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Dallas und New York Toyfair abgesagt

Dallas und New York Toyfair abgesagt
J. Meister

Die Spielwarenmessen sagen peu à peu ihre Events ab. Zuletzt die New York Toy Fair im kommenden Februar, nachdem bereits bekannt war, dass die Herbstschau in Dallas nicht stattfinden wird.

 

Als Alternative bietet die Toy Association die „Toy Fair everywhere“ an, virtuelle Messewochen,um Herstellern, Händlern und Einkäufern die Möglichkeit zu bieten, auf dem Laufenden zu bleiben und Geschäfte voranzubringen. Auf Veranstalterseite sieht man sich nämlich verständlicherweise nicht in der Lage, den zu erwartenden Menschenmengen im Rahmen der Auflagen und gebotenen Sicherheitsmaßnahmen bei einer traditionellen Messe gerecht zu werden. Auch die Teilnahme internationalen Publikums ist natürlich angesichts der Pandemie-Entwicklung und der damit verbundenen Reiseeinschränkungen fraglich, sodass sowohl Einkäufer als auch Aussteller sehr stark mit einer Teilnahme an Messen und Großveranstaltungen hadern.

Hausmessen virtuell und stationär

Zahlreiche Hersteller rufen aus der Not geborene Hausmessen ins Leben. Virtuelle Showrooms, Videochats, Messetage, die teils im hauseigenen Showroom und in Zoom, Teams, Skype oder anderen Konferenzsystemen abgehalten werden. Doch den Neukunden, der „zufällig vorbeikommt“ wird man mit solchen Einzellösungen wohl nicht ansprechen können. Dafür bräuchte es konzertierte Events neuer Art.

Target dreht den Spieß um

Gemeinsam mit dem Handelsunternehmen Target ruft die Toy Association nun einen Preview Day aus. Hersteller, die Produkte aus den Bereichen STEM, Lernspielware und Aktivspielzeug anbieten, sind eingeladen, dem Händler exklusiv Neuheiten zu präsentieren. Hersteller, die bislang nicht an Target liefern, haben so die Möglichkeit, gesehen zu werden, und können sich bis 10.9. für einen Slot bewerben. Die Toy Association Mitglieder werden vorrangig behandelt.

Dieser Schritt ist insofern bemerkenswert, dass das Handelsunternehmen das Konzept der traditionellen Messen auf den Kopf stellt, und seine Marktgröße dafür nutzt, als Erster einen Exklusiv-Einblick in Sortimente erhalten kann. Für die Teilnahme am Innovationspitch zahlen die Unternehmen eine Gebühr von 500 USD, damit Target-Einkäufer einen Blick auf die Novitäten werfen.

Ob dies die Ultima Ratio für neuartige Messekonzepte und branchenweite Neuheitenschauen sein wird, wird sich zeigen. Klar ist jedoch, dass es auf keinen Fall einem Messekonzept entsprechen kann, das Neuheiten in der Regel frei an Interessenten offeriert, und Einkäufer diese entdecken müssen – und mit Wettbewerbern um etwaige Exklusivität und auch Preispunkte konkurrieren.

Druck auf andere Messen wächst

Da nun bereits Frühjahrsmessen abgesagt werden, wächst natürlich der Druck auf alle anderen internationalen Branchenevents, die in diesem Zeitraum stattfinden: Gelingt es ihnen, bis dahin überzeugende digitale oder hybride Konzepte ins Leben zu rufen und überzeugend zu verkaufen? Oder setzen sie weiter darauf, im Frühjahr zwar mit Einschränkungen aber im Grunde gängigem Konzept durchsegeln zu können?

Fest steht: Falls die Rahmenbedingungen sich in den nächsten Wochen nicht merklich verbessern, ist ein Festhalten an bestehenden Messezeitpunkten als Live-Events ein großer Unsicherheitsfaktor für Hersteller wie Händler, die ihre Mitarbeiter zu Messen entsenden müssen. Und Unsicherheit ist etwas, was auch unsere Branche nicht gut findet.
Das Gebot der Stunde sollte also heissen: Planungssicherheit durch überzeugende und tragfähige Konzepte auf digitaler Basis, und frühzeitiges Onboarding von Herstellern und Besuchern.

Natürlich ist allen klar, dass Online-Events keine Messe ersetzen können. Doch eine Veranstaltung auf wackeligen Beinen mit ungewisser Teilnahme tut das auch nicht.

SPIEL.digital als Benchmark-Projekt

Mit Spannung sehen die Spieleverlage beispielsweise der digitalen Version der SPIEL entgegen: Der veranstaltende Friedhelm Merz Verlag arbeitet hier an einer interaktiven Lösung, die seit diesem Frühjahr mit voller Kraft entwickelt wird. Und was bisher darüber bekannt ist, lässt hoffen. Spielercommunities aus aller Welt supporten das Projekt, es wird zahlreiche Möglichkeiten für Consumers und Business-Publikum geben, eine möglichst façettenreiche und „normale“ Messe zu erleben – und es wird die Möglichkeit des Einkaufs ermöglicht.

 

Es tut sich was im Messewesen – und wir werden im Herbst und Frühjahr viel Umbruch erleben. Ob es ein „Back to normal“ so schnell wieder geben wird, ist ebenso ungewiss wie die Art des Match- und Business-Making der nahen Zukunft.