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Ein schweres Jahr für die VEDES AG – Dr. Märtz im Gespräch

Ein schweres Jahr für die VEDES AG – Dr. Märtz im Gespräch
E. Stemmer

„Wir lassen Kinderherzen höher schlagen“ – das ist der Slogan der aktuellen Werbekampagne der VEDES AG, die ca. 700 Spielwarenhändler und Markenpartner an über 900 Standorten in sieben europäischen Ländern unter einem Dach vereint.

Höher schlug bestimmt auch hin und wieder in diesem turbulenten Jahr 2020 das Herz von Herrn Dr. Märtz, dem Vorstandsvorsitzenden der VEDES AG. Pandemiebedingt lief in diesem Jahr nicht alles wunschgemäß, doch die VEDES blickt mit großer Zuversicht in die Zukunft.

Wir konnten Herrn Dr. Märtz für ein kurzes Interview (zum Hören als Podcast oder zum Lesen) zum Jahresende gewinnen, der für uns die letzten Monate resümiert und einen Ausblick in 2021 gibt.

 

Wie wir alle wissen, hat es das Jahr 2020 in sich – es ist bei vielen Unternehmen ganz anders gelaufen, als es noch vor 12 Monaten geplant war… So auch bei der VEDES. Herr Dr. Märtz, Mitte Oktober wurde kommuniziert, dass das Konzernergebnis durch den Corona-bedingten Sondereffekt belastet wurde. Möchten Sie die letzten 11 Monate der VEDES AG bitte kurz für unsere Hörer zusammenfassen?

Nach einem erfolgreichen Jahr 2019 ist die VEDES gut ins neue Jahr 2020 gestartet. Die Corona-bedingte Schließung der stationären Spielwarengeschäfte im Frühjahr hat natürlich zu Umsatzeinbußen geführt. Einen Teil davon konnte die VEDES in den Vertriebsbereichen Lebensmitteleinzelhandel und Online kompensieren, aber das hat bei weitem nicht ausgereicht. Bei unseren Mitgliedern hat sich die Umsatzentwicklung in den Monaten nach dem ersten Lockdown erfreulicherweise dann auch stabilisiert. Aber selbst ein gutes Weihnachtsgeschäft kann die aufgelaufenen Umsatzeinbußen aus dem Frühjahr nicht mehr ausgleichen, so dass das Jahresergebnis der VEDES sicherlich belastet sein wird. Unsere Prognose für das Jahr 2020: ein negatives Konzernergebnis in einer Größenordnung zwischen 3 und 4 Mio. €. 

Aufgrund dieser Situation haben Sie frühzeitig neben einem Kostensenkungsprogramm auch Maßnahmen zur Sicherung der Liquidität in die Wege geleitet. Durch eine deutliche Reduzierung des Warenbestandes konnte der operative Cashflow im Konzern nachhaltig gesteigert werden – durch die Presse ging aber auch die Meldung, dass die VEDES am Nürnberger Standort Stellen abbauen muss. Ist das richtig?

Da sich aufgrund der Corona-Pandemie die ursprünglichen Geschäftserwartungen für das Jahr 2020 in die Zukunft verschoben haben, wurde eine bilanzielle Abschreibung auf den Firmenwert im Großhandel in Höhe von 4,2 Mio. € vorgenommen. Dieser Corona-bedingte Sondereffekt belastet wie schon gesagt heuer einmalig unser Jahresergebnis 2020. Aber – und das ist mir ganz wichtig – die bilanzielle Abschreibung führt operativ zu keinen Liquiditätsabflüssen. Die VEDES steht nach wie vor auf einem soliden Fundament. Wir haben frühzeitig alle Kosten auf den Prüfstand gestellt und ein Kostensenkungsprogramm in die Wege geleitet – dazu gehört auch eine neue schlankere Personalstruktur, mit der wir ab 2021 durchstarten werden.

Wenn wir Sie zitieren dürfen: „Die Krise erweist sich als Evolutionsbeschleuniger bei der Digitalisierung im Spielwarenhandel. Im Zuge unserer Omnichannel-Strategie beliefern wir bereits seit einigen Jahren sämtliche Distributionskanäle im Spielwarenhandel. Unsere mittelfristigen Geschäftsaussichten sind daher positiv und wir gehen davon aus, dass wir bereits 2021 wieder schwarze Zahlen schreiben werden.“ – geben Sie uns doch bitte einen kurzen Ausblick – Stand heute – für das kommende Jahr… 

Es ist unrealistisch davon auszugehen, dass wir bereits in 2021 wieder das Vor-Corona-Umsatzniveau erreichen können. Selbst wenn Anfang des Jahres ein Impfstoff zur Verfügung steht, wird es noch eine Weile dauern bis wieder Normalität in das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben einkehren wird. Im Hinblick auf die Umsatzerwartungen sind wir vorsichtig, was das Ergebnis anbelangt, sind wir eher optimistisch gestimmt. Wir haben durch die eingeleiteten Kostensenkungen in diesem Jahr auf jeden Fall die Weichen gestellt, um 2021 wieder in die Gewinnzone zurückzukehren.

Die nächste Frage bezieht sich auf die Schuldverschreibungen 2017/2022. 25 Mio. Euro müssen 2022 zurückbezahlt werden. Was bedeutet das für die kommenden beiden Jahre der VEDES AG?

Wir werden unsere unternehmerischen Ziele in den kommenden beiden Jahren erreichen und unsere Anleihe planmäßig in 2022 refinanzieren.

Gibt es etwas, das Ihnen abschließend noch auf dem Herzen liegt? Etwas, das Sie unseren Lesern, also der Branche mitteilen möchten?

In der Krise zeigt sich einmal mehr, dass die Spielwarenbranche robust ist. Das eröffnet auch in Zukunft Chancen für den Spielwarenhandel, die wir nutzen wollen. Aus meiner Sicht sind Industrie und Handel gleichermaßen gefordert, um durch effiziente Prozesse Margenzuwächse zu generieren. Es bleibt auf jeden Fall weiterhin spannend.

Herr Dr. Märtz, wir danken Ihnen ganz herzlich für das Gespräch.