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Kontrovers und wichtig: Bücher vom Klett Kinderbuchverlag

Kontrovers und wichtig: Bücher vom Klett Kinderbuchverlag
J. Meister

Die Herbstnovitäten des Klett Kinderbuchverlages sind da. Und wie gewohnt, sind es keine Bücher über eine heile Welt und rosarote Traumschlösser. Es sind Titel mit Ecken und Kanten. An denen man sich reiben kann und die Fragen aufwerfen.

Monika Osberghaus im Interview

 

Im November vergangenen Jahres berichteten wir über den Wirbel, den das Buch „Alles lecker!“ verursacht hat: Auf sozialen Medien wurde der Klett Kinderbuchverlag für sein sieben Jahre altes Buch angegangen – und zwar aufgrund einer Illustration, die vergleichend zwei Arten der Tierhaltung zeigt: Die konventionelle sowie die ökologische.

In Folge gingen – die Stimmung unter den Landwirten war ohnehin aufgeheizt – Schweinezüchter auf die Barrikaden, unterstützt vom Bauernverband.

Der Verlag reagierte auf die Kritik, und sah noch mal genauer hin: Waren die Darstellungen wirklich fehlerhaft? Und wie sieht die Aufzucht von Tieren tatsächlich aus?

Mittlerweile ist besagtes Buch in der 5. Auflage erhältlich. Mit geänderter Illustration. Das gescholtene „Futter mit Wachstumsmitteln“ ist nicht mehr Teil der Darstellung (Und auch nicht mehr erlaubt bei der Tierhaltung) – jedoch wurden den Schweinen im neuen Buch die Ringelschwänzchen kupiert – wie es auch im echten Stall der Fall ist.

Umstrittene Seite in überarbeiteter Neuauflage

Ob das Buch wieder so viel Sprengkraft haben wird, bleibt abzuwarten.

Bauernhöfe wie sie wirklich sind

Neben diesem Titel, der sich eigentlich mit Fragen rund um unsere Nahrung beschäftigt, hat der Klett Kinderbuchverlag jedoch nun ein weiteres Buch im Programm, das die Landwirtschaft behandelt.

Die Autorin und Illustratorin Lena Zeise zeigt in ihrem liebevoll illustrierten Buch, wie Bauernhöfe wirklich aussehen. Der Titel des Buches: „Das wahre Leben der Bauernhoftiere„.

Hier wird nichts geschönt, aber auch nicht sensationslüstern mit dem Finger gezeigt. Vielmehr ist der Titel ein Anstoß zum Nachdenken und Hinterfragen. Zum mehr-wissen-wollen. Und vielleicht mal selbst auf einen Bauernhof gehen, um nachzusehen, wie es da so aussieht.

Genau diesen Charakter liebt die Verlegerin Monika Osberghaus an Büchern. Im Interview erzählt sie uns, mit welcher Motivation sie den Klett Kinderbuchverlag gründete: Die Kinderbücher, die es damals gab, brachten ihr zu „lillifeehafte“ Titel heraus. Die Welt in Kinderbüchern ist heil. Und rosarot. Dem setzt Osberghaus das wahre Leben entgegen. Und Perspektiven, die Kinder spannend finden und zum Fragen anregen. Natürlich ist das auch für Eltern da und dort unbequemer als das Lesen eines unverfänglichen Büchleins. Doch nachhaltiger ist es wohl auch.

Nachdem die beiden Titel erwartungsgemäß erneut die Wellen auf Facebook höher schlagen ließen, konstatiert Osberghaus: „Der Shitstorm war auf die Plattform begrenzt, und irgendwie schärfer als der Vorige. Die Fronten sind klar verhärtet.“

Und so hat sie gemeinsam mit ihrem Mann bereits Recherchen zu einem weiteren Buch über Tierhaltung aufgenommen – denn den Lobbyisten und Verbänden möchte sie die Deutungshoheit nicht allein überlassen.

Eine Wiese für alle

Ein weiterer Titel findet sich in den Herbstneuheiten, den Osberghaus LeserInnen ans Herz legt:

Eine Wiese für alle“ ist eine Parabel, die die Geschichte eines Schafes erzählt, das im Boot an einer Steilküste anlandet. Oben stehen Schafe, die es natürlich schrecklich finden, dass das arme Schaf so allein im klapprigen Boot daherkommt – und werfen ihm sogleich einen Eimer zu, damit das Boots-Schaf das Wasser wieder aus dem morschen Boot schöpfen kann.

Die Flut setzt ein – und die Schafherde teilt dem am Fuße der Klippe untergehenden Schaf sein Bedauern mit.

Gefolgt von einer schwarzen Doppelseite.

Die LeserInnen werden dann im Buch aufgefordert, darüber nachzudenken, ob sie helfen möchten.

Und je nachdem, wie sie sich entscheiden geht die Erzählung weiter – oder eben nicht.

Empfohlen wird das Buch von der UNO Flüchtlingshilfe, und die Erlöse gehen in Flüchtlings- Hilfsprojekte in Ostdeutschland.

Sprache soll offen und ehrlich sein

„Man kann Kindern einiges zumuten. Und sie wollen Dinge wissen und verstehen“, sagt Osberghaus über Titel aus ihrem Verlag. Und so ist es auch mit der Sprache. Die darf gern deftig sein. Und offen. Auch wenn sie sich wandelt. Das „Mohrenkopfbrötchen“ wurde so zum Beispiel aus den Büchern gestrichen. „Weil die Kinder das Wort auch nicht mehr aus ihrem Sprachgebrauch kennen“, wie Osberghaus erklärt. Aber sonst traut das Verlagssortiment Kindern durchaus zu, selbst zu bewerten, wie Sprache wirkt und wie man sie verwenden sollte. Im Zweifelsfall mithilfe der Eltern. Denn Lehrbücher, so betont Osberghaus, bringe der Verlag auf keinen Fall heraus.