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Corona-Tipps mit Wiwaldi – Interview mit Martin Reinl

Corona-Tipps mit Wiwaldi – Interview mit Martin Reinl
E. Stemmer

Sie sind frech, sie sind laut und sie sind witzig – in der „Wiwaldi Show“ haben die Puppen das Sagen. Das freche und unkonventionelle Ensemble ist die deutsche Antwort auf die Muppets. 

Die Figuren stehen für die unterschiedlichen Arten des Humors – ob Kalauer, reiner Wortwitz, Slapstick oder ganz subtil – das Puppenensemble spiegelt alle Facetten der menschlichen Stärken und Schwächen wieder und bietet so für jeden Zuschauer ein hohes Identifikationspotenzial. Auch während der Coronakrise.

Bekannt wurde Wiwaldi – der Hund aus der Kult-Sendung „Zimmer frei!“ und Gastgeber der ersten deutschen Puppen-Late-Night-Show „Die Wiwaldi Show“. Ihm zur Seite standen seine überaus beliebten Kollegen und Sidekicks das alte Zirkuspferd Horst-Pferdinand, Assistentin Charming Traudl, der betrunkene blaue Hai, Pitbull Purzel, der grimmige Kakerlack, der depressive Jammerlappen und das kölsche Ehepaar Flönz (aus Nippes). 

Wiwaldi & Co sind Comedy in all ihrer Vielfältigkeit. Martin Reinl, CEO der bigSmile Entertainment GmbH, entwirft und baut mit Unterstützung alle bigSmile-Figuren selbst und ist neben seinem Geschäftspartner Carsten Haffke Hauptpuppenspieler sowie Autor aller Produktionen.

copyright: bigSmile/Danny Frede

Herr Reinl, es ist schön zu sehen, dass Wiwaldi und seine Crew auch während der Coronakrise ihren Humor nicht verloren haben. Sie produzierten anlässlich der Coronakrise ein paar humorvolle Videos unter dem Hashtag #stayhome, in denen Sie Hamsterkäufe und Hygienetipps ansprechen. Was war Ihre Motivation diese Videos zu veröffentlichen?

Es war tatsächlich die „Zwangspause“, die Wiwaldi und seine Freunde auferlegt bekamen. Durch Corona mussten wir erstmal unsere aktuellen Live-Auftritte absagen und auch die TV-Produktionen müssen ein wenig verschoben werden. Damit den Puppen und mir nicht langweilig wird, haben ich angefangen, kleine Clips und Gags für unsere Fans bei mir zuhause aufzunehmen…und es enwickelte sich daraus der kreative Ehrgeiz, jeden Tag eine kleine Pointe raus zu hauen.    

Wiwaldi ist Kult, vor allem bei Erwachsenen. In Ihrem Sortiment haben Sie aber nicht nur Wiwaldi, Sie sind „Vater“ von diversen Puppen – wie entstehen neue Charaktere, was für ein Arbeitsprozess steckt hinter einer Puppe, bis sie zum Leben erweckt ist?

Das ist immer unterschiedlich. Manchmal hat man ein Drehbuch, das eine bestimmte Figur verlangt, manchmal hat man einfach nur die Idee für einen verrückten Charakter, der einem im Ensemble noch fehlt. Vieles entsteht bei uns auch durch die Improvisation…das Ehepaar Flönz, der betrunkene Hai oder das alte Zirkuspferd Horst-Pferdinand sind nur entstanden, weil wir mit den Puppen herumgealbert haben.

Der Bau einer Puppe läuft dagegen immer ähnlich ab. Es beginnt mit einer kleinen Skizze, die dann schrittweise durch Schaumstoff, Filz, Fell und jeder Menge Klebstoff und Hörspielbegleitung in eine reale Puppe umgesetzt wird.

Vor vielen Jahren studierten Sie Kommunikationsdesign. Heute sind Sie der vermutlich berühmteste deutsche Puppenspieler und auch Ihre Stimme kennt man aus vielen Zeichentrickfilmen, da Sie nebenbei noch als Synchronsprecher arbeiten. War es schon immer Ihr Ziel, Puppenspieler zu werden?

Wenn ich mir alte Kinderfotos ansehe, auf denen ich fast immer irgendeine Puppe auf dem Arm halte…muss ich zugeben: Scheinbar war es das wirklich! 

Hat ein Puppenvater eine Lieblingsfigur?

Ich beantworte diese Frage gerne mit den Worten „Man fragt eine Mutter auch nicht, ob sie ein Lieblingskind hat!“. Zu einigen meiner Figuren habe ich vielleicht eine nähere Bindung, weil man mit ihnen mehr erlebt hat, als mit anderen. Einige sind auch näher an meiner Persönlichkeit dran als andere…aber ich werde nicht verraten, welche das sind.

2019 gewannen Sie den Kindermedienpreis „Goldener Spatz“ sowohl für die SuperRTL-Figur Woozle Goozle, als auch für Ihre beiden Erdmännchen Jan & Henry. Herzlichen Glückwunsch! Sind solche Auszeichnungen die Anerkennung, die einen Puppenvater mit Stolz erfüllen?

Über Preise freut man sich natürlich immer. Der „Goldene Spatz“ war umso mehr eine Freude, weil die Jury aus Kindern -also der konkreten Zielgruppe- bestand. 

Mit Ihren Puppen begeistern Sie Kinder und Erwachsene – welche Zielgruppe unterhalten Sie lieber?

Tatsächlich mache ich da keine Unterschiede. Ich versuche bei allem, was ich mache beide Seiten anzusprechen. Unsere Kinderproduktionen haben auch immer noch eine Humorebene drin, die sich an die Erwachsenen richtet und umgekehrt. Das Wichtigste für mich und mein Team ist, dass wir selbst Spass an der Arbeit und dem Endprodukt haben. Ist das der Fall überträgt sich der Spass automatisch auch auf das Publikum, egal ob jung oder alt. 

In der Spielwaren- und Lizenzbranche wird die Coronakrise deutliche wirtschaftliche Spuren hinterlassen – wie wirkt sich die Krise auf Ihr Business aus?

Unsere eigentlichen Produktionen hängen wie gesagt gerade ein wenig in der Warteschleife…aber ich spüre eine große kreative Energie, die nun wiederum freigesetzt wird. Ich merke auch, dass die Menschen gerade jetzt wieder danach gieren, abgelenkt und unterhalten zu werden. Wir bekommen sehr viel positive Resonanz auf unsere kleinen Clips.

Wie in so vielen Branchen, versuchen wir alle, die Zeit der Krise durchzustehen, gesund zu bleiben und eine wirtschaftliche Schräglage zu verhindern. Gibt es etwas, das Sie unserer Branche mit auf den Weg geben möchten?

Wascht Euch immer fleißig die Hände! 

Wir danken Ihnen für das Interview.