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Meisterpflicht für Holzspielwarenmacher

Meisterpflicht für Holzspielwarenmacher

Seit Anfang des Jahres besteht für einige Ausbildungsberufe wieder Meisterpflicht. Unter anderem für den Beruf des Holzspielwarenmachers.
Viele Länder schauen neidvoll auf die handwerkliche Ausbildung in Deutschland. Die Meisterpflicht ist ein Standbein hierbei: Sie sichert sowohl Ausbildungsqualität als auch Handwerksqualität – und gewährleistet einen gewissen Schutz vor Produkten ungelernter Kräfte und nicht qualifizierter Unternhemen.


Die Neuregelung – also die Verpflichtung, einen Handwerksmeister im Betrieb haben zu müssen – betrifft jedoch nicht bestehende Unternehmen, sondern nur solche, die neu in einem Gewerk beginnen möchten.

Konkret heisst das für Schreinerbetriebe also, dass sie nur dann Holzspielwaren herstellen und vermarkten dürfen, wenn eine entsprechend qualifizierte Person im Betrieb beschäftigt ist – und ggf. auch mit der Ausbildung angehender Holzspielwarenmacher betraut ist. Es sei denn, das Unternehmen fertigte bereits vor der Neuregelung Holzspielwaren.

Holzspielwarenproduzenten in Deutschland

Die meisten Hersteller für Holzspielwaren, die derzeit in Deutschland fertigen, sind Traditions- und Familienunternehmen. Ihre Betriebe existieren seit mehreren Generationen, und sind somit von der Neuregelung ausgenommen. Sie beschäftigen zumeist Holztechniker und Schreiner(meister) – jedoch keine gelernten Spielzeugmacher. Und ohnehin machen deutsche Fertigungen nur einen Bruchteil des Marktvolumens der Holzspielware aus. Der Großteil der Produkte ist – wie bei allen Spielwaren – Importware. Selbst wenn Verwaltung oder auch Konstruktion also einen deutschen Sitz haben, greift die Regelung hier nicht.

Aufgrund der Preissensibilität von Spielwaren und des Marktdrucks ist zudem wohl nicht davon auszugehen, dass viele Tischlereibetriebe sich dem Feld der Spielwaren widmen.

Holzspielwarenhersteller Björn Rülke sieht dies ähnlich:

Björn Rülke, GF Rülke GmbH

„Auch wenn diese Regelung unser Unternehmen nicht direkt betrifft, finde ich es überraschend, dass der Beruf des Holzspielzeugmachers / Drechslers mit in die Auswahl hinsichtlich der erneuten Einführung der Meisterpflicht fällt. Sicherlich ist hier vor allem das Thema Qualität bzw. Spielzeugsicherheit von Holzspielwaren ein wichtiger und ausschlaggebender Punkt der berücksichtigt wurde bzw. werden muss, mit Einführung der Meisterpflicht wird jedoch gerade im Hinblick auf Neugründungen bzw. Unternehmensnachfolge dem Beruf und der Branche kein Gefallen getan. Die kleineren Handwerksbetrieb der Holzspielzeugbranche bzw. Drechslerei und Volkskunst sind sowieso bereits von Nachwuchssorgen und starker Bürokratiebelastung, wieder Kleinbetrieb und Handwerker, geplagt. Im Bereich der erzgebirgischen Volkskunst/Holzspielzeugmacher gehe ich davon aus, dass in 5-10 Jahren nur  noch 50 % der Betriebe existiert, da aktuell bereits kein Nachfolger oder Neugründer vorhanden ist. Junge Unternehmer zu finden die in diesen Bereich einsteigen wird durch eine Meisterpflicht nicht einfacher. 

Die größeren, industriell herstellenden (Holz)Spielzeugbetriebe, soweit diese überhaupt in Deutschland produzieren, sind von dieser Regelung nicht betroffen. Eine derzeit allgemein zu beobachtende Konzentration der Herstellungskapazitäten auf große oder zumindest mittlere Betriebsgrößen wird damit noch weiter verstärkt.“

Wozu also die Regelung?

