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Wird die Spielanleitung revolutioniert?

Wird die Spielanleitung revolutioniert?

Deutsche brauchen detaillierte Anleitungen, Chinesen lesen keine Anleitung – Amerikaner und Franzosen brauchen das nun nicht mehr, denn Days of Wonder stellt Alexa Skills für Ticket to Ride vor!

Eine Studie der Postbank hat ergeben, dass 32 Prozent der Menschen in Deutschland digitale Sprachassistenten verwenden. Bei den Jüngeren unter 40 Jahren sprechen 48 Prozent mit Siri oder mit Alexa. Millionen von Amazon-Geräten laufen mit Alexa, dem Cloud-basierten Service von Amazon. Über Skills, das sind intuitiv zu steuernde Services, lassen sich mit Sprache und moderner künstliche Intelligenz  die Grenzen der Technik erweitern. Nun hat der erste Spieleverlag diese Days of WonderTechnologie für sich genutzt und versucht die Art und Weise, wie Spieler Brettspiele erlernen können, zu revolutionieren.

Spielanleitung via Alexa

Das Spiel-des-Jahres prämierte „Ticket to Ride“ („Zug um Zug“)  von Alan R. Moon kann derzeit auf Englisch oder Französisch über Alexa Skills erlernt werden. Zug um Zug ist eine abenteuerliche Zugfahrt quer durchs ganze Land. Die Spieler sammeln passende Karten verschiedener Waggonarten und versuchen, viele Städte miteinander zu verbinden, indem sie die Bahnstrecken auf der Landkarte Nordamerikas oder Europas geschickt nutzen. Je länger die Routen sind, desto mehr Punkte gibt es dafür…

In den Vereinigten Staaten, Großbritannien und Frankreich sind nun die offiziellen und kostenlosen Skills für „Zug um Zug“ und „Zug um Zug Europe“ seit Mitte November verfügbar. Mit den Worten „Alexa, launch Ticket to Ride“ werden die Spieler auf eine geführte Tour, vom Setup bis zum Ende des Spiels, begleitet. Unabhängig vom Erfahrungsgrad der Spieler bieten die Skills neuartige Spiel- und Lernmöglichkeiten. Für diejenigen, die neu im Spiel sind, bieten sie die vollständige Regelkunde. Erfahrene Spieler können die Anleitungen überspringen und andere hilfreiche Werkzeuge verwenden, die Teil der Skills sind.

Die Skills passen sich der Anzahl der Spieler an und verfolgen ihre Züge, die längste Strecke, Punkte und mehr. Sie fungieren auch als digitaler Spieler für Gruppen, die eine zusätzliche Person suchen oder für jemanden, der ein Solospiel gegen das Skill spielen möchte. Während ein   Spieler an der Reihe ist, bieten die Skills thematische Hintergrundmusik und Soundeffekte, um die Welt von Zug-um-Zug zu erleben..

Ungeduldige Spieler sind die Zielgruppe

Immer mehr Kunden und auch Spieler werden immer fauler und ungeduldiger. Das Erlernen eines Gesellschaftsspiels erfordert oft Geduld. Jeder hat es schon erlebt: Das Kind bekommt ein Spiel geschenkt und dann muss es auch schnell ausgepackt, erklärt und gespielt werden. Für Mütter oder Väter eine Herausforderung an die Nerven. Komplizierte, seitenlange Anleitungen werden in China oder den USA gar nicht mehr gelesen – Produkte werden uninteressant! Da aufwendige Spiele meist schwierig zu verstehen sind und das intuitive Erlernen oft unmöglich ist, müssen Verlage umdenken. Die Anforderungen der Kunden haben sich geändert! Leider bestimmt nicht der Autor oder der Verlag wie der Kunde zu ticken hat, sondern am Ende der Kunde selbst – Leider oder zum Glück!

