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Deutschland spielt, bastelt und puzzelt – die Industrie in Zahlen

Deutschland spielt, bastelt und puzzelt – die Industrie in Zahlen
E. Stemmer

Auf der diesjährigen Pressekonferenz des DVSI, BVS und der npdgroup wurden erneut die Zahlen der Spielwarenindustrie veröffentlicht – trotz Corona-Pandemie darf sich die Spielwarenbranche wohl zu den „Krisengewinnern“ zählen, da die Nachfrage nach Spielwaren in den ersten 10 Monaten des Jahres außerordentlich groß war. Das veränderte Freizeitverhalten in Deutschland lässt so die Branche um 172 Mio. Euro (Januar bis Oktober 2020) wachsen.

Eine krisensichere Branche

Während Deutschland laut Sachverständigenrat 2020 einen Rückgang des realen Bruttoinlandsprodukts um 5,1% verkraften muss, trotzt die deutsche Spielwarenindustrie der Krise. Die Branche erweist sich laut DVSI zudem als „ein Beschäftigungsanker in rauer See“. Stieg die Erwerbslosenquote auf 6% Ende Oktober, bauten die deutschen Spielwarenhersteller 2020 per Saldo kein Personal ab, sondern 28% der vom DVSI befragten Spielwarenunternehmen schafften im Vergleich zum Vorjahr sogar etwas mehr Stellen. 

Ulrich Brobeil, Geschäftsführer, DVSI

Dass die Spielwarenbranche wächst – darüber sind sich die npdgroup, der BVS und der DVSI einig. 

Mit einer Steigerung von 11% im Vergleich zum Vorjahr hat sich gemäß den Zahlen der npdgroup der deutsche Spielwarenmarkt auch im europäischen Vergleich (G5 = +4%) deutlich absetzen können. Zu den G5-Ländern zählt die npd group UK, Frankreich, Italien, Spanien und Deutschland.

Warum wurden in Deutschland mehr Spielwaren konsumiert als in anderen Ländern?

Laut der npdgroup liegt das an den unterschiedlichen Lockdown-Maßnahmen und der deutschen Versandhaus-Historie. 

Während in einigen europäischen Ländern nur noch Lebensmittel und Grundbedarf in den Geschäften verkauft wurden, waren in Deutschland Spielwarenprodukte in Lebensmittelgeschäften, Super- und Hypermärkten sowie in Teilen der Drogerieketten weiterhin erhältlich. 

Der zweite wichtige Aspekt liegt im starken Onlinegeschäft. Deutschland hatte schon in den vergangenen Jahren mit 42% einen hohen Online-Anteil. Das hängt unter anderem damit zusammen, dass Deutschland eine große Versandhaus-Historie hat, und damit der Verbraucher den Online Vertriebsweg schneller akzeptiert als in vielen anderen europäischen Ländern.

Die Corona-Pandemie und die damit einhergehenden Beschränkungen stellen den Alltag der meisten Menschen völlig auf den Kopf. Zuhause bleiben heißt die Devise und da will sich beschäftigt werden. Das spiegelt sich auch in den aktuellen Zahlen wider. Stark zulegen konnten demnach die Segmente Arts & Craft (+19 % Januar-Oktober 2020) und Spiele und Puzzle (+24 % Januar-Oktober 2020). Dass Kinder aufgrund von fehlenden Urlauben viel Zeit im Garten oder auf dem Balkon verbracht haben, lassen die steigenden Zahlen im Bereich Outdoor-Spielzeuge vermuten (+18 % Januar-Oktober 2020). 