Auf den ersten Blick scheint die Regelung also wenig Sinn zu ergeben. Auswirkungen wird sie zunächst wohl nur auf Betreiber kleiner Marketplace – Shops haben, die die Herstellung von Spielzeugen als neue Geschäftsidee etablieren wollen. Diese waren bislang nur den Regelungen zur Produktsicherheit verpflichtet, und konnten auch ohne entsprechende Ausbildung Spielware herstellen.

Dennis Gies, Geschäftsführer bei Toynamics, sieht beide Seiten: Einerseits zielt die Meisterpflicht auf eine Verpflichtung zu handwerklicher Qualität ab, andererseits hat sich die Industrie so verändert, dass die Neuregelung wohl am Markt vorbei geht:

Dennis Gies, GF Toynamics

„Die Meisterpflicht als deutsches Qualitätssiegel ist meiner Meinung nach etwas, das wir wahren sollten. Aus einer Handwerksfamilie stammend kann ich die Meisterpflicht in Bezug auf Qualitätsarbeit sowie dem damit einhergehenden Vertrauen in den jeweiligen Handwerksbetrieb nachvollziehen.

Aus beruflicher Perspektive hat sich die Herstellung von Holzspielwaren in den letzten Jahren jedoch stark verändert, von handwerklichen Betrieben hin zu effizienten, industriellen  Betrieben. Aus diesem Grund glaube ich, dass die Einführung der Meisterpflicht für Drechsler und Holzspielzeugmacher wenig Einfluss auf die Spielwarenbranche hat, jedoch definitiv ein richtiges Zeichen für qualifizierte Fachkräfte ist.“

Dass die Regelung für große deutsche Holzspielwarenhersteller nicht von Belang ist, sekundiert auch die HABA Group. Diese beschäftigt – obgleich sie viele Holzspielwaren in Deutschland produziert – keine Holzspielzeugmacher(meister). Wolfgang Pöhlau freut sich dennoch über die handwerkliche Qualität in seinem Betrieb:

VP Marketing & Sales HABA

„Bei unseren Spielen und Spielsachen setzen wir auf einzigartiges Design und legen größten Wert auf Qualität und Sicherheit. Doch dieser Qualitätsanspruch bezieht sich nicht nur auf unsere Produkte, sondern auch auf die Aus- und Weiterbildung unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. So bilden wir bei uns im Unternehmen im gewerblichen Bereich seit vielen Jahren Holzmechaniker aus, die sich nach ihrer Ausbildung im jeweiligen Fachbereich weiterbilden können – zum Beispiel zum Schreinermeister oder Holztechniker sowie zum technischen Fachwirt oder technischen Betriebswirt. Übrigens kam „Deutschlands bester Holzmechaniker“ auch im vergangenen Jahr wieder aus der HABA-Firmenfamilie – zum zwölften Mal seit 2006.“

Nur eine Ausbildungsstätte

Das Zentrum der Holzspielware und Drechselkunst ist traditionell das Erzgebirge.

Noch immer werden hier in kleinen und mittleren Unternehmen traditionelle Holzkunst-Erzeugnisse und auch Spielwaren gefertigt, und auch zum Holzspielzeugmacher und Drechsler ausgebildet, wie zum Beispiel hier bei Wendt & Kühne:

Am Standort Seiffen betreibt das Berufliche Schulzentrum für Ernährung, Technik und Wirtschaft des Erzgebirgskreises auch einen Ausbildungszweig zum Holzspielzeugmacher. Den einzigen deutschlandweit. Aktuell werden dort 33 Lehrlinge ausgebildet, 23 davon im Rahmen der Verbundausbildung Holzspielzeugmacher. Einen Meisterkurs gibt es derzeit nicht.