 

Days of Wonder erklärt: „Wir sind sehr daran interessiert, dass die Spieler die kostenlosen Skills von Zug um Zug erleben. Weitere Sprachen und Gebiete werden in Kürze unterstützt, um sicherzustellen, dass Spieler auf der ganzen Welt Zug um Zug auf eine innovative und moderne Weise erlernen und spielen können.“

Auch Ravensburger arbeitet mit Alexa

Marko Hein, Group Director Digital, Ravensburger AG: „Zum einen waren wir mit unserer „Wieso? Weshalb? Warum?“ Skill für Alexa und Google vor knapp zwei Jahren sehr früh dabei. Hier habe wir schon rechtzeitig erkannt, dass das Umfeld der Sprachassistenten ein Wachstumsfeld und eine spannende Technologie ist, dem wir uns näher widmen müssen. Kinder können nun auch spielerisch WWW Inhalte interaktiv für die Sprachassistenten erleben.

Weiterhin haben wir letztes Jahr in einer Kooperation mit Google ein Produkt auf den Markt gebracht, dass den Sprachassistenten von Google im Zentrum hat. Mit „Google kNow“ bieten wir ein Trivia Game, in dem Google Antworten liefert – und natürlich immer basierend auf der individuellen Situation des Spielers (z.B. Ort). Hier haben wir versucht, die Sprachtechnologie in ein Kernprodukt zu integrieren, um so ein neues Spielerlebnis zu bieten.

Über die Möglichkeit von Anleitungen über Sprachassistenten haben wir auch schon nachgedacht, dies bislang noch nicht umgesetzt. Zum einen muss sichergestellt sein, dass ein Großteil der Kunden auch über einen Sprachassistenten verfügt. Weiterhin muss ein Sprachassistent auch dort steht, wo das Spielgeschehen stattfindet. Deswegen denke ich nicht, dass Sprachassistenten die haptische Anleitung kurzfristig ersetzen werden, aber es kann dennoch ein interessanter Mehrwert für Kunden sein, die gerne mit Sprachassistenten arbeiten.“

Das digitale zieht immer mehr in die Brettspielbranche ein.

Prof. Dr. Jens Junge, Direktor des Instituts für Ludologie: Spielehersteller müssen nicht unbedingt den Schritt zum Hybridspiel angehen, aber sie sollten unbedingt über eine bessere Aufbereitung und Vermarktung ihrer Spiele nachdenken. International sind Brettspiele nicht so traditionell etabliert, wie in Deutschland. Analoge Brettspiele muss man kennen, oder man benötigt einen „Erklärbären“ für komplizierte Spielanleitungen. Dies ist DER elementare Nachteil der Brettspiele gegenüber digitalen Spielen.

Eine zu lesende Spielanleitung ist für viele Menschen als ínteressierte Gelegenheitsspieler eine hohe Zugangshürde, besonders auf den potentiellen, großen Märkten China und USA. Dort ist der Umgang mit digitalen Assistenten schon viel ausgeprägter, als in Deutschland. Aber auch hier erleben wir, dass z.B. aus der Brettspieldatenbank von spielen.de die Spielanleitungen per PDF heruntergeladen werden, um sie sich digital vorlesen zu lassen. Manches Mal will jemand auch gar nicht die Anleitung von A-Z lesen und benötigt nur die Antwort für eine Detailfrage. Dann wäre es schön, digitale Sprungmarken in die Anleitung zu nutzen. „Wie ist das mit der Ressourcenverteilung?“ Die Brettspielverlage sollten sich überlegen, für den internationalen Markt Spiele auszudenken, die geringe Einstiegshürden haben, darüber hinaus, die Spielanleitung nicht nur zu drucken oder als PDF digital zur Verfügung zu stellen, sondern auch ihre Spiele für Sprachassistenten und Datenbanksysteme mehrsprachig so aufzubereiten, dass alle relevanten Informationen zum Spiel und zur Spielanleitung schnell und ohne Hürden verbal zu erschließen sind.

Dies gehört zu den Erkenntnissen unserer Ergebnisse einer Studie zu digitalen Assistenten auf Smartphones und den Übergang zu Hybridspielen.

www.ludologie.de