Steffen Kahnt, Geschäftsführer des Handelsverband Spielwaren (BVS) bestätigt die positiven Zahlen:  „Die Spielwarenhändler sind die Gute-Laune-Lieferanten, auch wenn nichts mehr geht. Zwei Lockdowns und eingeschränkte Freizeitaktivitäten haben dafür gesorgt, dass die Deutschen in 2020 deutlich mehr Geld für Spiele, Basteln & Co. ausgeben.“ Der BVS rechnet über alle Vertriebswege mit einem Umsatzplus von 8 % in 2020. Damit würde der Inlandsmarkt von 3,4 Mrd. Euro in 2019 (zu Endverbraucherpreisen, Basis: consumer panel npdgroup deutschland) auf mindestens 3,7 Mrd. Euro in 2020 wachsen. 

Spielend durch die Krise

Die Umsätze im Bereich Games & Puzzle haben sich um mehr als 50 Mio € gesteigert. Dadurch hat die Kategorie den höchsten Zuwachs erzielt und ist damit die zweitgrößte Warengruppe nach den Building Sets. 

Die Exit Games und die Siedler von Catan aus dem Hause Kosmos, Monopoly von Hasbro und Uno von Mattel verzeichnen hier den höchsten Zugewinn und zeigen die verstärkte Nachfrage nach bekannten Spielen und etablierten Marken.

Outdoor & Sport – Der zweite Kategorie-Gewinner

Das zweitgrößte Wachstum, mit mehr als 30 Mio € Zugewinn, kommt aus dem Bereich Outdoor & Sport. Wenn sich Kinder während der Corona Beschränkungen vermehrt im heimischen Umfeld beschäftigen müssen, bieten Produkte aus dieser Kategorie eine gute Möglichkeit den Bewegungsdrang auszuleben. Zu den meistverkauften Artikeln gehört z.B. der Big Wheel Scooter von Hudora, das Bobby Car von BIG und die Nerf Serie von Hasbro. Auch der Bereich der Spielhäuser und Rutschen konnte deutlich zulegen. Hier sind es vor allem Produkte der Marke Smoby, welche stark nachgefragt sind. 

Zugewinne der Produktkategorien – Verlierer der Corona-Krise sind Plüschprodukte.

Welche Hersteller zeigen das größte Wachstum?

Lego hat den größten zusätzlichen Umsatz erzielt und konnte in diesem Jahr vor allem mit der Lego Star Wars Serie punkten. Als Neuheit funktioniert auch die Mario Brothers Linie sehr gut und trägt ebenfalls zum großen Wachstum des Unternehmens bei.

Nach Kosmos kann Hasbro mit Disney Frozen und Play-Doh stark wachsen. Ravensburger steigert seine Umsätze hauptsächlich über Disney Frozen und Tiptoi Produkte. Bei Mattel sind es vor allem die Barbie, das Kartenspiel Uno und die Hot Wheels, welche das Wachstum treiben. 

Alleine diese fünf Hersteller stehen im aufgelaufenen Jahr für über 40% der Umsatzsteigerung des Marktes. 

Auch die Hersteller Schleich, Playmobil, Schmidt Spiele, Simba und Spin Master haben es in die Top 10 der am stärksten wachsenden Hersteller geschafft. 

Wo wird Spielware gekauft?

Vor allem Unternehmen mit Online-Shop, Lebensmittelhändler und Verbrauchermärkte profitieren in 2020 davon, dass der stationäre Spielwaren-Fachhandel über viele Wochen schließen musste.

Obwohl die Spielwaren-Fachgeschäfte beim zweiten Lockdown öffnen dürfen, gehen die Händler mit gemischten Gefühlen ins Weihnachtsgeschäft. Ausfallende Weihnachtsmärkte und die geschlossene Gastronomie dämpfen die gewohnte vorweihnachtliche Einkaufsstimmung.

 

„Aktuell sind weniger Kunden in den Geschäften, die dafür aber gezielter und mehr einkaufen. Viele Menschen kaufen aber gerade jetzt bewusst bei ihrem Spielwarenhändler vor Ort und unterstützen so mit einem neuen Lokalpatriotismus das Geschäft um die Ecke.“ 

macht Kahnt den stationären Händlern Hoffnung für das Weihnachtsgeschäft.