um den Zweitmarkt dagegen selbst: Preloved Tonieboxen werden über den eigenen Onlineshop vertrieben, nachdem sie auf Herz und Nieren geprüft, instand gesetzt und mit neuer Garantie versehen den Weg zu ZweitkundInnen finden. Anders als bei den Hörfiguren, die nahezu neupreisig bei Kleinanzeigen gehandelt werden, da sie ja auch durch Nutzung keine Abnutzung erfahren, ist das technisch komplexere „Mutterprodukt“, also die Box selbst, sensibler: Akkus und Bedienelemente müssen gegebenenfalls durch den Partner minitec aus Hamburg ausgetauscht werden. Nur so kann der Hersteller die Gewährleistung wieder übernehmen.

Nachdenken schadet nicht

Egal wie man es wendet:
Viele Spielwaren können mehr als nur kurz einem Kind zu gefallen. Und auch wenn es im ersten Moment widersinnig klingen mag, nicht lieber mehr Neuware zu verkaufen, gibt es gute Argumente dafür, als Herstellerbetrieb auch den Zweitmarkt, Reparaturservices, Ersatzteilservices und Mietmodelle nicht zu vernachlässigen – und den eigenen Case zumindest ergebnisoffen zu durchdenken.

 

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